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Trainingstheorie: die Grundregeln des Shapings

Hallo liebe Clicker-Freunde,

hoffentlich habt ihr Weihnachten und Silvester gut verbracht. Hier ist ein Vorschlag für einen tollen Neujahrsvorsatz: Nehmt euch vor, euch dieses Jahr mehr um eure Katzen zu kümmern und sie geistig und körperlich zu fordern und zu fördern!

Um euch dabei behilflich zu sein, wollen wir in diesem Artikel die grundlegenden Regeln des Shapings einmal gesammelt vorstellen. Die meisten dieser Regeln sind hier in diesem Blog schon an der einen oder anderen Stelle, zumindest zwischen den Zeilen vorgekommen, aber wir finden, es ist sinnvoll, sie an dieser Stelle noch einmal als übersichtliche Referenz zu präsentieren. Wie schon der Inhalt dieses früheren Artikels, stammen die hier beschriebenen Regeln aus dem Pryor-Buch „Positiv bestärken – sanft erziehen: Die verblüffende Methode, nicht nur für Hunde“ (Originaltitel: „Don’t Shoot the Dog! The New Art of Teaching and Training“). Mehr Details zu diesen Regeln findet ihr also dort. Im Original sind es übrigens 10 Regeln – eine (immer zuerst auf variable Bestärkung umstellen, bevor man den nächsten Schritt trainiert) haben wir euch unterschlagen, da wir in diesem Blog überhaupt noch nie über variable Bestärkung geschrieben haben.

Shaping-Regeln nach Pryor

  1. Erhöht die Anforderungen nur in kleinen Schritten  – Bekanntlich trainieren wir beim Shaping neue Verhaltensweisen, indem wir uns dem gewünschten Verhalten in kleinen Schritten annähern. Wenn wir zum Beispiel das Gehen auf eine Decke trainieren, belohnen wir erst einmal einen Blick auf die Decke, dann Bewegungen zur Decke hin und schliesslich das Betreten der Decke. Wichtig hierbei ist, dass wir, wann immer wir die Anforderungen an die Katze erhöhen, nur so viel mehr fordern, dass die Katze immer eine realistische Chance auf Erfolg hat. Im Zweifelsfall empfehlen wir, lieber in zwei kleinen als in einem grossen Schritt zu trainieren.
  2. Trainiert nur ein Kriterium auf einmal – Um beim Training ganz klare Signale an die Katze zu senden, ist es wichtig, immer nur ein Kriterium gleichzeitig zu trainieren. Wenn wir zum Beispiel ein Männchen trainieren, versuchen wir niemals gleichzeitig ein höheres und ein längeres Männchen zu shapen. Das Problem beim Training mit zwei oder mehr Kriterien ist einfach: Wenn wir eine Ausführung nicht clicken (weil eine der Kriterien verletzt war, z.B. ist die Katze zu schnell wieder aus dem Männchen runtergegangen), weiß die Katze nicht, welche der beiden Kriterien nun verletzt wurde. Aus ihrer Sicht könnte das Männchen genauso gut auch zu niedrig gewesen sein.
  3. Wenn ein neues Kriterium eingeführt wird, werden die alten Kriterien vorübergehend gelockert – Dies gilt vor allem, wenn wir bei einem bestehenden Trick einen neuen Aspekt einführen wollen. Wenn wir zum Beispiel zu einem bestehenden Trick ein verbales Signal einführen wollen, achten wir beim Training des neuen Signals vorerst nicht so sehr auf die korrekte Ausführung des eigentlichen Tricks. Dem geneigten Lesen wird auffallen, dass diese Regel eigentlich nur ein spezieller Fall der vorherigen Regel ist: Wenn wir ein verbales Signal trainieren, trainieren wir das Signal und nicht zeitgleich auch eine verbesserte Ausführung des eigentlichen Tricks.
  4. Plane gut im Voraus – Versucht immer, so gut wie möglich vorbereitet zu sein, gerade wenn ihr einen neuen Trick trainieren wollt. Welche Zwischenschritte könnte die Katze anbieten? In welchen Schritten wollt ihr die Anforderungen erhöhen? Was macht ihr, wenn eure Trainingsidee nicht aufgeht? Habt ihr dann eine Alternative parat? Und im Gegenteil – was macht ihr, wenn die Katze schnellere Fortschritte zeigt als erwartet? Seit ihr auch für diesen Fall gerüstet, wisst ihr schon wie das Training dann weitergehen sollte? Das heißt jetzt nicht unbedingt, dass ihr aus jeder einzelnen Trainingseinheit mit euren Miezen eine Wissenschaft machen müsst, aber ein bisschen Vorausplanung ist schon angebracht. Schliesslich geht es im Training öfters ein wenig chaotisch zu – da ist es essentiell, die wichtigsten Eventualitäten schon zuvor durchgedacht zu haben.
  5. Nur ein Trainer für einen Trick, so lange der Trick noch nicht fertig trainiert ist – Diese Regel ist natürlich nur relevant für euch, wenn bei euch (so wie bei uns) mehrere Trainer mit den selben Katzen arbeiten. Dann solltet ihr euch eisern daran halten, dass während ein Trick noch nicht sitzt, immer nur der selbe Trainer an diesem Trick arbeitet. Wenn der Trick dann mal fertig trainiert ist, kann ihn natürlich auch ein anderer Trainer abrufen. Der Grund für diese Regel ist einfach – auch wenn wir uns bemühen, die selben Anforderungen und Zeichen zu verwenden, so trainiert trotzdem jeder von uns ein wenig anders. Für uns sind diese Unterschiede zwischen den Trainern oft kaum erkennbar, aber die Katze in der Trainingsphase, kann manchmal schon eine andere Körperhaltung während des Trainings verwirren.
  6. Wenn eure Trainingsidee nicht funktioniert, probiert etwas anderes – Eigentlich eine sehr einfache Regel, die man trotzdem überraschend oft vergisst. Wenn ihr euch einen Plan zurecht gelegt habt, wie ihr einen bestimmten Trick trainieren wollt und ihr macht keine Fortschritte, dann überlegt euch einen neuen Plan. Im Katzentraining gibt es keine Trophäe dafür, einen Trick auf besonders umständliche Weise trainiert zu haben :).
  7. Beendet keine Trainingseinheit überraschend – Leider kommt das immer wieder vor – ihr seit am shapen und plötzlich läutet das Telefon. Ihr springt auf und verlasst den Raum. Eure Katze versteht die Welt nicht mehr. Was hat sie falsch gemacht, dass ihr das Training so abrupt abgebrochen habt? Versucht solche Situationen im Training, wann immer möglich, zu vermeiden. Auch wenn euch klar ist, dass das Trainingsende nichts mit der Katze zu tun hat, sie weiß das nicht – für die Katze wird ein überraschender Abbruch immer wie eine Strafe wirken.
  8. Wenn ein Verhalten plötzlich einbricht, gehe einige Schritte zurück – Es wird immer wieder vorkommen, dass ihr Rückschritte im Training erleidet, so dass zum Beispiel Tricks, von denen ihr dachtet, dass sie schon fertig trainiert sind, plötzlich nicht mehr funktionieren. In diesem Fall geht ihr einige Schritte im Training zurück und baut den Trick wieder neu auf. Keine Sorge, ihr müsst ganz sicher nicht wieder bei 0 anfangen. Typischerweise erinnert sich die Katze nach 1 bis 2 Wiederholungen schnell wieder und der Trick funktioniert wieder wie vor dem kleinen Rückfall.
  9. Beende die Trainingseinheit rechtzeitig – Versucht immer mit dem Training aufzuhören, bevor die Katze keine Lust mehr hat oder die Konzentration verliert. Wie lange das dauert, kann man nicht allgemein sagen, aber nach einigen Trainingseinheiten solltet ihr eure Katze gut genug kennen, um die ersten Anzeichen von Müdigkeit oder Lustlosigkeit zu erkennen. Spätestens dann ist dringend Zeit zum aufhören!

Einige abschliessende Worte

Die meisten der oben beschriebenen Regeln sind auf einige wirklich einfache Axiome zurückzuführen. Wir versuchen immer, es der Katze so leicht wie möglich zu machen und wollen mit ihr so klar wie möglich kommunizieren, um ihr zu verstehen zu geben, was wir gerne möchten. Außerdem gibt die Katze die Trainingsgeschwindigkeit vor. Wenn wir diese Punkte im Kopf behalten, kann beim Training eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

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Trick: Der Sprung durch den Reifen

Diese Woche stellen wir hier mit dem Sprung durch den Reifen wieder einmal einen sehr schönen Trick vor, den ihr nachtrainieren könnt. Dieser Trick eignet sich besonders gut dazu, eine aktive Katze (wie unseren Minos) so richtig auszupowern. Nicht zu vergessen ist auch, dass der Trick sich wunderbar eignet, um vor Freunden anzugeben 🙂 Katzen, die durch Reifen springen, kennen die Meisten schliesslich nur aus dem Zirkus. Man muss ja nicht dazusagen, dass der Sprung durch den Reifen (zumindest in moderater Höhe)  im Prinzip ein sehr einfacher Trick ist, den man eigentlich jeder halbwegs vitalen Katze recht einfach beibringen kann…

Voraussetzungen

Um mit dem Training für diesen Trick zu beginnen, sollte eure Katze zumindest das Nasentarget kennen und ihr als Trainer solltet mit den Grundlagen des Shapings vertraut sein. Diese beiden Techniken werden wir für das Training dieses Tricks verwenden. Ausserdem ist es auch hilfreich, wenn ihr wisst, wie man den Targetstab später wieder abbaut. Das haben wir in dieser Übung diskutiert.

Logischerweise brauchen wir, um den Sprung durch den Reifen zu trainieren, auch einen Reifen passender Größe. Wir verwenden eine handelsübliche runde Kuchenbackform mit abnehmbarem Boden (z.B. sowas hier). Den Durchmesser solltet ihr natürlich an die Katze anpassen. Je größer der Durchmesser des Rings im Vergleich zum Durchmesser der Katze ist, umso leichter wird der Katze der Sprung fallen. Anfangs solltet ihr im Zweifel also eher einen größeren Ring wählen.

Den Sprung Shapen

Wie oben erwähnt, shapen wir den Sprung mit Hilfe eines Nasentargets.

Anfangs stellen wir den Ring vertikal auf den Boden und lotsen die Katze mit Hilfe des Targetstabs durch den Ring. Einen Click bekommt die Katze immer, wenn sie sich gerade mitten im Ring oder auf dem Weg durch den Ring hindurch befindet. Das Leckerli füttern wir so, dass die Katze danach gleich wieder in Position ist, den Ring in die andere Richtung zu durchqueren. Anfangs wird die Katze den Ring vielleicht noch furchterregend oder eigenartig finden, doch nach ein paar Wiederholungen wird sie sicher und flott durch den Ring durchhuschen (ansonsten ist der Ring eventuell zu klein). Nun beginnen wir, in kleinen Schritten den Ring immer mehr vom Boden zu heben. Anfangs wird die Katze keinen Unterschied merken, aber nach ein paar Wiederholungen muss sie nun schon ein bisschen höher steigen, um den unteren Rand des Rings zu übersteigen. Irgendwann muss sie tatsächlich springen, um durch den Ring (und nicht etwa untendurch) zum Target zu gelangen. Selbstverständlich bekommt die Katze nur einen Click, wenn sie den Ring auf dem Weg zum Target nicht umgeht, und ebenso selbstverständlich clicken wir weiterhin, während die Katze gerade durch den Reifen springt (und nicht danach).

Wenn die Katze konsequent durch den Reifen springt, bauen wir den Targetstab ab und steigen auf ein Handzeichen um. Wir verwenden als Handzeichen einen Fingerzeig auf der anderen Seite des Reifens (seht euch das Ende des Videos unten an, um zu sehen, was wir meinen). Wie immer solltet ihr, während ihr den Targetstab abbaut, die anderen Kriterien reduzieren – in diesem Fall solltet ihr den Ring also nicht zu hoch halten, während die Katze noch unsicher mit dem neuen Zeichen ist.

Diesen Trick zeigt unser Spezialist für aktive Übungen – Kater Minos – vor:

Variationen

Am Ende des Videos oben seht ihr auch eine sehr schöne Variation des Sprungs durch den Reifen. Hier springt Minos – ganz athletisch – durch den Reifen vom Kasten zum Kratzbaum und umgekehrt. Sitzt der Reifensprung erst einmal, ist so eine Erweiterung nicht mehr sehr schwierig zu trainieren (und sieht ganz wunderbar spektakulär aus). Eine Warnung allerdings: Bevor ihr diesen Trick versucht, müsst ihr eure Katze zuerst in einem normalen Sprung genau beobachten und dann den Ring direkt in die Flugbahn halten. Wir wollen ja nicht, dass das Kätzchen abstürzt (aber keine Angst, normalerweise wird die Katze den Sprung einfach verweigern, wenn ihr den Ring nicht passend haltet – die ist ja auch nicht doof :D)!

Eine zweite Variation dieses Tricks ist es, den Ring (wie im Zirkus) mit einem leicht reissenden Papier (zum Beispiel Toilettenpapier) zu überkleben, und die Katze springt dann durch das Papier durch (TATA!). Leider ist dieser Trick etwas mühsam in der Vorbereitung, da ihr (aus offensichtlichen Gründen) euren Reifen nach jeder Ausführung wieder neu vorbereiten müsst. Als kleine Anregung zeigen wir euch zum Abschluss ein Video, wo ein Hund diesen Trick lernt:

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Trick: Gib Pfote!

Diese Woche gibt es in diesem Blog einmal wieder eine Anleitung für einen Trick und zwar dem allseits beliebten Gib Pfote!. Dabei halten wir die flache Hand ungefähr auf Schulterhöhe der Katze hin und sie soll ihre Pfote auf unsere Hand legen. Dieser Trick ist flott zu trainieren und kann auch als Basis für späteres Medical Training (zum Beispiel um die Pfote zu untersuchen) dienen. Ausserdem könnten wir basierend auf dem Gib Pfote! später auch ein Schlag ein!  trainieren.

Gib Pfote

Für diesen Trick gibt es kaum Vorbedingungen. Im Prinzip können wir ihn mit jeder Katze trainieren, die zumindest die Basiskonditionierung auf den Clicker durchlaufen hat (wie hier beschrieben). Gib Pfote! eignet sich auch für Anfänger (Katzen wie Trainer 🙂 ). Wir werden den Trick im Folgenden rein über Shaping trainieren. Ihr solltet also zumindest diese Basistechnik kennen, um den Trick zu trainieren.

Wir shapen den Trick in einigen wenigen Schritten. Anfangs legen wir die Hand dazu direkt neben der Pfote flach auf den Boden, am Besten so, dass die Katze auch mitbekommt, was wir da treiben. Dann clicken wir, wie immer, schon schnelle Blicke auf die Hand hin oder erste Bewegungen zur Hand. Der zweite Schritt ist dann wahrscheinlich ein Schnuppern an der Hand. Nun ist es wichtig, den Moment zu erwischen, in dem die Katze in der Nähe der Hand erstmals die Pfote hebt. Wenn wir diesen Moment richtig clicken, dauert es sicher nicht mehr lange, bis unsere Miez ihre Pfote erstmals vorsichtig in die Nähe der Hand bewegt (click!). Als nächsten Schritt fordern wir dann eine sanfte Berührung der Hand mit der Pfote, nur für eine Zehntelsekunde. Danach beginnen wir, die Hand langsam vom Boden zu heben, bis die Katze unsere Hand auch 10cm über dem Boden berührt. Als letzten Schritt shapen wir nun die Zeit, die die Pfote in unserer Hand liegt. Unser Ziel ist, dass Miez ihre Pfote so lange in unserer Hand liegen lässt, bis wir clicken (auch wenn wir uns einige Sekunden Zeit lassen). Erwartet aber wie immer anfangs nicht zu viel – eine halbe Sekunde Berührung ist für eine schüchterne Katze schon toll!

Philipp demonstriert das Training dieses Tricks nun mit Althira:

Variationen

Wenn euch die Basisversion dieses Tricks zu langweilig wird, könntet ihr folgende Varianten probieren:

  • Linke Pfote / Rechte Pfote – Ihr haltet die linke Hand hin und die Katze gibt die linke Pfote; wenn ihr die rechte Hand hinhaltet, gibt die Katze die rechte Pfote.
  • Pfote untersuchen – Wie oben schon beschrieben, ist Pfote untersuchen eine Standardübung im Medical Training. Dabei darf die Katze ihre Pfote nicht zurückziehen, auch wenn sie sanft gedreht oder ansonsten etwas bewegt wird. Das ist auch hilfreich, wenn ihr die Krallen der Mieze kürzen wollt.

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In Anderen Blogs: Shaping (via exploratory analysis)

Ein toller, englischsprachiger Artikel über Shaping als allgemeines Konzept. Lesen!

Shaping In my previous post about extinction I mentioned that an extinction burst can be helpful in shaping behavior. When we think of shaping, sometimes we imagine a potter with a wheel, gently molding the malleable clay with her hands, forming grooves, handles, or other topographical characteristics of her work. Pressure can be applied to behavior to alter its characteristics forming useful behavior, but occasionally facilitating the development of pro … Read More

via exploratory analysis

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Schritt 2: Operante Konditionierung durch Shaping

Und, habt ihr die Katze schon auf den Clicker konditioniert, wie im ersten Teil des Tutorials beschrieben? Wenn nicht, holt das unbedingt noch nach, bevor ihr hier mit dem zweiten Teil fortsetzt.

Shaping

In dieser Trainingseinheit lernen wir die absolute Basistechnik des Clickertrainings kennen – nämlich das Shaping. Beim Shaping trainieren wir unserer Katze schrittweise ein bestimmtes Verhalten an. Gleichzeitig werden wir auch gleich den ersten (kleinen) Trick mit unserer Katze einlernen: Wir werden die Katze dazu bringen, an eine bestimmte Stelle, zum Beispiel auf eine am Boden liegende Decke zu gehen und dort zu bleiben. Als erstes solltet ihr also ein entsprechendes Requisit auswählen. Wir empfehlen für den Anfang ein kleines Handtuch oder ein Decke. Wichtig dabei ist, dass die Katze diese Decke möglichst noch nicht aus ihrem Alltag kennt. Der Anfang wird euch leichter fallen, wenn der Gegenstand zu Beginn des Trainings noch neu und interessant für die Katze ist.

Die Grundidee des Shapings ist ganz einfach. Wann immer die Katze einen klitzekleinen Schritt in die richtige Richtung zeigt, clicken und belohnen wir genau diesen Moment. Verhalten, das nicht in die richtige Richtung geht, wird einfach ignoriert (auf keinen Fall die Katze schimpfen, sie wird ohnehin nicht verstehen, was das Problem ist!). Wenn die Katze den ersten Schritt zuverlässig zeigt, steigern wir (langsam!) die Anforderungen für einen Click und fordern etwas mehr. Wichtig ist dabei, dass wir zu Beginn wirklich schon kleinste Anfänge clicken, zum Beispiel einen Blick auf die Decke, oder das Drehen des Kopfes in die richtige Richtung. Mit dem Click für den Blick in die richtige Richtung wird der Katze signalisiert, dass sie recht hat, wenn sie denkt, dass es um diesen Gegenstand geht. Erst wenn die Katze konsequent in die richtige Richtung bzw. auf die Decke blickt, verlangen wir, dass sie auch einen (!) Schritt auf die Decke zu macht. Und so steigern wir die Anforderungen langsam, bis die Katze lernt, dass sie Clicks und Belohnungen verdienen kann, indem sie auf die Decke geht.

Hintergrund

In der ersten Einheit haben wir ja bereits für die Katze klargestellt, dass ein Clicken immer ein Versprechen für eine Belohnung ist. Darauf aufbauend lernt die Katze nun, das es bestimmte Verhaltensweisen gibt, die ihr eine Belohnung einbringen, während andere Verhaltensweisen dies nicht tun. Da die Katze ja gerne belohnt wird, wird das Verhalten, das zu Clicks und Belohnungen führt eher gezeigt, als ein Verhalten welches dies nicht tut. Wir trainieren der Katze also schrittweise an, das belohnte Verhalten zu zeigen. Diese Art des Trainings nennt man operante Konditionierung. Der Hauptunterschied zur klassischen Konditionierung, wie wir sie schon in der ersten Einheit kennengelernt haben ist, dass die Katze bei der operanten Konditionierung Einfluss darauf hat, ob sie belohnt wird oder nicht (in der ersten Trainingseinheit war die Belohnung nicht vom Verhalten der Katze abhängig, es war für die Katze also eher ein Geschenk als eine echte Belohnung). Für die Katze ist dies eine tolle Erkenntnis festzustellen, dass sie sich durch eigene Leistungen Belohnungen verdienen kann. Karen Pryor schreibt in ihrem Buch Getting Started – Clicker Training for Cats recht nett über operante Konditionierung:

„From your standpoint you may be teaching the cat to come when called, or to roll over. From the cat’s standpoint, it’s training you to click; and that’s very satisfying to cats.“

Bei der operanten Konditionierung seid ihr also der Partner der Katze, niemals ihr Herr (oder gar ihr Gegenspieler). Ihr und eure Katze verfolgt das selbe Ziel, auf das ihr gemeinsam hinarbeiten müsst nämlich, dass die Katze das von ihr erwartete Verhalten erkennt, versteht und (gerne) zeigt.

Trainingseinheit

Am Besten sehen wir uns das gleich in einem Video an:

Nun seid ihr wieder an der Reihe. Im Prinzip braucht ihr nur umzusetzen was Philipp und Althira im Video oben vormachen. Wahrscheinlich werden ihr mehr als eine Trainingseinheit benötigen, um die Katze auf die Decke zu bekommen. Das macht gar nichts (auch das Video oben ist ein Zusammenschnitt mehrerer Einheiten).

Setzt euch wieder wie in der ersten Übung vor die Katze hin. Bereitet die Decke hinter eurem Rücken vor, ausserhalb des Sichtfelds der Katze. Legt die Decke hin und sobald die Katze das erste Mal zur Decke hinschaut, clickt und belohnt ihr. Dann wird weiterhin ein paarmal für Blicke geclickt und belohnt, bis die Katze ein paar Schritte auf die Decke zumacht. Von da weg steigert ihr langsam die Anforderungen, bis die Katze auf der Decke steht (oder sitzt) und bleibt. Besonders wichtig ist, wie in der ersten Einheit, das Timing der Clicks. Der Click sollte immer exakt dann kommen, wenn die Katze gerade etwas richtig gemacht hat. Nur so lernt die Katze was genau von ihr erwartet wird.

Im Folgenden werden wir euch noch einige wichtige Hinweise geben, um euch das Training zu erleichtern und um die häufigsten Fehler gleich von vornherein auszuräumen. Wir wollen ja, dass nicht nur die Katze positiv bestärkt wird 🙂 !

Zerlegen von Aufgaben

Um der Katze verständlich zu machen, was wir von ihr verlangen, müssen wir, um das Shaping Trainingsprinzip umzusetzen, die Verhaltensweise in kleinste Einzelschritte zerlegen. Für unsere konkrete Geh auf die Decke Übung wären mögliche Schritte (einige davon zeigt Althira im Video, andere nicht):

  1. Ein Blick auf die Decke, eine Drehung in die richtige Richtung
  2. Ein Schritt auf die Decke zu
  3. Mehrere Schritte auf die Decke zu
  4. Hingehen bis zur Decke
  5. Schnuffeln an der Decke, vorsichtiges Betasten der Decke
  6. Eine Pfote auf die Decke
  7. Zwei Pfoten auf die Decke
  8. Die ganze Katze ist auf der Decke

An dieser Stelle zeigt die Katze das verlangte Verhalten. Als weitere Steigerung können wir nun dieses Verhalten verbessern, z.B. indem wir nicht sofort clicken, wenn die Katze die Decke betritt, sondern verlangen, dass sie auch noch einige Sekunden ruhig auf der Decke sitzen oder stehen bleibt. Alternativ können wir die Decke auch weiter von der Katze weg ablegen, so dass die Katze einen weiteren Weg zur Decke hin zurücklegen muss. Dieses Shaping auf Verbesserung ist im Video nicht mehr zu sehen, sollte aber prinzipiell kein Problem sein, wenn ihr die Katze erstmal auf die Decke gebracht (und das Shaping-Prinzip verstanden) habt.

Ausserdem bleiben wir natürlich nicht sklavisch bei den oben genannten acht Schritten, wenn die Katze bereits von sich aus ein weiter fortgeschrittenes Verhalten anbietet. Eine forsche Katze wird, nachdem sie zwei oder drei Clicks für Blicke auf die Decke erhalten hat, mit hoher Wahrscheinlichkeit von selbst neugierig werden und auf die Decke zugehen, schon um zu sehen was es da Interessantes gibt. Das ist natürlich sofort einen Click wert, auch wenn ihr selbst vielleicht noch bei Schritt 1 wart. Andererseits kann es auch leicht sein, dass eure Katze ganz andere, unerwartete, Verhalten anbietet, wie z.B. an der Decke knabbern, die Decke mit den Tatzen attackieren oder ähnliches. Macht nicht den Fehler Verhalten nur deswegen nicht zu clicken, weil ihr als Nächstes etwas anderes erwartet habt. Eure Katze kennt schliesslich euren Plan nicht. Allerdings werden wird gelegentlich im Training mit Shaping auch den umgekehrten Weg gehen müssen und die Anforderungen wieder reduzieren. Prinzipiell sollten wir dies (spätestens!) immer tun, wenn die Katze offensichtlich überfordert ist und Frustrationserscheinungen zeigt (ihr werdet sehr schnell lernen wann eure Katze frustriert ist, die meisten Katzen haben dann ein sehr typisches Frustrationsverhalten, wie sich putzen, ein leises Miauen oder komplette Verweigerung). In diesem Fall reduzieren wir die Anforderungen, um der Katze möglichst schnell wieder ein Erfolgserlebnis (also einen Click) zu verschaffen.

Einige weitere wichtige Punkte zum Shaping

Im Detail wäre noch einiges mehr über Shaping zu sagen, doch das würde den Rahmen dieses Tutorials bei Weitem sprengen. Hier aber noch in aller Kürze einige wichtige Grundregeln:

  • Macht es der Katze immer möglichst einfach einem Click zu bekommen. Die aktuelle Anforderung sollte nie so schwierig sein, dass die Katze realistisch länger als ein paar Sekunden brauchen wird, um den nächsten Click zu erreichen. In einer wirklich guten Trainingseinheit verdient sich die Katze alle paar Sekunden einen Click. Wenn die Katze nicht regelmäßig, zumindest alle 10 bis 15 Sekunden, einen Click verdienen kann, müsst ihr dringend die Anforderungen reduzieren, ansonsten wird die Katze nicht lange mitspielen (Frustrationsgefahr)!
  • Wenn ihr mit Requisiten (wie der Decke) übt, überseht niemals den ersten Click. Katzen sind neugierig. Wenn ihr ein neues Requisit einführt, z.B. die Decke, wird die Katze sicher zumindest einen kurzen Blick auf das Ding riskieren. Diesen ersten Blick dürft ihr auf keinen Fall vergessen zu clicken! Viel zu oft passiert es, dass man die Decke vor der Katze hinlegt, dann erst den Clicker in die Hand nimmt und zu trainieren beginnen will. Dann hat die Katze die Decke vielleicht schon als uninteressant gespeichert, bevor ihr überhaupt mit dem Training begonnen habt. Also: Requisit hinter den Rücken (weg aus dem Blickwinkel der Katze), Clicker in die Hand, Requisit präsentieren, und sofort clicken, wenn der Blick der Katze das Requisit das erste Mal streift.
  • Haltet eure Trainingseinheiten kurz und beendet die Einheit immer positiv. Wie schon in der ersten Übung, solltet ihr eure Trainingseinheiten kurz halten. Optimalerweise beendet ihr eure Trainingseinheiten am Höhepunkt, also wenn die Katze gerade einen tollen Fortschritt erzielt hat. Auf jeden Fall solltet ihr nicht in einer Frustrationsphase aufhören, sondern mit einem Erfolg für die Katze. Ein weiterer Tipp zu diesem Thema: Reduziert zum Beginn jeder Trainingseinheit die Anforderungen wieder ein wenig – schliesslich müsst sowohl ihr, als auch die Katze erst wieder warm werden, bevor das selbe Trainingslevel wie am Ende der letzten Einheit erreicht werden kann.
  • Alle Requisiten werden zwischen den Trainingseinheiten weggeräumt. Am Besten ausserhalb der Reichweite der Katze. Es kann sonst passieren, dass die Katze auch ausserhalb des Trainings versucht, auf die Decke zu gehen, und sich wundern wo der Click bleibt. Dadurch wird die mühsam aufgebaute Konditionierung reduziert bzw. im schlimmsten Fall sogar gelöscht. Vergesst nie, dass die Katze (zumindest anfänglich) nicht weiss, wann trainiert wird und wann nicht.

Und wozu das Ganze?

Natürlich kann man jetzt die Frage stellen, was uns die Katze auf der Decke überhaupt bringt. Zuallererst sollte man das Geh auf die Decke als ersten einfachen Einstiegstrick betrachten, als kleinen Test-Trick, bevor ihr die ersten richtigen Tricks trainiert. Schliesslich kann man mit der selben Shaping-Technik auch viele andere, viel spektakulärere Tricks trainieren. Allerdings hat auch der Geh auf die Decke Trick für sich genommen durchaus seinen Sinn, zum Beispiel als inkompatibles Alternativverhalten für aufdringliche Katzen. Kleines Beispiel gefällig? Unser Minos neigt dazu, beim Abendessen auf den Tisch zu springen und sich selbst eine Ration zu erbeuten. Wenn aber Minos gerade den Geh auf die Decke Trick zeigt, kann er das unerwünschte Verhalten (auf den Tisch springen) gar nicht zeigen (er muss ja auf der Decke bleiben, um sich Clicks zu verdienen). Und solange er regelmäßig für das brave Auf-der-Decke-Bleiben belohnt wird, hat nicht einmal Minos selbst damit ein besonderes Problem.

In der nächsten Einheit werden wir dann auch gleich wieder Shaping anwenden, nämlich um ein sogenanntes Target zu trainieren. Bis dahin könnt ihr aber schon alleine versuchen, einige tolle Verhalten mit Shaping zu trainieren. Wie wär’s z.B. mit einem High Five, so wie es Minos im Bild nebenan macht? Die Schritte dahin solltet ihr euch als Übung selbst überlegen. Bei Fragen helfen wir natürlich gerne.

Tutorial-Überblick

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