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Minos (14.5.2010 – 4.7.2015)

Als wohl letzten Eintrag in diesem Blog muss ich hier leider einen Nachruf auf einen der beiden Darsteller dieses Blogs posten – unseren Serengeti Kater Minos. Wir haben Minos am Samstag um ca. 15:00 völlig überraschend verloren.

IMG_8469Ich glaube die beste Beschreibung für Minos ist, dass er eine wirklich besondere Katze war. Natürlich meint jeder Tierbesitzer dass „sein“ Tier ganz anders als alle anderen ist, aber im Falle von Minos haben wir tatsächlich nie eine Katze mit auch nur vergleichbarem Charakter gesehen. Auf seine Weise war Minos die Katzenversion eines Rockstars – er lebte kurz, aber hart.

Mehr als alle anderen Hauskatzen war Minos tatsächlich ein „Stubentiger“, eine Wildkatze in Miniatur. Wenn Minos durch ein Zimmer schritt, dann war er auf der Pirsch – und wenn im Wohnzimmer keine Antilopen zu reissen sind, dann mussten es eben Fliegen, Althira, oder verschiedene unbelebte Gegenstände sein.

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Das er dadurch in wenigen Jahren enorme Sachschäden (und eine Menge aufräumen und putzen) verursacht hat, war ein Preis den er uns gerne bezahlen hat lassen. Minos war auch ein Abenteurer – es gibt keinen Punkt in beiden Wohnungen, in der wir mit Minos gelebt haben, auf den er nicht irgendwann aus eigener Kraft geklettert, geturnt, oder gesprungen ist. Und wenn es manchmal auch Stunden gedauert hat.

Unsere Sessions mit der Spielangel oder mit dem Baldriankissen („Brings!“ mit mittelmässigem Erfolg – Minos hat das Kissen begeistert erlegt, aber warum er es uns zurückgeben sollte war ihm nie ganz klar) werden wir nie vergessen. Wer immer behauptet, mit Katzen zu spielen sei langweilig, hat nie Minos in action gesehen. So mancher Hundebesitzer wäre vor Neid erblasst. Das gilt auch für die Begeisterung, mit der Minos im Clickertraining Tricks trainiert hat. Die Ergebnisse davon seht ihr hier zum Teil auch in diesem Blog.

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Dabei war Minos auch eine sehr kuschlige und menschenzentrierte Katze. Wenn er schläfrig wurde wollte er uns immer nahe sein, zumindest im selben Zimmer, am besten aber gleich direkt auf unseren Beinen. Streicheln und berühren durften wir Minos immer, und (katzenuntypisch) überall – er genoss es sogar, an seinem flauschigen Bauch gestreichelt zu werden. Das galt aber nur für uns – anderen Menschen und Tieren gegenüber war Minos skeptisch, da ging dann doch wieder die Wildkatze mit ihm durch.

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Aber dann waren da noch die Krankheiten. Schon bevor er ein Jahr alt war, waren wir wohl ein knappes Dutzend mal beim Tierarzt mit ihm. Anhaltender schlimmer Durchfall, Ursache unbekannt. Nach zwei Monaten  hat (endlich) ein Tierarzt erfolgreich eine Futtermittelallergie gegen zumindest Lamm, Rind, und Huhn diagnostiziert, also so ziemlich alle Fleischsorten die in konventionellem Futtermittel enthalten sind. Mit sortenreinem Futter von Vetconcept ging der Durchfall endlich weg. Schon kurz später haben wir erstmals vereinzelte kreisrunde kahle Stellen in seinem wunderschönen Fell entdeckt. Vermutlich Neurodermitis, eventuell zusammenhängend mit der Futtermittelallergie, so richtig herausgefunden haben wir es nie.

Und dann stellt sich heraus dass Minos auch noch eine (wohl angeborene) Herzinsuffizienz hatte. Sein kleines Herz schaffte es nicht, alle Flüssigkeit aus den Organen wegzutransportieren, was am Ende zu einem Lungenödem geführt hat. Trotz regelmässiger Tierarztbesuche hatten wir keine Ahnung, bis unser Kater bereits tot war.

Uns bleibt der (furchtbare schwache) Trost, dass das Ende sehr, sehr schnell kam. Am Samstag morgen hat Minos noch normal gefressen. Als wir gegen Mittag vom Wochenendeinkauf nach Hause kamen erschien er uns ein wenig erschöpft, was wir aber auf die Hitze an diesem Sommertag zurückgeführt haben. Eine Stunde später war klar, das Minos Schmerzen hat, und wir beschlossen mit ihm „sicherheitshalber“ Samstag nachmittags direkt in die Notaufnahme der Vetsuisse zu fahren. Von uns zur Vetsuisse sind es 15 Minuten mit dem Auto. Als wir losgefahren sind dachte ich noch an einen Routine-Tierarztbesuch. Als wir dort in die Einfahrt gebogen sind war Minos schon tot.

Wie ein Rockstar hat er jeden Tag genossen. Am Ende dauerte sein Leidensweg wohl nicht länger als 2 oder 3 Stunden. Das ist beruhigend, aber trotzdem – einen solchen Kämpfer nach gerade einmal 5 Jahren eines natürlichen Todes sterben zu sehen, das ist alles andere als fair. Vielleicht werden wir uns irgendwann wieder eine zweite Katze als Gefährte für Althira holen. Ersatz wird es keiner werden.

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Willkommen, neue Trainer!

Nachdem die Zugriffszahlen auf diesen Blog aktuell circa um den Faktor 20 gestiegen sind (was wohl der indirekten Werbung von Birga Dexel auf VOX geschuldet ist) muss ich wohl eine kurze Entschuldigung abgeben, warum wir schon seit fast einem Jahr keine Updates mehr posten. Das liegt zum Teil daran, dass wir aktuell selbst viel zu wenig Zeit zum arbeiten mit unseren Katzen haben (und daher Trainingsvideos zu drehen niedrige Priorität hat), und wir andererseits unser ursprüngliches Ziel (unser Tutorial) abgeschlossen haben. Ich habe aber fix vor, in Zukunft wieder mehr Inhalt für diese Seiten zu produzieren!

In der Zwischenzeit kann ich euch nur ans Herz legen, euch auf der Katzenclicker-Mailingliste zu registrieren, und vor allem dort die Archive zu durchforsten. Unsere bestehenden Inhalte, die die grundlegenden Schritte des Trainings beschreiben, solltet ihr euch natürlich auch aufmerksam durchlesen.

In diesem Sinne: frohes Training, und gutes Gelingen!

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Blog-Urlaub

Liebe Leser, wie dem Einen oder Anderen von euch sicher aufgefallen ist, haben wir diese Woche erstmals keinen Artikel veröffentlicht :). Der Hauptgrund für diesen Lapsus war, dass Philipp letzte Woche in Australien war und keine Zeit hatte, an einem Artikel zu arbeiten. Allerdings haben wir inzwischen unser primäres Projekt – das Tutorial – abgeschlossen und meinen, uns damit eine Woche Auszeit verdient zu haben 😀

In der Zukunft werden wir weiterhin versuchen, einmal pro Woche einen (hoffentlich) interessanten Artikel zum Thema Katzentraining mit positiver Bestärkung zu veröffentlichen. Teils werden das einfach Trainingstipps und Videos für bestimmte Tricks sein. Teilweise werden wir auch etwas mehr auf die Theorie hinter Shaping, Konditionierung und Ähnlichem eingehen. Den nächsten Artikel in dieser Art gibt es dann am Wochenende.

Update: kaum geschrieben, müssen wir schon wieder eine Woche ausfallen lassen. Leider ist es momentan mit Philipp’s Arbeits- und Auslandszeiten nicht vereinbar, wirklich wöchentlich einen sinnvollen Artikel zu posten. Wir werden daher in Zukunft eher einen 2-Wochen-Rythmus anstreben. Das gibt uns auch mehr Zeit, wirklich relevantes und korrektes Material zu produzieren.

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Wie bitte, Katzen trainieren?

Warum sollte ich meine Katze trainieren?

Hunde und Pferde werden schon seit Jahrhunderten, im Prinzip seit ihrer Domestizierung, trainiert. Katzen nicht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Während Hunde und Pferde explizit trainiert werden mussten, um den Zweck ihrer Domestizierung zu erfüllen (Transport, Schutz, Schaftreiben, was auch immer), haben Katzen ihren ursprünglichen Zweck am Bauernhof (mausen) immer automatisch erfüllt. Niemand muss einer Katze einen Befehl geben, damit sie eine Maus frisst.

Nun gehen wir aber davon aus, dass ihr eure Katzen nicht, oder zumindest nicht primär, als lebende Mausefalle haltet, sondern als klassisches Haustier ohne besondere (Arbeits-)Funktion. Damit haben Katzen aber auch ein klassisches Haustierproblem geerbt:  Langeweile. Vielleicht glaubt ihr wie viele andere, dass es eurer Katze Spass macht den ganzen Tag und die ganze Nacht faul auf ihrem Lieblingsfleck zu liegen. Wir sind anderer Meinung. Wir finden, dass eure Katze es sich verdient hat, ein unterhaltsames Hobby zu haben. Und das Schöne ist: Eure Katzen zu trainieren kann auch euer Hobby werden.

Das ist die allererste Motivation, die wir im Kopf haben, wenn wir über katzentraining schreiben: Spass für euch und eure Katzen. Insofern werden die kleinen Tricks, die wir diskutieren, an sich nicht unbedingt nützlich sein. Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass Training durchaus auch verhaltenstherapeutische Aspekte haben kann. Weil wir die selben Techniken, die wir benutzen um einer Katze das Berühren eines sogenannten Targetstabs beizubringen, auch nutzen können um der Katze die Angst vor der Transportbox zu nehmen. Und vor allem auch, weil wir glauben, dass ein sehr grosser Teil aller Problemverhalten bei Wohnungskatzen ihren Ursprung in Langeweile und Unterforderung haben.

Katzen kann man doch nicht trainieren?

Doch. Ein Tier das lernt kann man auch trainieren. Stellt euch nur mal ein Tier in der Wildnis vor, dass nichts dazulernt. Evolutionstechnisch gesehen, wäre wohl die Erhaltung der Rasse so gut wie ausgeschlossen. Vielleicht ist euch ja gar nicht bewusst, was ihr alles eurer Katze schon unbewusst beigebracht habt. Vielleicht kommt die Katze mit freudig erhobenen Schwanz, sobald ihr das Regal mit den Futterdosen öffnet? Vielleicht braucht ihr die Transportbox nur schief anzusehen, und die Katze sitzt schon im letzten Eck unter der Couch?

Diese Verhaltensweisen sind der Katze nicht angeboren. Ihr habt sie der Katze antrainiert, wenn auch nicht bewusst. Die Technik, die ihr dabei verwendet habt, nennt man klassische Konditionierung. Ihr habt die Katze darauf konditioniert, dass bei Öffnen des Futterregals etwas Tolles (nämlich Futter) folgt, während die Transportbox mit etwas Negativem (z.B. einem Tierarztbesuch) verbunden ist. Die Katze reagiert nun auf diese konditionierte Erwartung.

Klassische Konditionierung passiert also andauernd zufällig, wir können sie aber auch bewusst für unser Training nützen. Dass ist die Grundidee des Clicker Trainings, der Methode die wir auf katzentraining (fast) ausschliesslich verwenden werden.

Clicker Training (oder, vielleicht exakter, Marker Training) ist eine Trainingsmethode die ursprünglich aus dem Delfintraining stammt, und von der bekannten Biologin Karen Pryor für die Arbeit mit Hunden, und in weiterer Folge für so ziemlich alle anderen Wirbeltiere, generalisiert wurde. Man kann die Clicker Methode also auf fast jedes Tier (und Menschen!) anwenden. Wenn ihr uns nicht glaubt, dann seht euch das folgende (Werbe-)Video der Firma R2fishschool an (© R2Fishschool) .

Und was kann man Katzen alles beibringen?

Nun, Katzen zu trainieren ist vielleicht nicht ganz so einfach wie Hundetraining, aber prinzipiell glauben wir, dass man Katzen jedes Verhalten bewusst antrainieren kann zu dem es körperlich und geistig fähig ist. Und das ist eine ganze Menge. Als kleines Beispiel wollen wir euch ein Video mit einigen Tricks unserer Katzen zeigen.

Allerdings ist das bei Weitem noch nicht alles, was prinzipiell möglich ist. Seht euch nur mal an was die Bengalkatze Kaiser http://useyourclicker.com) so alles kann. Ihr werdet staunen!

Seid ihr nun richtig motiviert, selbst mit dem Training zu beginnen? Super! Mit unserem Tutorial werden wir euch zeigen wie’s geht.

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