Schlagwort-Archive: Cue

Schritt 5: Verbale und Nonverbale Signale

Und weiter geht’s mit dem Clickertraining Crashkurs! In dieser Woche werden wir auf die Übungen der letzten beiden Einheiten aufbauen und unser Männchen noch ein klein wenig verfeinern. Genauer gesagt, wollen wir uns heute mit Signalen beim Clickern auseinandersetzen.

Laut Karen Pryor’s Clickertraining Glossar ist ein Signal (englisch Cue):

A stimulus that elicits a behavior. Cues may be verbal, physical (i.e., a hand signal), or environmental (i.e., a curb may become a cue to sit if the dog is always cued to sit before crossing a road).

Ein Signal ist also ein Stimulus, der ein Verhalten auslöst und kann grob gesagt in verbale und nonverbale Signale unterteilt werden. Verbale Signale werden oft auch als Befehle oder Kommandos bezeichnet, aber wir mögen diese Ausdrücke nicht sehr gerne. Diese Ausdrücke transportieren, dass wir eine Art Befehlsgewalt über das Verhalten unserer Katzen haben, die so ganz sicher nicht vorhanden ist (egal wie gut die Tiere trainiert sind). Das Wort Signal drückt die tatsächliche Realität viel besser aus – wir geben das Signal Hoch! um zu markieren, dass sich unser Tier durch ein Männchen nun einen Click verdienen kann. Wenn das Tier diese Einladung nicht annimmt, können wir es aber auch nicht ändern 🙂

Signale in unserem bisherigen Training

Obwohl wir Signale erst jetzt, in der fünften Einheit, besprechen, haben sie natürlich auch bisher schon eine wichtige Rolle in unserem Training gespielt (auch wenn ihr euch dessen vielleicht gar nicht so bewusst wart). Zum Beispiel gab es auch beim Geh auf die Decke Trick in Einheit 2 ein Signal, nämlich das Präsentieren der Decke. Beim Mach Männchen hatten wir sogar zwei unterschiedliche Signale – zu Beginn den hochgehaltenen Targetstab und nachdem wir das Target abgebaut haben, das Zeichen, das wir mit den Fingern gemacht haben. Diese Signale haben wir nicht explizit trainiert, sie sind sozusagen einfach als Teil des normalen Trainings passiert. In dieser Einheit wollen wir uns jetzt ansehen, wie wir ein bestimmtes (verbales) Zeichen explizit trainieren.

Mach Männchen auf Signal

Unser Übungsziel in dieser Woche ist das Männchen, das wir in der letzten Einheit eingelernt haben, zusätzlich zu dem Handzeichen noch mit einem verbalen Signal zu verbinden. Genauer: Wir wollen, dass die Katze in Zukunft nicht sofort zum Männchen hochsteigt, sobald wir die Finger über sie halten, sondern erst, wenn wir das Wort Hoch! dazusagen. Das Signal ist dann also die Kombination aus unserem Handzeichen und dem verbalen Signal. Natürlich gibt es einige Wege, ein neues Signal zu einem bestehenden Trick einzuführen. Wir schlagen allerdings folgenden Ablauf vor:

Zuerst macht ihr 2 oder 3 Wiederholungen des Tricks in seiner alten Form, quasi zum Warmwerden. Danach beginnt ihr, jedesmal während der Handlung das Signalwort Hoch! zu sagen. Wiederholt dies einige Male, und beginnt dann langsam, das Signal immer früher vor dem Click zu geben. Von der Katze wird nur erwartet, weiterhin das Männchen zu machen, und sich nicht von dem neuen Signal aus der Fassung bringen zu lassen. Schliesslich solltet ihr so weit sein, dass ihr das Signal schon vor Beginn des Verhaltens (wenn die Katze beginnt hochzusteigen) gebt. Nun kommt der schwierige Teil – nun sollte die Katze lernen, dass es ohne dem Hoch! jetzt nicht mehr geht. Dazu ist es notwendig, nun manchmal das verbale Signal nicht zu geben. Die Katze wird anfangs ganz sicher trotzdem hochsteigen – und bekommt leider keinen Click dafür. An dieser Stelle ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Katze nicht (zu sehr) frustriert wird. Wenn die Katze nun nicht mehr sofort hochsteigt, sobald wir das Handzeichen geben, können wir langsam die Zeit zwischen Handzeichen und verbalem Signal erhöhen (anfangs wird die Katze mit hoher Wahrscheinlichkeit nach kurzer Zeit auch ohne verbalem Signal hochsteigen). Wir sind mit dem Trick zufrieden, wenn die Katze das Handzeichen zumindest einige Sekunden interessiert anblickt, aber erst auf Hoch! wirklich zum Männchen hochsteigt (dann aber hoffentlich zackig 🙂 ).

Auch für diese Übung gibt es ein Video mit Philipp und Althira:

Einige Ratschläge

Hier noch einige Ratschläge und Bemerkungen zu diesem Training.

  • Ein übliches Problem beim Training mit verbalen Signalen ist, dass es uns Menschen oft schwer fällt, das Signalwort immer möglichst gleich auszusprechen (gleich lang, gleiche Betonung, gleiche Stimmlage, gleiche Lautstärke). Dabei ist gerade dieser Umstand sehr wichtig, damit die Katze das Wort identifizieren kann, da sie ja kein Wortverständnis hat. Eine kleine Analogie: Würdet ihr ein japanisches Wort wiedererkennen, wenn es zwei Mal in vollkommen anderer Tonlage und Lautstärke ausgesprochen werden würde? Wahrscheinlich nicht. Wenn ihr euch also nicht sicher seit, ob ihr das Signalwort wirklich immer gleich aussprecht, übt vielleicht einmal vor einem Mikrofon. In dem Video fällt euch wahrscheinlich auf, dass auch Philipp immer Probleme hat, das Signalwort zwischen Übungseinheiten gleichzuhalten (das langgezogene Hooooch!  vom Anfang wird gegen Ende hin immer mehr zu einem kurzen Hoch!).
  • Auch in dieser Einheit beherzigen wir die Grundregel, dass wir immer nur ein Kriterium gleichzeitig trainieren. Das heisst in diesem Fall, dass uns, während wir das Signal einführen, die eigentliche Ausführung des Männchens gar nicht wichtig ist. Die Katze bekommt immer einen Click, wenn sie irgendetwas Männchen-ähnliches macht, auch wenn das Männchen vielleicht mal nicht so lang oder hoch ist wie gewohnt. Diese Fehler, die sich dann vielleicht einschleichen, könnt ihr wieder rausshapen, wenn das Training des Signals abgeschlossen ist.
  • Wenn wir ein verbales Signal einführen, sollten wir das Signal nicht leichtfertig oder unbedacht geben. Wir sollten das Signal nur geben, wenn wir uns (ziemlich) sicher sind, dass die Katze dann auch das Verhalten ausführen wird. So lange das Signal noch nicht sitzt, geben wir es niemals, wenn die Katze gerade abgelenkt oder anderweitig beschäftigt ist.
  • Manche Trainer verzichten auch komplett auf den ersten Teil dieses Trainings, und geben das Signal von schon von Anfang an nur vor der Handlung. Wenn ihr wollt, könnt ihr es auch so probieren, bei uns hat sich aber die hier beschriebene Variante bewährt.

Der richtige Zeitpunkt fürs Signal

Die Vorgangsweise, dass wir erst einen Trick mit einem nonverbalen (natürlichen) Signal komplett shapen und erst ganz zum Schluss das verbale Signal einführen, ist durchaus typisch. Wir empfehlen generell, kein verbales Signal zu verwenden, bis der Trick richtig sitzt und nur mehr das Signal einzuführen ist. Manche Trainer wollen das Signal bereits zu Beginn geben, aber dies kann leicht zu einer Überforderung der Katze führen. Im Prinzip verletzen wir dann nämlich die oben schon erwähnte Grundregel – wenn wir von Anfang an auf einem Signal bestehen, weiss die Katze, wenn der Click ausbleibt nie, ob das aufgrund des Signals war, oder weil das gezeigte Verhalten nicht ok war.

Tutorial-Überblick

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Tutorial