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Link: Positive vs. Negative Trainingsmethoden

Ein weiterer englischsprachiger Artikel, diesmal über den Unterschied zwischen positiven und negativen Trainingsmethoden (mit einigem Hintergrundwissen zu klassischer Konditionierung).

When you decide that you want to modify the behavior of your dog (or another human being) there is one fundamental decision that you must make-namely are you going to base your training methods on rewards, or punishments, or some combination of the two. Read More

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Schritt 1: Einleitung und klassische Konditionierung

Willkommen am Beginn unseres katzentraining Tutorials. Hier wollen wir euch in acht Übungseinheiten beibringen, wie man eine Katzen mit Hilfe eines Markersignals (in unserem Fall ein Clicker) trainieren kann. Um mit dem Tutorial anzufangen braucht ihr grundsätzlich nur folgendes:

  • Eine Katze als Trainingsobjekt 🙂 Clicker Training funktioniert dabei prinzipiell mit jeder Katze, auch wenn zugegebenermassen manche besser und manche schlechter darauf ansprechen. Die einfachen Schritte in unserem Tutorial sind aber mit Sicherheit jeder Katze beizubringen. Wenn eure Katze zu dumm für eine der Übungen wirkt, dann macht euch keine Sorgen, dass ihr ein Erbsenhirn zuhause sitzen habt. Wahrscheinlicher wird sein, dass in eurer Kommunikation etwas schief gelaufen sein wird.
  • Einen Clicker. Ein Clicker ist ein einfacher Knackfrosch, der ein ständig gleichbleibendes markantes Signal erzeugt, welches in der Umgebung der Katze normalerweise nicht vorkommt. Einen Clicker bekommt ihr entweder online (z.B. den hier) oder im Tierbedarfsladen. Wir brauchen den Clicker, um der Katze im Training zu signalisieren, dass sie jetzt gerade etwas richtig gemacht hat.
  • Einen primären Verstärker. Der primäre Verstärker ist das grundlegende Werkzeug, mit dem wir die Katze motivieren wollen, zu tun was wir uns von ihr erhoffen. Verschiedene Trainer arbeiten mit verschiedenen primären Verstärkern, aber für den Anfang wollen wir in diesem Tutorial den Naheliegensten – nämlich Futter – verwenden. Füllt also ein Gefäß (z.B. eine Schale, besser aber noch einen verschliessbaren Futterbeutel wie diesen hier) mit etwas Trockenfutter oder Leckerlis, die die Katze wirklich gerne frisst. Immer wenn die Katze etwas richtig gemacht hat, bekommt sie etwas Futter aus diesem Gefäß.

Trainingseinheit

In der ersten Trainingseinheit diese Woche werden wir sehr langsam anfangen. Das Ziel in dieser Woche ist nur, dass die Katze eine klassische Konditionierung zwischen Click und Futter aufbaut. Das heisst, das Endziel der Einheit ist, dass die Katze, wann immer sie den Click hört, Futter erwartet. Diese Konditionierung können wir sehr einfach herstellen:
Setzt euch im Schneidersitz auf den Boden und haltet das Futter nahe der linken Hand so bereit, dass es von der Katze nicht gesehen wird (sie soll sich auf euch, nicht auf das Futter, konzentrieren!). In der rechten Hand haltet ihr den Clicker. Setzt die Katze vor euch auf den Boden. Danach klickt ihr einmal mit der rechten Hand, und präsentiert mit der Linken sofort ein Leckerli, dass die Katze auch gleich fressen darf. Wichtig dabei ist die zeitliche Abfolge: die Katze sollte das Leckerli nicht schon sehen bevor sie den Click hört, allerdings muss sofort nach dem Click ein Leckerli präsentiert werden (viele Bücher sprechen hier von maximal einer Sekunde).
Wir demonstrieren euch diese Übung in einem kurzen Video mit Philipp und Althira:
Sieht nicht kompliziert aus, oder? Wiederholt diese Übung mit 5 bis 10 Clicks in einer Trainingseinheit und macht ca. 3 solche Einheiten. Danach sollte eine erste Konditionierung bestehen, mit der wir im Folgen arbeiten können. Bitte vergesst nicht: Katzen haben ein ziemlich gutes Pokerface und sind innerhalb kürzester Zeit auf den Clicker konditioniert, auch wenn es vielleicht nicht so aussehen mag.

Worauf zu achten ist

In dieser ersten Einheit ist das Potential für Probleme und Fehler noch relativ gering. Wir wollen trotzdem mögliche Probleme gleich vorweg diskutieren. Alle diese Punkte sind wichtige allgemeine Hinweise, die auch für alle späteren Übungen gelten werden. Wenn ihr dennoch Fragen zu dieser Übung habt, könnt ihr jederzeit einen Kommentar an uns senden.

  • Ablenkung: Grundsätzlich ist es für das Training vorteilhaft einen Raum mit möglichst wenig Ablenkung für euch und die Katze zu wählen. Das heisst: kein Fernseher, kein Radio und optimalerweise zu Beginn auch keine anderen Tiere im Raum. Wir haben den Eindruck, dass viele Katzen besonders leicht abzulenken sind, daher ist die Umgebung wirklich sehr wichtig für den Trainingserfolg.
  • Timing: Wie oben schon erwähnt, ist dass Timing für diese Übung absolut essentiell. Wenn ihr nicht sicher seit, ob ihr den richtigen Ablauf im Ernstfall schnell genug hinbekommt, dann übt zuerst einmal ohne Katze mit einem/r Partner/in (eine gute Übung zum Timing findet ihr hier). An dieser Stelle wollen wir nochmals darauf hinweisen, dass es sehr wichtig ist, dass die Katze das Leckerli noch nicht sieht, bevor sie den Click hört.
  • Click = Belohnung: Nach jedem Click muss immer die Belohnung folgen, da die Katze sonst lernen würde, dass mit etwas Glück ein Leckerchen folgt, oder auch nicht. Im schlimmsten Fall könnte die Katze dann befinden, dass es das Mitmachen nicht wert ist. Sollte es einmal passieren, dass ihr zum falschen Moment clickt, dann gebt ihr bitte die Belohnung trotzdem und versucht das nächste Mal wieder genauer zu sein.
  • Keine Selbstbedienung: Eine Grundregel des Trainings ist, dass ihr bestimmt wann die Katze eine Belohnung bekommt. Unterbindet konsequent von Anfang an, wenn sich die Katze selbst belohnen möchte und gebt Bettelei keinesfalls nach. Hier hilft ein verschliessbarer Futterbeutel ungemein, vor allem, wenn die Katze, wie unser Minos, nicht gerade zurückhaltend ist. Sollte die Katze zu aufdringlich werden, brecht die Trainingseinheit am besten ab, und fahrt später mit dem Training fort. Das signalisiert der Katze, dass aufdringliches Verhalten keinen Erfolg für sie bringt.
  • Unkonzentriertes Kätzchen: Gerade junge und wilde Katzen werden oft nicht so ruhig vor einem sitzen wie Althira in unserem Video. Das ist aber grundsätzlich auch nicht notwendig. Clickt und werft der Katze die Belohnung einfach hin. Sie muss euch nicht unbedingt aus der Hand fressen, und sie muss auch nicht still vor euch sitzen. Nur wenn die Katze gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt ist und sich offensichtlich nicht auf euch und euren doofen Clicker konzentriert, ist die Trainingseinheit auf später zu verschieben. Wenn die Katze erst einmal realisiert hat, dass beim Training sehr einfach an Leckerlis zu kommen ist, sitzen auch die wildesten Stubentiger brav vor einem, sobald man den Clicker in der Hand hat. Versprochen!
  • Nur nicht übertreiben: Der Standardfehler der meisten Trainer ist, die Trainingseinheiten zu lange zu halten. Grundsätzlich gilt: Lieber viele kurze als wenige sehr lange Trainingseinheiten. Mit etwas Erfahrung werdet ihr lernen zu sehen, wann die Motivation und Konzentration eurer Katze nachlässt. Spätestens dann müsst ihr aufhören (noch besser ist es, schon aufzuhören bevor das passiert). Versucht aber das Training immer positiv zu beenden, da die Katze ja Spass an der ganzen Sache haben soll. Zu Beginn sind 10 Clicks pro Trainingseinheit ein guter Richtwert. Auch später solltet ihr nicht länger als wenige Minuten am Stück trainieren, dafür aber mehrere Einheiten.

Hintergrund

Diese Übung sieht natürlich bisher recht unsinnig aus, hat aber (wie ihr euch hoffentlich schon gedacht habt 🙂 ) einen tieferen Sinn. Die grundsätzliche Idee im Training mit positiver Verstärkung ist, dass das Tier durch regelmäßige Belohnung von erwünschtem Verhalten dazu konditioniert wird, dieses Verhalten öfter zu zeigen. Umgekehrt führt ein Ausbleiben der Belohnung für unerwünschtes Verhalten dazu, dass dieses seltener gezeigt wird. In der Praxis ist diese Trainingsidee aber leider oft schwer umzusetzen, da das Timing des Belohnens sehr schwierig ist. Wenn ich eine Katze für den Sprung durch einen Reifen belohnen will, müsste ich ihr die Belohnung mitten in der Luft überreichen. Wenn ich ihr die Belohnung nach der Landung überreiche, belohne ich das Ende des Sprungs, und nicht den Sprung selbst – das Signal an die Katze ist komplett falsch. Eine Lösung für dieses Problem ist Markersignal. Ist der Clicker erst einmal konditioniert, kann ich ihn verwenden, um genau den Moment zu markieren, in dem die Katze das erwünschte Verhalten zeigt. Hier allerdings eine Warnung: der konditionierte Verstärker (also der Clicker) markiert nur die Belohnung, er ersetzt sie nicht! Auf einen Click sollte immer eine echte Belohnung, also der primäre Verstärker, folgen. Wenn ihr das Training nun begonnen habt, solltet ihr auch möglichst nicht mehr einfach so klicken, wenn ihr nicht vorhabt, die Katze zu trainieren. Wann immer ihr klickt ohne eine Belohnung folgen zu lassen, reduziert ihr die Konditionierung (und damit auch die Wirksamkeit) des Clickers.

Tutorial-Überblick

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