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Schritt 4: Mach Männchen

Hallo zurück zum katzentraining Clickertutorial! Nachdem wir letzte Woche ausgiebig über die Vorzüge des Targettrainings geschrieben haben, ist es nun endlich an der Zeit, einmal einen konkreten Trick mit Hilfe des Targetstabs zu trainieren. Dazu haben wir uns Mach Männchen ausgesucht, da der Trick den meisten Katzen recht leicht fällt und die Verwendung des Targets damit sehr gut illustriert werden kann. Ausserdem sind Männchen machende Katzen einfach putzig – finden wir zumindest 🙂 Falls ihr euch unter einem Männchen nichts vorstellen könnt: Dabei setzt sich die Katze auf die Hinterläufe und richtet sich dann (mehr oder weniger gerade) auf. Katzen zeigen dieses Verhalten oft, wenn sie z.B. ein für sie nicht direkt erreichbaren Gegenstand mit der Nase inspizieren wollen.

Mach Männchen mit dem Targetstab

Damit kommen wir diesmal direkt zur Übung. Wie so oft, werden wir diesen Trick shapen, allerdings werden wir dabei den Targetstab zur Hilfe nehmen. Erinnern wir uns, wofür das Target für die Katze steht: Sie muss, wie auch immer wir den Stab halten, ihre Nase gegen die Spitze halten. Simpel ausgedrückt, müssen wir also nur das Target in der richtigen Höhe halten und die Katze sollte sich zum Männchen erheben. Praktisch wird es so einfach aber wahrscheinlich nicht funktionieren. Wie immer, ist die Lösung, dass wir das erwartete Verhalten langsam, also in vielen Shaping-Schritten, aufbauen.

Die einzelnen Schritte sind dabei recht klar: Wir fangen mit einem Target in Nasenhöhe der Katze an und halten das Target dann langsam immer höher, bis es für die Katze nur mehr mit einem schönen Männchen erreichbar ist. Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann können wir uns daran machen auf Zeit zu shapen. Das heisst, wir fordern dann, dass die Katze langsam immer länger in der erwünschten Position bleibt, bis es Click und Leckerli gibt. Wie immer gilt die Regel, dass wir niemals zwei Kriterien gleichzeitig aufbauen. Das heisst, das wir nicht gleichzeitig ein längeres und ein höheres Männchen fordern.

Diesmal zeigt uns Minos, wie diese Trainingseinheit in der Praxis aussehen kann:

Einige Anmerkungen zu diesem Video

Zu diesem Video gibt es, neben der eigentlichen Übung, noch einige interessante Details anzumerken:

  • Wenn ihr das Problem habt, dass eure Katze eher nach dem Target fischt, als sich danach aufzurichten (so wie Minos ab ca. Minute 2:50), dann haltet ihr das Target wahrscheinlich zu hoch. Die Katze muss auf jeden Fall die Chance haben, die Targetspitze mit der Nase zu erreichen.
  • Achtet darauf, dass ihr nur clickt, wenn die Katze gerade am Aufsteigen ist und niemals beim Beenden des Männchens. Ein Click beim Niedergehen signalisiert der Katze, dass wir das Aufhören mit dem Männchen toll finden. Also genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich kommunizieren wollen. Eine wichtige Regel hierzu ist: Es ist besser, ihr clickt gar nicht, als zu spät!
  • Oft passiert es uns während des Shapings, dass wir neben dem erwarteten Verhalten, auch eine oder mehrere überflüssige oder unerwünschte Verhalten oder Verhaltensaspekte aufbauen. Auf Englisch nennt man solche Verhalten dann superstitious behavior (abergläubisches Verhalten). Minos zeigt in dem Video gleich mehrere solcher Verhalten. Um Minute 0:40 herum meint Minos, er müsste den Stab nicht nur berühren, sondern auch daran schlecken. Zusätzlich hört ihr ganz leise in dem Video, dass Minos, wann immer er zum Männchen hochsteigt, ein gurrendes Geräusch von sch gibt. Ihr werdet, wenn ihr genau hinseht, mit Sicherheit auch das eine oder andere kleine superstitious behavior bei eurer Katze entdecken. Grundsätzlich stören diese Verhalten nicht weiter. Man kann sie aber natürlich wegclickern, indem man einfach nur mehr clickt, wenn die Katze das unerwünschte Verhalten nicht zeigt (kurz gezeigt in dem Video, auch ca. um Minute 0:40).
  • Gebt Acht, dass ihr den Targetstab beim clicken ruhig haltet (nicht so wie Philipp in dem Video, der beim clicken oft mit dem Target wackelt). Im schlimmsten Fall stupst ihr dabei nämlich der Katze auf die Nase, was je nach Naturell zu einer Aversion gegen den Targetstab führen kann (Minos nimmt’s aber recht locker, wie ihr seht 🙂 ).

Den Targetstab abbauen

Und, habt ihr es geschafft, eurer Katze das Männchen hin zum Targetstab beizubringen? Sehr gut!

Allerdings wär’s doch schön, wenn wir unser Männchen auch ohne Targetstab abrufen könnten, oder? Sehen wir uns also an, wie wir das Target nun wieder abbauen können. Bisher war unser Zeichen für Mach Männchen der hochgehaltene Stab. Dieses Zeichen tauschen wir nun Schritt für Schritt gegen ein anderes Handzeichen aus, damit wir am Ende nur noch das neue Zeichen und nicht mehr den Targetstab zum Abrufen des Männchens brauchen. Wie dieses Zeichen aussieht ist euch überlassen, ihr solltet aber konsequent immer das selbe Zeichen für das selbe Verhalten verwenden.

Der erste Schritt ist also, dass ihr euch ein Handzeichen überlegt. Wenn euch partout nichts einfällt, könnt ihr im Video unten nachsehen, welches Handzeichen Philipp verwendet. Nun trainieren wir gleich weiter, wie wir zuletzt aufgehört haben. Nach einigen Aufwärm-Männchen verkürzen wir nun aber schrittweise den Targetstab etwas. Wenn euer Targetstab einziehbar ist, so wie der, den Philipp in dem Video verwendet, ist das natürlich einfach. Bei einem normalen Stab greift ihr ihn am besten einfach immer ein Stückchen weiter vorne an. Irgendwann halten wir den Stab dann direkt an der Spitze. De facto macht die Katze in diesem Stadium des Trainings ihr Männchen also nicht mehr (nur) zum Targetstab hin, sondern (auch) zu unserer Hand. Wenn das Männchen auch mit komplett eingezogenen Target konsequent funktioniert, ist der Moment gekommen, an dem wir das Target komplett weglassen und statt dessen unser Handzeichen einführen können. Gratuliere, wir haben unseren Targetstab abgebaut und gegen ein anderes Zeichen ausgetauscht!

Und wieder zeigt uns Minos, wie diese Übung praktisch aussieht:

Wie immer gilt: Wir gehen nur einen Schritt weiter (also wir verkürzen den Stab nur), wenn der letzte Schritt bereits sitzt. Wenn die Katze den Eindruck erweckt, dass sie überfordert ist, gehen wir wieder einen Schritt zurück. Vergesst auch nicht, die Trainingseinheiten kurz zu halten.

Hintergrund

Beim Targettraining verwenden wir das Target meistens analog zu Stützrädern bei Kinderfahrrädern. Die Stütze Targetstab hilft uns bei den ersten Schritten und bringt uns schnelle Erfolge (was gut für die Motivation unserer Katze und auch für unsere ist). Unser endgültiges Ziel ist aber praktisch immer, das Verhalten schlussendlich ohne Stützrädern abrufen zu können. Der zweigeteilte Ablauf, den wir in dieser Übungseinheit verwendet haben (Trick mit Targetstab trainieren und Targetstab abbauen) ist daher typisch für das Targettraining.

Tutorial-Überblick

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