Schlagwort-Archive: Katzen

Willkommen, neue Trainer!

Nachdem die Zugriffszahlen auf diesen Blog aktuell circa um den Faktor 20 gestiegen sind (was wohl der indirekten Werbung von Birga Dexel auf VOX geschuldet ist) muss ich wohl eine kurze Entschuldigung abgeben, warum wir schon seit fast einem Jahr keine Updates mehr posten. Das liegt zum Teil daran, dass wir aktuell selbst viel zu wenig Zeit zum arbeiten mit unseren Katzen haben (und daher Trainingsvideos zu drehen niedrige Priorität hat), und wir andererseits unser ursprüngliches Ziel (unser Tutorial) abgeschlossen haben. Ich habe aber fix vor, in Zukunft wieder mehr Inhalt für diese Seiten zu produzieren!

In der Zwischenzeit kann ich euch nur ans Herz legen, euch auf der Katzenclicker-Mailingliste zu registrieren, und vor allem dort die Archive zu durchforsten. Unsere bestehenden Inhalte, die die grundlegenden Schritte des Trainings beschreiben, solltet ihr euch natürlich auch aufmerksam durchlesen.

In diesem Sinne: frohes Training, und gutes Gelingen!

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Trainingstheorie: die Grundregeln des Shapings

Hallo liebe Clicker-Freunde,

hoffentlich habt ihr Weihnachten und Silvester gut verbracht. Hier ist ein Vorschlag für einen tollen Neujahrsvorsatz: Nehmt euch vor, euch dieses Jahr mehr um eure Katzen zu kümmern und sie geistig und körperlich zu fordern und zu fördern!

Um euch dabei behilflich zu sein, wollen wir in diesem Artikel die grundlegenden Regeln des Shapings einmal gesammelt vorstellen. Die meisten dieser Regeln sind hier in diesem Blog schon an der einen oder anderen Stelle, zumindest zwischen den Zeilen vorgekommen, aber wir finden, es ist sinnvoll, sie an dieser Stelle noch einmal als übersichtliche Referenz zu präsentieren. Wie schon der Inhalt dieses früheren Artikels, stammen die hier beschriebenen Regeln aus dem Pryor-Buch „Positiv bestärken – sanft erziehen: Die verblüffende Methode, nicht nur für Hunde“ (Originaltitel: „Don’t Shoot the Dog! The New Art of Teaching and Training“). Mehr Details zu diesen Regeln findet ihr also dort. Im Original sind es übrigens 10 Regeln – eine (immer zuerst auf variable Bestärkung umstellen, bevor man den nächsten Schritt trainiert) haben wir euch unterschlagen, da wir in diesem Blog überhaupt noch nie über variable Bestärkung geschrieben haben.

Shaping-Regeln nach Pryor

  1. Erhöht die Anforderungen nur in kleinen Schritten  – Bekanntlich trainieren wir beim Shaping neue Verhaltensweisen, indem wir uns dem gewünschten Verhalten in kleinen Schritten annähern. Wenn wir zum Beispiel das Gehen auf eine Decke trainieren, belohnen wir erst einmal einen Blick auf die Decke, dann Bewegungen zur Decke hin und schliesslich das Betreten der Decke. Wichtig hierbei ist, dass wir, wann immer wir die Anforderungen an die Katze erhöhen, nur so viel mehr fordern, dass die Katze immer eine realistische Chance auf Erfolg hat. Im Zweifelsfall empfehlen wir, lieber in zwei kleinen als in einem grossen Schritt zu trainieren.
  2. Trainiert nur ein Kriterium auf einmal – Um beim Training ganz klare Signale an die Katze zu senden, ist es wichtig, immer nur ein Kriterium gleichzeitig zu trainieren. Wenn wir zum Beispiel ein Männchen trainieren, versuchen wir niemals gleichzeitig ein höheres und ein längeres Männchen zu shapen. Das Problem beim Training mit zwei oder mehr Kriterien ist einfach: Wenn wir eine Ausführung nicht clicken (weil eine der Kriterien verletzt war, z.B. ist die Katze zu schnell wieder aus dem Männchen runtergegangen), weiß die Katze nicht, welche der beiden Kriterien nun verletzt wurde. Aus ihrer Sicht könnte das Männchen genauso gut auch zu niedrig gewesen sein.
  3. Wenn ein neues Kriterium eingeführt wird, werden die alten Kriterien vorübergehend gelockert – Dies gilt vor allem, wenn wir bei einem bestehenden Trick einen neuen Aspekt einführen wollen. Wenn wir zum Beispiel zu einem bestehenden Trick ein verbales Signal einführen wollen, achten wir beim Training des neuen Signals vorerst nicht so sehr auf die korrekte Ausführung des eigentlichen Tricks. Dem geneigten Lesen wird auffallen, dass diese Regel eigentlich nur ein spezieller Fall der vorherigen Regel ist: Wenn wir ein verbales Signal trainieren, trainieren wir das Signal und nicht zeitgleich auch eine verbesserte Ausführung des eigentlichen Tricks.
  4. Plane gut im Voraus – Versucht immer, so gut wie möglich vorbereitet zu sein, gerade wenn ihr einen neuen Trick trainieren wollt. Welche Zwischenschritte könnte die Katze anbieten? In welchen Schritten wollt ihr die Anforderungen erhöhen? Was macht ihr, wenn eure Trainingsidee nicht aufgeht? Habt ihr dann eine Alternative parat? Und im Gegenteil – was macht ihr, wenn die Katze schnellere Fortschritte zeigt als erwartet? Seit ihr auch für diesen Fall gerüstet, wisst ihr schon wie das Training dann weitergehen sollte? Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass ihr aus jeder einzelnen Trainingseinheit mit euren Miezen eine Wissenschaft machen müsst, aber ein bisschen Vorausplanung ist schon angebracht. Schliesslich geht es im Training öfters ein wenig chaotisch zu – da ist es essentiell, die wichtigsten Eventualitäten schon zuvor durchgedacht zu haben.
  5. Nur ein Trainer für einen Trick, so lange der Trick noch nicht fertig trainiert ist – Diese Regel ist natürlich nur relevant für euch, wenn bei euch (so wie bei uns) mehrere Trainer mit den selben Katzen arbeiten. Dann solltet ihr euch eisern daran halten, dass während ein Trick noch nicht sitzt, immer nur der selbe Trainer an diesem Trick arbeitet. Wenn der Trick dann mal fertig trainiert ist, kann ihn natürlich auch ein anderer Trainer abrufen. Der Grund für diese Regel ist einfach – auch wenn wir uns bemühen, die selben Anforderungen und Zeichen zu verwenden, so trainiert trotzdem jeder von uns ein wenig anders. Für uns sind diese Unterschiede zwischen den Trainern oft kaum erkennbar, aber die Katze in der Trainingsphase, kann manchmal schon eine andere Körperhaltung während des Trainings verwirren.
  6. Wenn eure Trainingsidee nicht funktioniert, probiert etwas anderes – Eigentlich eine sehr einfache Regel, die man trotzdem überraschend oft vergisst. Wenn ihr euch einen Plan zurecht gelegt habt, wie ihr einen bestimmten Trick trainieren wollt und ihr macht keine Fortschritte, dann überlegt euch einen neuen Plan. Im Katzentraining gibt es keine Trophäe dafür, einen Trick auf besonders umständliche Weise trainiert zu haben :).
  7. Beendet keine Trainingseinheit überraschend – Leider kommt das immer wieder vor – ihr seit am shapen und plötzlich läutet das Telefon. Ihr springt auf und verlasst den Raum. Eure Katze versteht die Welt nicht mehr. Was hat sie falsch gemacht, dass ihr das Training so abrupt abgebrochen habt? Versucht solche Situationen im Training, wann immer möglich, zu vermeiden. Auch wenn euch klar ist, dass das Trainingsende nichts mit der Katze zu tun hat, sie weiß das nicht – für die Katze wird ein überraschender Abbruch immer wie eine Strafe wirken.
  8. Wenn ein Verhalten plötzlich einbricht, gehe einige Schritte zurück – Es wird immer wieder vorkommen, dass ihr Rückschritte im Training erleidet, so dass zum Beispiel Tricks, von denen ihr dachtet, dass sie schon fertig trainiert sind, plötzlich nicht mehr funktionieren. In diesem Fall geht ihr einige Schritte im Training zurück und baut den Trick wieder neu auf. Keine Sorge, ihr müsst ganz sicher nicht wieder bei 0 anfangen. Typischerweise erinnert sich die Katze nach 1 bis 2 Wiederholungen schnell wieder und der Trick funktioniert wieder wie vor dem kleinen Rückfall.
  9. Beende die Trainingseinheit rechtzeitig – Versucht immer mit dem Training aufzuhören, bevor die Katze keine Lust mehr hat oder die Konzentration verliert. Wie lange das dauert, kann man nicht allgemein sagen, aber nach einigen Trainingseinheiten solltet ihr eure Katze gut genug kennen, um die ersten Anzeichen von Müdigkeit oder Lustlosigkeit zu erkennen. Spätestens dann ist dringend Zeit zum aufhören!

Einige abschliessende Worte

Die meisten der oben beschriebenen Regeln sind auf einige wirklich einfache Axiome zurückzuführen. Wir versuchen immer, es der Katze so leicht wie möglich zu machen und wollen mit ihr so klar wie möglich kommunizieren, um ihr zu verstehen zu geben, was wir gerne möchten. Außerdem gibt die Katze die Trainingsgeschwindigkeit vor. Wenn wir diese Punkte im Kopf behalten, kann beim Training eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

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Frohe Weihnachten!

Liebe Katzentrainer (und die, die es noch werden wollen), wir wünschen euch, euren Familien und natürlich euren Katzen, Hunden und restlichen Haustieren ein schönes, frohes Fest!

MERRY CHRISTMAS!

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Trick: Der Sprung durch den Reifen

Diese Woche stellen wir hier mit dem Sprung durch den Reifen wieder einmal einen sehr schönen Trick vor, den ihr nachtrainieren könnt. Dieser Trick eignet sich besonders gut dazu, eine aktive Katze (wie unseren Minos) so richtig auszupowern. Nicht zu vergessen ist auch, dass der Trick sich wunderbar eignet, um vor Freunden anzugeben 🙂 Katzen, die durch Reifen springen, kennen die Meisten schliesslich nur aus dem Zirkus. Man muss ja nicht dazusagen, dass der Sprung durch den Reifen (zumindest in moderater Höhe)  im Prinzip ein sehr einfacher Trick ist, den man eigentlich jeder halbwegs vitalen Katze recht einfach beibringen kann…

Voraussetzungen

Um mit dem Training für diesen Trick zu beginnen, sollte eure Katze zumindest das Nasentarget kennen und ihr als Trainer solltet mit den Grundlagen des Shapings vertraut sein. Diese beiden Techniken werden wir für das Training dieses Tricks verwenden. Ausserdem ist es auch hilfreich, wenn ihr wisst, wie man den Targetstab später wieder abbaut. Das haben wir in dieser Übung diskutiert.

Logischerweise brauchen wir, um den Sprung durch den Reifen zu trainieren, auch einen Reifen passender Größe. Wir verwenden eine handelsübliche runde Kuchenbackform mit abnehmbarem Boden (z.B. sowas hier). Den Durchmesser solltet ihr natürlich an die Katze anpassen. Je größer der Durchmesser des Rings im Vergleich zum Durchmesser der Katze ist, umso leichter wird der Katze der Sprung fallen. Anfangs solltet ihr im Zweifel also eher einen größeren Ring wählen.

Den Sprung Shapen

Wie oben erwähnt, shapen wir den Sprung mit Hilfe eines Nasentargets.

Anfangs stellen wir den Ring vertikal auf den Boden und lotsen die Katze mit Hilfe des Targetstabs durch den Ring. Einen Click bekommt die Katze immer, wenn sie sich gerade mitten im Ring oder auf dem Weg durch den Ring hindurch befindet. Das Leckerli füttern wir so, dass die Katze danach gleich wieder in Position ist, den Ring in die andere Richtung zu durchqueren. Anfangs wird die Katze den Ring vielleicht noch furchterregend oder eigenartig finden, doch nach ein paar Wiederholungen wird sie sicher und flott durch den Ring durchhuschen (ansonsten ist der Ring eventuell zu klein). Nun beginnen wir, in kleinen Schritten den Ring immer mehr vom Boden zu heben. Anfangs wird die Katze keinen Unterschied merken, aber nach ein paar Wiederholungen muss sie nun schon ein bisschen höher steigen, um den unteren Rand des Rings zu übersteigen. Irgendwann muss sie tatsächlich springen, um durch den Ring (und nicht etwa untendurch) zum Target zu gelangen. Selbstverständlich bekommt die Katze nur einen Click, wenn sie den Ring auf dem Weg zum Target nicht umgeht, und ebenso selbstverständlich clicken wir weiterhin, während die Katze gerade durch den Reifen springt (und nicht danach).

Wenn die Katze konsequent durch den Reifen springt, bauen wir den Targetstab ab und steigen auf ein Handzeichen um. Wir verwenden als Handzeichen einen Fingerzeig auf der anderen Seite des Reifens (seht euch das Ende des Videos unten an, um zu sehen, was wir meinen). Wie immer solltet ihr, während ihr den Targetstab abbaut, die anderen Kriterien reduzieren – in diesem Fall solltet ihr den Ring also nicht zu hoch halten, während die Katze noch unsicher mit dem neuen Zeichen ist.

Diesen Trick zeigt unser Spezialist für aktive Übungen – Kater Minos – vor:

Variationen

Am Ende des Videos oben seht ihr auch eine sehr schöne Variation des Sprungs durch den Reifen. Hier springt Minos – ganz athletisch – durch den Reifen vom Kasten zum Kratzbaum und umgekehrt. Sitzt der Reifensprung erst einmal, ist so eine Erweiterung nicht mehr sehr schwierig zu trainieren (und sieht ganz wunderbar spektakulär aus). Eine Warnung allerdings: Bevor ihr diesen Trick versucht, müsst ihr eure Katze zuerst in einem normalen Sprung genau beobachten und dann den Ring direkt in die Flugbahn halten. Wir wollen ja nicht, dass das Kätzchen abstürzt (aber keine Angst, normalerweise wird die Katze den Sprung einfach verweigern, wenn ihr den Ring nicht passend haltet – die ist ja auch nicht doof :D)!

Eine zweite Variation dieses Tricks ist es, den Ring (wie im Zirkus) mit einem leicht reissenden Papier (zum Beispiel Toilettenpapier) zu überkleben, und die Katze springt dann durch das Papier durch (TATA!). Leider ist dieser Trick etwas mühsam in der Vorbereitung, da ihr (aus offensichtlichen Gründen) euren Reifen nach jeder Ausführung wieder neu vorbereiten müsst. Als kleine Anregung zeigen wir euch zum Abschluss ein Video, wo ein Hund diesen Trick lernt:

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Übung: Weg vom Futter

Diese Woche wollen wir euch wieder eine kleine praktische Übung zeigen, die euch beim Training helfen soll. Wir haben sie (indirekt) von Birgit Laser gelernt, die diese Übung immer wieder Anfängern auf ihrer Katzenclicker Mailingliste nahelegt. Besonders hilfreich sollte die Übung beim Training von unerfahrenen und/oder besonders gefräßigen Katzen sein 😀

Weg vom Futter

Beim Clickertraining haben wir manchmal das Problem, dass unser Trainingsobjekt wenig Interesse daran zeigt, sich Clicks und Leckerlies zu verdienen. Vielmehr versucht die Katze, die Leckerlies gleich direkt aus dem Futterbeutel oder der Dose zu stibitzen. Aus Sicht der unerfahrenen Clickerkatze ist das verständlich – woher soll sie denn bitte wissen, dass sie sich, um an das Futter direkt vor ihrer Nase zu kommen, zum Beispiel hinlegen soll? Ist doch viel naheliegender, einfach zu der Dose hinzugehen und sich dort selbst zu bedienen (nicht zu vergessen, dass es auch einfacher ist 🙂 ). Dazu kommt noch, dass ältere Katzen, die gerade erst das Clickern lernen, in langen Jahren daran gewöhnt wurden, Leckerlis vor ihrer Nase sofort und ohne Leistung ihrerseits zu bekommen. Alles in allem gibt es Katzen, die sich, sobald sie die Leckerlis sehen und riechen, in erster Linie auf das Erbeuten dieser Leckerlis konzentrieren. Training ist so natürlich nicht wirklich möglich.

Wir haben zwei Möglichkeiten, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die erste Möglichkeit ist einfach, das Futter besser zu verstecken, so dass die Katze die Belohnung erst bemerkt, wenn sie diese auch tatsächlich bekommt. Zum Beispiel kann man dazu eine verschliessbare Futterdose verwenden, die man hinter dem Rücken versteckt. Gerade für den Anfang empfehlen wir üblicherweise diese Vorgangsweise. Die zweite Möglichkeit ist, der Katze durch Training beizubringen, dass in der Clickersituation Futter vor Ort ist, welches für die Katze aber trotzdem nicht direkt erreichbar ist.

Übung

Dazu gibt es eine nette Übung, die Birgit Laser Weg vom Futter nennt. Im Grunde geht es dabei darum, dass wir der Katze beibringen, sich in Geduld zu üben. Die Katze sieht das Futter, riecht das Futter, kann es aber nur erreichen, indem sie (eher unnatürlich für die Katze) vom Futter weggeht.

Wir nehmen eine Handvoll Leckerlis (optimalerweise welche, die intensiver riechen) in die linke Hand und setzen uns vor der Katze auf den Boden. Wir öffnen die linke Hand und präsentieren der Katze das Futter. Wenn die Katze auf das Futter zugeht, schliessen wir die Hand wieder, damit die Katze das Futter nicht erreicht. Als Alternative präsentieren wir die offene rechte Hand (in der wir aber kein Futter haben). Nun bekommt die Katze einen Click (wahrscheinlich einen Zungenclick, da ihr keine Hand freihaben werdet) und etwas Futter aus dem Fundus in der linken Hand, sobald sie sich in Richtung der leeren rechten Hand orientiert. Nach einigen Wiederholungen lernen die meisten Katzen schnell, dass die rechte Hand viel interessanter ist als die Linke, obwohl dort augenscheinlich kein Futter zu finden ist.

An dieser Stelle haben wir wieder ein (sehr kurzes) Video für euch vorbereitet. Dieses Mal haben wir auf einen Gastdarsteller zurückgegriffen, den Kater Brummel von Philipp’s Eltern.

Das Video ist leider spontan entstanden und zeigt keine optimale Ausführung dieser Übung (findet die Fehler 🙂 ), aber hoffentlich sollte es euch trotzdem einige Ideen geben, wie ihr euch das Weg vom Futter in der Praxis vorstellen könnt.

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Trick: Gib Pfote!

Diese Woche gibt es in diesem Blog einmal wieder eine Anleitung für einen Trick und zwar dem allseits beliebten Gib Pfote!. Dabei halten wir die flache Hand ungefähr auf Schulterhöhe der Katze hin und sie soll ihre Pfote auf unsere Hand legen. Dieser Trick ist flott zu trainieren und kann auch als Basis für späteres Medical Training (zum Beispiel um die Pfote zu untersuchen) dienen. Ausserdem könnten wir basierend auf dem Gib Pfote! später auch ein Schlag ein!  trainieren.

Gib Pfote

Für diesen Trick gibt es kaum Vorbedingungen. Im Prinzip können wir ihn mit jeder Katze trainieren, die zumindest die Basiskonditionierung auf den Clicker durchlaufen hat (wie hier beschrieben). Gib Pfote! eignet sich auch für Anfänger (Katzen wie Trainer 🙂 ). Wir werden den Trick im Folgenden rein über Shaping trainieren. Ihr solltet also zumindest diese Basistechnik kennen, um den Trick zu trainieren.

Wir shapen den Trick in einigen wenigen Schritten. Anfangs legen wir die Hand dazu direkt neben der Pfote flach auf den Boden, am Besten so, dass die Katze auch mitbekommt, was wir da treiben. Dann clicken wir, wie immer, schon schnelle Blicke auf die Hand hin oder erste Bewegungen zur Hand. Der zweite Schritt ist dann wahrscheinlich ein Schnuppern an der Hand. Nun ist es wichtig, den Moment zu erwischen, in dem die Katze in der Nähe der Hand erstmals die Pfote hebt. Wenn wir diesen Moment richtig clicken, dauert es sicher nicht mehr lange, bis unsere Miez ihre Pfote erstmals vorsichtig in die Nähe der Hand bewegt (click!). Als nächsten Schritt fordern wir dann eine sanfte Berührung der Hand mit der Pfote, nur für eine Zehntelsekunde. Danach beginnen wir, die Hand langsam vom Boden zu heben, bis die Katze unsere Hand auch 10cm über dem Boden berührt. Als letzten Schritt shapen wir nun die Zeit, die die Pfote in unserer Hand liegt. Unser Ziel ist, dass Miez ihre Pfote so lange in unserer Hand liegen lässt, bis wir clicken (auch wenn wir uns einige Sekunden Zeit lassen). Erwartet aber wie immer anfangs nicht zu viel – eine halbe Sekunde Berührung ist für eine schüchterne Katze schon toll!

Philipp demonstriert das Training dieses Tricks nun mit Althira:

Variationen

Wenn euch die Basisversion dieses Tricks zu langweilig wird, könntet ihr folgende Varianten probieren:

  • Linke Pfote / Rechte Pfote – Ihr haltet die linke Hand hin und die Katze gibt die linke Pfote; wenn ihr die rechte Hand hinhaltet, gibt die Katze die rechte Pfote.
  • Pfote untersuchen – Wie oben schon beschrieben, ist Pfote untersuchen eine Standardübung im Medical Training. Dabei darf die Katze ihre Pfote nicht zurückziehen, auch wenn sie sanft gedreht oder ansonsten etwas bewegt wird. Das ist auch hilfreich, wenn ihr die Krallen der Mieze kürzen wollt.

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Übung: Die Box der 100 Verhalten

Willkommen zu einem neuen Clicker-Artikel hier am katzentraining Blog. Diese Woche wollen wir eine schöne Übung vorstellen, die wir verwenden können, um die Kreativität unserer Katzen zu trainieren. Diese Woche geht es also nicht darum, einen bestimmten Trick zu lernen, sondern um eine allgemeinere Technik, die uns hilft, andere Tricks leichter zu shapen.

Kreativität trainieren?

Vielleicht wundert ihr euch jetzt gerade ein wenig. Kreativ ist man doch, oder man ist es nicht? Kreativität kann man doch nicht trainieren, oder? Interessanterweise kann man das doch. Karen Pryor, von der in diesem Blog öfters mal die Rede ist (z.B. basiert dieser Artikel hier auf ihrer Arbeit), hatte in ihrer Zeit als Delfin-Trainerin in Hawaii folgendes interessante Erlebnis. In den Sechziger-Jahren wollte Pryor als Teil ihrer Delfin-Show live demonstrieren, wie die Delfine eigentlich trainiert wurden. Dazu wartete sie, bis ein bestimmter Delfin irgendein (zuvor untrainiertes) Verhalten zeigte und bestärkte dieses so lange, bis der Delfin dieses neue Verhalten stark verstärkt anbot. Das passierte von nun an täglich – der Delfin tat etwas, dass er in der Show normalerweise nicht tat und wurde dafür großzügig belohnt. Schnell stellte sich nun aber ein Problem ein – was passiert, wenn alle normalen Delfinverhalten verwendet wurden? Sehr zur Überraschung der Trainerin löste der Delfin das Problem von sich aus. Nachdem ihm die normalen Verhalten ausgegangen waren, liess er sich statt dessen eben neue Verhalten einfallen, die die Trainerin noch nie zuvor von ihm gesehen hatte und die auch nicht unbedingt zum normalen Verhaltensspektrum von freilebenden Delfinen zählen.

Was war passiert?  Im Endeffekt hatte der Delfin gelernt, dass in diesem Teil der Show das von ihm erwartete Verhalten mach etwas Neues war, genauso wie er zuvor gelernt hatte, zu anderen Zeiten einen Ball auf der Nasenspitze zu balancieren. Nach allen üblichen Definitionen hatte der Delfin gelernt, in diesem Teil der Vorführung kreativ zu sein. Mehr Hintergrund hierzu findet ihr in Paul Chance – Learning & Behavior.

Die Box der 100 Verhalten

Im Katzentraining können wir eine ähnliche Übung verwenden, um die Kreativität unseren Katzen zu steigern. Wir nennen diese Übung die Box der 100 Verhalten (Karen Pryor spricht von 101 Things to Do with a Box – offensichtlich beherrschen unsere Katzen also zumindest ein Verhalten weniger als Pryor’s Hunde 🙂 ). Das Prinzip der Box der 100 Verhalten ist einfach:

Als Requisit brauchen wir für diese Übung eine Box (z.B. die Schachtel, in der die letzte Katzefutterlieferung kam 🙂 ), die noch nicht anderweitig im Training verwendet wird. Optimalerweise kennt die Katze diese Box auch noch nicht aus ihrem Alltag. Nun stellen wir die Box vor der Katze auf den Boden und clicken alle Verhalten der Katze, die mit der Box zu tun haben. Das könnte zum Beispiel sein: Box anschauen, auf Box zugehen, Box anschnuppern, Box ablecken, Box beissen, linke Pfote auf die Box, rechte Pfote auf die Box, um die Box herumgehen, in die Box springen, die Box weiterschieben, … Aber: wir belohnen jedes Verhalten nur, wenn es das erste (maximal das zweite) Mal gezeigt wird und vorher noch nie oder zumindest schon länger nicht mehr angeboten wurde. Die Katze muss sich also kontinuierlich etwas Neues einfallen lassen, um sich Clicks zu erarbeiten.

Ein paar wenige Hinweise zu dieser Übung:

  • Bei dieser Übung ist es besonders wichtig, keinen Frust aufkommen zu lassen. Hier sollte wirklich Click auf Click folgen. Damit das auch geht, sollten wir als Trainer gerade anfangs keine allzu grossen Erwartungen an die angebotenen Verhalten stellen. Zum Anfang kann man an einer anderen Stelle riechen oder eine andere Stelle der Box berühren durchaus noch als neues Verhalten durchgehen lassen.
  • Natürlich wird es mit Dauer der Trainingseinheit immer schwieriger für die Katze, neue Verhalten zu finden. Im Gegensatz zum hochtrainierten Star-Delfin von Karen Pryor werden unsere Katzen – wenn ihnen die üblichen Verhalten ausgehen -wohl nicht sofort munter neue Verhalten erfinden. Statt dessen wird die Übung irgendwann etwas ins Stocken kommen. Hier ist es wieder besonders wichtig, nicht zu viel Frust aufkommen zu lassen und jeden Anflug von Initiative und Kreativität gleich zu verstärken.
  • Bei dieser Übung muss auch auf die Trainingszeit geachtet werden. Da die Katze hier sehr gefordert wird, kann es sein, dass sich die Konzentrationsspanne der Katze gegenüber dem üblichen Training verkürzt. Wenn ihr also merkt, dass die Katze nicht mehr ganz so konzentriert ist, hört lieber früher als zu spät auf.
  • Wenn ihr schon länger mit eurer Katze trainiert, aber diese Übung noch nie gemacht habt, könnte es sein, dass die Katze anfangs sehr verwirrt ist. Das ist auch verständlich, schliesslich ist normalerweise  ein Click immer ein Zeichen für toll, gleich nochmal. In dieser Übung heisst der Click aber toll, aber jetzt mach was anderes.  Das ist schon eine Umstellung, für die ihr der Katze etwas Zeit geben solltet.

Alternativen

Natürlich kann man die Box der 100 Verhalten nicht nur mit einer Schachtel üben. Statt dessen könnt ihr auch mit verschiedenen anderen Gegenständen experimentieren, so lange die Katze irgendwelche Möglichkeiten hat, mit dem Gegenstand zu interagieren. Das ist auch der Grund, warum man im Allgemeinen eine Box verwendet. Man kann mit dieser einfach mehr anstellen, als zum Beispiel mit einer Flasche oder einem Stofftier. Reizvoll ist aber sicher auch, diese Übung einmal ganz ohne Requisit auszuprobieren. Auch (oder sogar gerade) ohne Requisit sind die möglichen Verhalten, die die Katze anbieten könnte, fast unbegrenzt.

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Trainingstheorie: Wie man unerwünschtes Verhalten abtrainieren (könnte)

In diesem Artikel werden wir etwas Abstand vom (reinen) Clickertraining gewinnen und einen kleinen Ausflug in die Erziehung von Katzen ganz Allgemein machen. Genauer gesagt, wollen wir an dieser Stelle die acht prinzipiellen Arten vorstellen, wie wir mit unerwünschtem Verhalten bei unseren Mietzen umgehen können. Der folgende Artikel ist stark angelehnt an einen (englischsprachigen) Artikel von Karen Pryor, welcher wiederum auf Karen’s ausgezeichnetem Buch „Positiv bestärken – sanft erziehen: Die verblüffende Methode, nicht nur für Hunde“ (Originaltitel: „Don’t Shoot the Dog! The New Art of Teaching and Training“) basiert. Mehr Details zu den folgenden Themen findet ihr in eben diesen Originalquellen.

Egal um welches unerwünschte Verhalten es geht, wir haben im Prinzip acht grobe Kategorien von Methoden, wie wir mit dem unerwünschten Verhalten umgehen können. Da Karen Pryor eine starke Proponentin von positiven Trainingsmethoden ist, hat sie die Liste in 4 gute und 4 böse Feen eingeteilt :D. Es sei dem Leser überlassen, zu überlegen, was die guten und was die bösen Feen dabei sind.

‚Shoot The Cat‘

In diese Kategorie fällt (neben dem Abgeben der Katze) auch alles, was dem Tier die grundsätzliche Möglichkeit nimmt, das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Wenn z.B. die Katze auf den Tisch springt, um von euren Steaks zu naschen und ihr sperrt sie daher während dem Essen aus dem Zimmer, fällt das auch in diese Kategorie.
  • Vorteil: Funktioniert immer, garantiert.
  • Nachteil: Die Katze lernt in Wahrheit nichts. Wenn ihr die Katze ein Jahr lang konsequent beim Essen aussperrt und danach wieder reinlässt, habt ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort wieder das alte Problem. Hier findet also kein Lernprozess im eigentlichen Sinn statt, sondern nur Symptombekämpfung.

Bestrafen

Für Viele (leider) immer noch die Erziehungsmethode schlechthin, obwohl sie nachgewiesenerweise selten funktioniert (dazu sind Verhalten und Strafe meistens einfach zu sehr entkoppelt). Im Allgemeinen ist der einzige Effekt von Strafen, dass sich der Bestrafer danach besser (sprich weniger ohnmächtig) fühlt.
  • Vorteil: Eigentlich keine die wir sehen würden.
  • Nachteil: Bestrafen, so dass es etwas bringt, ist richtig schwierig. Falsch bestrafen ist einfach, zerstört aber sehr, sehr leicht die Beziehung zur Katze.

Negative Verstärkung

Diese Methode wirkt auf den ersten Blick für viele ähnlich wie bestrafen, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Bei negativer Verstärkung gibt es zuerst einen negativen Reiz, der entfernt wird, sobald das Tier das gewünschte Verhalten zeigt bzw. wenn es aufhört, das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Würgehalsbänder für Hunde funktionieren nach diesem Prinzip. Im Gegensatz zur Bestrafung hat das Tier hier tatsächlich einen Anreiz, sein Verhalten zu ändern. Sonderlich nett ist die Methode aber natürlich trotzdem nicht.
  • Vorteil: Funktioniert im Gegensatz zur Bestrafung wirklich, zumindest wenn die Technik richtig verwendet wird. Pferde werden seit Jahrhunderten so trainiert und geritten (auch wenn in diesem Bereich in letzter Zeit des öfteren der Clicker und positive Trainingsmethoden zum Einsatz kommen).
  • Nachteil: Auch hier kann falsche Anwendung die Beziehung zur Katze grundlegend zerstören. Ausserdem muss das Timing sehr gut sein, was die Trainingsmethode in der Katzenerziehung für die allermeisten typischen Probleme recht ungeeignet macht.

Löschen

Das Verhalten auslöschen (lassen), entweder durch bewusstes Training oder weil das Verhalten von selbst aufhört. Die meisten Probleme mit Kitten hören z.B. von selbst auf, wenn sie älter werden.
  • Vorteil: Bei vielen altersbedingten Problemen ist Aussitzen die beste und einfachste Möglichkeit für alle Beteiligten, vor allem kombiniert mit der ersten Methode (alles wegräumen, dann kann das Kitten nichts kaputt machen und irgendwann wächst es aus der schwierigen Kitten-Phase ohnehin raus). Mit dem Clicker kann man das Löschen mancher Verhalten beschleunigen.
  • Nachteil: Natürlich verschwinden nicht alle problematischen Verhalten von selbst. Dann kann man zwar immer noch bewusst das Löschen trainieren, was sich aber manchmal etwas schwierig gestaltet (vor allem, wenn das Verhalten selbstbestärkend ist).

Ein inkompatibles Verhalten trainieren

Wenn eine Katze trainiert ist, auf Signal auf einer Decke zu bleiben, kann sie nicht gleichzeitig ein Steak vom Tisch stehlen. Dieses alternative Verhalten kann man natürlich bestens mit dem Clicker trainieren.
  • Vorteil: Man findet für fast alle unerwünschten Verhaltensweisen ein inkompatibles Verhalten. Die Methode ist also ziemlich generisch.
  • Nachteil: Erstens muss man natürlich in der Lage sein, die Alternative zu trainieren. Zweitens muss das alternative Verhalten für die Katze mindestens ebenso belohnend sein, wie das unerwünschte Verhalten. Keine Katze bleibt eine halbe Stunde während dem Essen ruhig auf der Decke liegen und schaut beim Steakessen zu, wenn die Belohnung nicht auch angemessen ist.

Das unerwünschte Verhalten unter Signalkontrolle bringen

Hier wird das unerwünschte Verhalten explizit trainiert. Klingt komisch, ist aber so. Die grundsätzliche Idee ist bei dieser Methode, dass Katzen Verhalten, das sie im Rahmen des Clickertrainings auf Signal auszuführen lernen, meist nicht mehr ohne Signal zeigen (man nennt dies ‚das Verhalten unter Signalkontrolle bringen‘).
  • Vorteil: Ein gangbarer und positiver Weg, wenn man Erfahrung im Training hat.
  • Nachteil: Während des Trainings (also so lange das Verhalten noch nicht unter Signalkontrolle ist) verstärkt man damit das unerwünschte Verhalten sogar noch. Wenn man es nicht schafft, das Verhalten komplett unter Kontrolle zu bringen, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem sogar noch verschlimmern.

Die Abwesenheit des unerwünschten Verhaltens positiv verstärken

Anstatt die Katze zu massregeln, wenn sie beim Essen auf den Tisch spring, wird belohnt, wenn sie untenbleibt. Wichtig hier ist, dass anfangs sehr viel und stark belohnt wird (schliesslich sollte die Katze keinen unmittelbaren Anreiz haben, sofort über die Steaks herzufallen – die Katze sollte also den Eindruck haben, dass sich Untenbleiben unmittelbar mehr auszahlt, als die Steaks zu erbeuten). Die Frequenz der Belohnung kann dann über die Zeit aber langsam zurückgefahren werden. Irgendeinen Anreiz sollte es aber dauerhaft geben, brav zu bleiben.
  • Vorteil: Funktioniert und ist sogar relativ einfach zu trainieren. Im Gegensatz zur negativen Verstärkung, gibt es auch kein Risiko, dass die Katze diese Art des Trainings übel nimmt.
  • Nachteil: Keine Besonderen, ausser dass man die Katze dauerhaft ein wenig belohnen muss. Das Training ist also kein Selbstläufer, das man einmal trainiert und dann nie wieder berücksichtigt.

Die Ursache des unerwünschten Verhaltens finden und eliminieren

Das ist quasi die Königsdisziplin der Verhaltensänderung. Hier ist das Ziel herauszufinden, warum die Katze das unerwünschte Verhalten zeigt, um im Anschluss die Motivation zu ändern. Warum ist die Katze so interessiert an den Steaks am Tisch? Hat sie starken Hunger? Vielleicht hilft es, die Katze zu füttern, bevor das eigene Mahl serviert wird.
  • Vorteil: Wenn man erst einmal herausgefunden hat, was ein Verhalten motiviert, ist es oft einfach, eine gute Lösung zu finden, aber …
  • Nachteil: … manchmal auch nicht. Oft weiss man genau, was die Katze motiviert, aber eine Lösung ist nicht zu finden, oder einfach nicht gangbar. Manchmal hat man auch schlicht keine Ahnung, was genau eine Katze zu bestimmten Taten treibt.

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Schritt 4: Mach Männchen

Hallo zurück zum katzentraining Clickertutorial! Nachdem wir letzte Woche ausgiebig über die Vorzüge des Targettrainings geschrieben haben, ist es nun endlich an der Zeit, einmal einen konkreten Trick mit Hilfe des Targetstabs zu trainieren. Dazu haben wir uns Mach Männchen ausgesucht, da der Trick den meisten Katzen recht leicht fällt und die Verwendung des Targets damit sehr gut illustriert werden kann. Ausserdem sind Männchen machende Katzen einfach putzig – finden wir zumindest 🙂 Falls ihr euch unter einem Männchen nichts vorstellen könnt: Dabei setzt sich die Katze auf die Hinterläufe und richtet sich dann (mehr oder weniger gerade) auf. Katzen zeigen dieses Verhalten oft, wenn sie z.B. ein für sie nicht direkt erreichbaren Gegenstand mit der Nase inspizieren wollen.

Mach Männchen mit dem Targetstab

Damit kommen wir diesmal direkt zur Übung. Wie so oft, werden wir diesen Trick shapen, allerdings werden wir dabei den Targetstab zur Hilfe nehmen. Erinnern wir uns, wofür das Target für die Katze steht: Sie muss, wie auch immer wir den Stab halten, ihre Nase gegen die Spitze halten. Simpel ausgedrückt, müssen wir also nur das Target in der richtigen Höhe halten und die Katze sollte sich zum Männchen erheben. Praktisch wird es so einfach aber wahrscheinlich nicht funktionieren. Wie immer, ist die Lösung, dass wir das erwartete Verhalten langsam, also in vielen Shaping-Schritten, aufbauen.

Die einzelnen Schritte sind dabei recht klar: Wir fangen mit einem Target in Nasenhöhe der Katze an und halten das Target dann langsam immer höher, bis es für die Katze nur mehr mit einem schönen Männchen erreichbar ist. Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann können wir uns daran machen auf Zeit zu shapen. Das heisst, wir fordern dann, dass die Katze langsam immer länger in der erwünschten Position bleibt, bis es Click und Leckerli gibt. Wie immer gilt die Regel, dass wir niemals zwei Kriterien gleichzeitig aufbauen. Das heisst, das wir nicht gleichzeitig ein längeres und ein höheres Männchen fordern.

Diesmal zeigt uns Minos, wie diese Trainingseinheit in der Praxis aussehen kann:

Einige Anmerkungen zu diesem Video

Zu diesem Video gibt es, neben der eigentlichen Übung, noch einige interessante Details anzumerken:

  • Wenn ihr das Problem habt, dass eure Katze eher nach dem Target fischt, als sich danach aufzurichten (so wie Minos ab ca. Minute 2:50), dann haltet ihr das Target wahrscheinlich zu hoch. Die Katze muss auf jeden Fall die Chance haben, die Targetspitze mit der Nase zu erreichen.
  • Achtet darauf, dass ihr nur clickt, wenn die Katze gerade am Aufsteigen ist und niemals beim Beenden des Männchens. Ein Click beim Niedergehen signalisiert der Katze, dass wir das Aufhören mit dem Männchen toll finden. Also genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich kommunizieren wollen. Eine wichtige Regel hierzu ist: Es ist besser, ihr clickt gar nicht, als zu spät!
  • Oft passiert es uns während des Shapings, dass wir neben dem erwarteten Verhalten, auch eine oder mehrere überflüssige oder unerwünschte Verhalten oder Verhaltensaspekte aufbauen. Auf Englisch nennt man solche Verhalten dann superstitious behavior (abergläubisches Verhalten). Minos zeigt in dem Video gleich mehrere solcher Verhalten. Um Minute 0:40 herum meint Minos, er müsste den Stab nicht nur berühren, sondern auch daran schlecken. Zusätzlich hört ihr ganz leise in dem Video, dass Minos, wann immer er zum Männchen hochsteigt, ein gurrendes Geräusch von sch gibt. Ihr werdet, wenn ihr genau hinseht, mit Sicherheit auch das eine oder andere kleine superstitious behavior bei eurer Katze entdecken. Grundsätzlich stören diese Verhalten nicht weiter. Man kann sie aber natürlich wegclickern, indem man einfach nur mehr clickt, wenn die Katze das unerwünschte Verhalten nicht zeigt (kurz gezeigt in dem Video, auch ca. um Minute 0:40).
  • Gebt Acht, dass ihr den Targetstab beim clicken ruhig haltet (nicht so wie Philipp in dem Video, der beim clicken oft mit dem Target wackelt). Im schlimmsten Fall stupst ihr dabei nämlich der Katze auf die Nase, was je nach Naturell zu einer Aversion gegen den Targetstab führen kann (Minos nimmt’s aber recht locker, wie ihr seht 🙂 ).

Den Targetstab abbauen

Und, habt ihr es geschafft, eurer Katze das Männchen hin zum Targetstab beizubringen? Sehr gut!

Allerdings wär’s doch schön, wenn wir unser Männchen auch ohne Targetstab abrufen könnten, oder? Sehen wir uns also an, wie wir das Target nun wieder abbauen können. Bisher war unser Zeichen für Mach Männchen der hochgehaltene Stab. Dieses Zeichen tauschen wir nun Schritt für Schritt gegen ein anderes Handzeichen aus, damit wir am Ende nur noch das neue Zeichen und nicht mehr den Targetstab zum Abrufen des Männchens brauchen. Wie dieses Zeichen aussieht ist euch überlassen, ihr solltet aber konsequent immer das selbe Zeichen für das selbe Verhalten verwenden.

Der erste Schritt ist also, dass ihr euch ein Handzeichen überlegt. Wenn euch partout nichts einfällt, könnt ihr im Video unten nachsehen, welches Handzeichen Philipp verwendet. Nun trainieren wir gleich weiter, wie wir zuletzt aufgehört haben. Nach einigen Aufwärm-Männchen verkürzen wir nun aber schrittweise den Targetstab etwas. Wenn euer Targetstab einziehbar ist, so wie der, den Philipp in dem Video verwendet, ist das natürlich einfach. Bei einem normalen Stab greift ihr ihn am besten einfach immer ein Stückchen weiter vorne an. Irgendwann halten wir den Stab dann direkt an der Spitze. De facto macht die Katze in diesem Stadium des Trainings ihr Männchen also nicht mehr (nur) zum Targetstab hin, sondern (auch) zu unserer Hand. Wenn das Männchen auch mit komplett eingezogenen Target konsequent funktioniert, ist der Moment gekommen, an dem wir das Target komplett weglassen und statt dessen unser Handzeichen einführen können. Gratuliere, wir haben unseren Targetstab abgebaut und gegen ein anderes Zeichen ausgetauscht!

Und wieder zeigt uns Minos, wie diese Übung praktisch aussieht:

Wie immer gilt: Wir gehen nur einen Schritt weiter (also wir verkürzen den Stab nur), wenn der letzte Schritt bereits sitzt. Wenn die Katze den Eindruck erweckt, dass sie überfordert ist, gehen wir wieder einen Schritt zurück. Vergesst auch nicht, die Trainingseinheiten kurz zu halten.

Hintergrund

Beim Targettraining verwenden wir das Target meistens analog zu Stützrädern bei Kinderfahrrädern. Die Stütze Targetstab hilft uns bei den ersten Schritten und bringt uns schnelle Erfolge (was gut für die Motivation unserer Katze und auch für unsere ist). Unser endgültiges Ziel ist aber praktisch immer, das Verhalten schlussendlich ohne Stützrädern abrufen zu können. Der zweigeteilte Ablauf, den wir in dieser Übungseinheit verwendet haben (Trick mit Targetstab trainieren und Targetstab abbauen) ist daher typisch für das Targettraining.

Tutorial-Überblick

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Schritt 3: Targettraining

Und, habt ihr den Trick mit dem Shaping schon heraus? Habt ihr vielleicht auch schon die ersten Tricks geshaped oder es zumindest versucht? Toll! Dann habt ihr wahrscheinlich schon bemerkt, dass Shaping zwar ein sehr hilfreiches Trainingswerkzeug ist, aber manchmal ist der Fortschritt damit auch ein wenig – sagen wir einmal – behäbig. Immerhin müssen wir immer darauf hoffen, dass die Katze von selbst auf den nächsten Schritt kommt. Vielleicht habt ihr in der letzten Übung selbst erlebt, dass die Katze nicht und nicht diesen einen letzten Schritt auf die Decke machen möchte, sondern lieber davor sitzen bleibt und sich putzt. In dieser Situation neigt man als ungeduldiger Mensch oft dazu, die Nerven wegzuschmeissen und die Katze z.B. mit Futter auf die Decke zu locken (baiting). Kurzfristig wird man mit dieser Methode auch Erfolg haben (die Katze geht wahrscheinlich brav auf die Decke), aber leider ist das Einzige was die Katze daraus lernt, dass sie eine Belohnung bekommt, wenn sie zum Futter hinläuft. Dass sie dabei auch auf die Decke gegangen ist, nimmt sie wahrscheinlich gar nicht war, dazu ist der Reiz des Futters einfach zu gross. Der Lerneffekt für die Katze ist also quasi null.

Trotzdem bleibt natürlich die Frage, ob es denn nicht eine Möglichkeit gibt, die Katze etwas mehr zu lenken, als wir dies beim reinen Shaping tun. Zu diesem Zweck haben schlaue (Delfin-)Trainer eine wunderbare Technik entwickelt – das Targettraining. Beim Targettraining lernt die Katze, dass sie ein bestimmtes Ziel (Target) immer mit einem bestimmten Körperteil berühren muss. Mit diesem Target können wir die Katze dann also z.B. an einen bestimmten Ort lenken oder sie zu bestimmten Bewegungen animieren. Viele, wenn nicht die meisten, Tricks können wir mit Targettraining schneller trainieren, als mit reinem Shaping.

Der Targetstab

Im Folgenden wollen wir ein Nasentarget trainieren. Die Katze soll das Ziel also immer mit der Nase berühren. Als Target verwenden wir im Katzentraining meistens einen kurzen Stab, optimalerweise mit einer klar unterscheidbaren Spitze. Wir erhoffen uns von der Katze, dass sie in jeder Situation versucht, ihr Näschen an die Spitze des Stabs zu halten. Dies sollte die Katze tun, auch wenn sie sich dazu strecken oder ducken muss. Wenn unsere Katze dieses Verhalten erstmal verinnerlicht hat, können wir das Target benutzen, um die Katze (völlig gewaltfrei!) zu lenken.

Wie sieht denn ein Targetstab nun aus? Nun, manche Clicker haben schon einen passenden Stab eingebaut, so wie ihr es im Bild oben seht. Alternativ könnt ihr natürlich auch einen eigenen Stab (Stift, Kochlöffel, usw.) verwenden, bedenkt aber, dass das Halten des Tagetstabs in Kombination mit dem Clicker etwas schwieriger ist.  Wir empfehlen, dass ihr den Stab in der Clicker-Hand haltet – so wie in dem Bild unten gezeigt -damit ihr die andere Hand frei habt zum Austeilen des primären Verstärkers. Achtet auch bitte darauf, dass wenn ihr clickt nicht zu sehr die Vibrationen auf das Target zu übertragen, da dass für die Katze unangenehm sein kann. Legt am besten einen Finger dazwischen. Die Verwendung eines solchen Targetstabs erfordert vielleicht zu Beginn etwas Übung, da man oft den Eindruck hat, dass man eigentlich drei Hände bräuchte.

Training mit dem Targetstab

Und wie trainieren wir der Katze das oben geschilderte Verhalten am besten an? Genau so, wie wir es auch mit dem Geh auf die Decke in der letzten Einheit gehalten haben.

Zuerst werden Blicke und Annäherung an den Stab geclickt, dann kurze Berührungen. Wenn die Katze dieses Verhalten schon konsequent zeigt, können wir zusätzliche Kriterien einführen, wie z.B. dass die Nase eine Sekunde am Stab bleiben soll oder dass die Katze dem Target einige Schritte folgen muss. Achtet aber bitte wie immer darauf, es der Katze so einfach wie möglich zu machen. Eine wichtige Regel ist, nie mehr als ein neues Kriterium zugleich einzuführen. Konkret heisst das, dass ihr entweder eine längere Berührung oder eine Bewegung hin zum Target fordern dürft, aber nicht beides gleichzeitig. Erst wenn das Erste der neuen Kriterien super sitzt, könnt ihr auch das zweite Kriterium zusätzlich einfordern.

Bitte erwartet nicht, dass die Katze nach einer Einheit dem Stab wie festgeklebt folgt. Wie auch schon beim Geh auf die Decke wird es wahrscheinlich einige Einheiten dauern, bis die Katze konsequent auf den Stab zugeht. Eventuell hat sie zu Beginn sogar Angst vor dem Stab. Mit ausreichend Geduld lässt sich dies aber immer wegclickern. In so einem Fall muss man eben anfangs schon schüchterne Blicke aus der Ferne oder langsames Annähern clicken. Wie immer zeigt euch Philipp das Targettraining in einem kurzen Video, diesmal mit Althira und Minos.

Andere Targetarten

Im Katzentraining hat sich das Nasentarget, wie oben trainiert, bewährt. Es ist relativ leicht zu trainieren, da Katzen von Natur aus sehr neugierig sind und meist alles sofort erkunden. Es hilft uns Tricks wie Mach Männchen oder die Drehung um die eigene Achse (Spin) zu trainieren. In der nächsten Einheit werden wir dann auch sehen, wie man mit einem Targetstab einen konkreten Trick (Mach Männchen) trainiert. Für manche Tricks sind aber auch andere Targets hilfreich. Ein Pfotentarget (Berührung mit einer oder mehreren Pfoten) hilft uns bei manchen schwierigen Tricks, die die Katze in einer bestimmten Position erfordern. Vereinzelt mögen auch ganz andere Targets behilflich sein, so wie ein Hinterntarget (auf das sich die Katze setzen muss). Alle diese anderen Spielarten werden prinzipiell ganz gleich trainiert wie das Nasentarget. Selbstverständlich ist es aber nicht sehr zielführend, alle diese exotischen Targets gleich jetzt auf Verdacht zu trainieren, sondern erst in Kombination mit dem Trick. Fürs Erste reicht uns das Nasentarget völlig aus.

Hintergrund

In manchen Lehrbüchern zu diesem Thema, wird zwischen zwei Formen des Shapings unterschieden und zwar dem Free-Shaping und dem Shaping. Unter Free-Shaping fällt das Training der letzten Einheit: Die Katze entscheidet selbst, ohne besondere Beeinflussung von Aussen, welche Verhalten sie anbietet. Die einzige Steuerung ist dabei die Verstärkung (das Clicken). Beim normalen Shaping sieht man das nicht so streng, da darf der Katze schon mal einen Hinweis auf das erwartete Verhalten bekommen, eben zum Beispiel mit dem Targetstab. Für das praktische Training ist dieser eher semantische Unterschied aber nicht so wichtig. Es gilt ohnehin die Grundregel: Erlaubt ist was funktioniert.

Tutorial-Überblick

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