Haustiermesse Wien

Wir werden dieses Wochenende auf der Haustiermesse in Wien (Messegelände Wien, Halle B) sein. Immerhin gibt es dort die nach eigenen Angaben grösste Katzenausstellung Österreichs zu sehen. Am Samstag um 12:30 gibt es auch einen tollen Trainings-Leckerbissen, die Hühner- und Schabenshow vom Animal Training Center. Und Sonntags ist dann natürlich noch der Trickdog Bewerb, da kann man sich sicher auch die eine oder andere Trickidee abschaun!

Bilder folgen an dieser Stelle dann hoffentlich Anfang nächster Woche.

EDIT: wie versprochen, hier einige Schnappschüsse von der Messe. Wir waren leider doch nur einen Tag vor Ort, mehr ist sich zeitmäßig einfach nicht ausgegangen.

Anna und Barbara vom ATC bei ihrer Hühnershow


Nochmal Anna und Barbara, diesmal bei ihrem Diabetes-Hunde Vortrag

2 wunderschöne Egyptian Maus

Und noch ein Abessinier

Was ist diese Fellexplosion? Vielleicht eine Heilige Birma?

Hundemodeschau (fragt nicht)

Film-Rottweiler beim Schämen. Vielleicht war er zuvor auch auf der Hundenmodenschau

Blick über die Katzenausstellung

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Übung: Die Box der 100 Verhalten

Willkommen zu einem neuen Clicker-Artikel hier am katzentraining Blog. Diese Woche wollen wir eine schöne Übung vorstellen, die wir verwenden können, um die Kreativität unserer Katzen zu trainieren. Diese Woche geht es also nicht darum, einen bestimmten Trick zu lernen, sondern um eine allgemeinere Technik, die uns hilft, andere Tricks leichter zu shapen.

Kreativität trainieren?

Vielleicht wundert ihr euch jetzt gerade ein wenig. Kreativ ist man doch, oder man ist es nicht? Kreativität kann man doch nicht trainieren, oder? Interessanterweise kann man das doch. Karen Pryor, von der in diesem Blog öfters mal die Rede ist (z.B. basiert dieser Artikel hier auf ihrer Arbeit), hatte in ihrer Zeit als Delfin-Trainerin in Hawaii folgendes interessante Erlebnis. In den Sechziger-Jahren wollte Pryor als Teil ihrer Delfin-Show live demonstrieren, wie die Delfine eigentlich trainiert wurden. Dazu wartete sie, bis ein bestimmter Delfin irgendein (zuvor untrainiertes) Verhalten zeigte und bestärkte dieses so lange, bis der Delfin dieses neue Verhalten stark verstärkt anbot. Das passierte von nun an täglich – der Delfin tat etwas, dass er in der Show normalerweise nicht tat und wurde dafür großzügig belohnt. Schnell stellte sich nun aber ein Problem ein – was passiert, wenn alle normalen Delfinverhalten verwendet wurden? Sehr zur Überraschung der Trainerin löste der Delfin das Problem von sich aus. Nachdem ihm die normalen Verhalten ausgegangen waren, liess er sich statt dessen eben neue Verhalten einfallen, die die Trainerin noch nie zuvor von ihm gesehen hatte und die auch nicht unbedingt zum normalen Verhaltensspektrum von freilebenden Delfinen zählen.

Was war passiert?  Im Endeffekt hatte der Delfin gelernt, dass in diesem Teil der Show das von ihm erwartete Verhalten mach etwas Neues war, genauso wie er zuvor gelernt hatte, zu anderen Zeiten einen Ball auf der Nasenspitze zu balancieren. Nach allen üblichen Definitionen hatte der Delfin gelernt, in diesem Teil der Vorführung kreativ zu sein. Mehr Hintergrund hierzu findet ihr in Paul Chance – Learning & Behavior.

Die Box der 100 Verhalten

Im Katzentraining können wir eine ähnliche Übung verwenden, um die Kreativität unseren Katzen zu steigern. Wir nennen diese Übung die Box der 100 Verhalten (Karen Pryor spricht von 101 Things to Do with a Box – offensichtlich beherrschen unsere Katzen also zumindest ein Verhalten weniger als Pryor’s Hunde 🙂 ). Das Prinzip der Box der 100 Verhalten ist einfach:

Als Requisit brauchen wir für diese Übung eine Box (z.B. die Schachtel, in der die letzte Katzefutterlieferung kam 🙂 ), die noch nicht anderweitig im Training verwendet wird. Optimalerweise kennt die Katze diese Box auch noch nicht aus ihrem Alltag. Nun stellen wir die Box vor der Katze auf den Boden und clicken alle Verhalten der Katze, die mit der Box zu tun haben. Das könnte zum Beispiel sein: Box anschauen, auf Box zugehen, Box anschnuppern, Box ablecken, Box beissen, linke Pfote auf die Box, rechte Pfote auf die Box, um die Box herumgehen, in die Box springen, die Box weiterschieben, … Aber: wir belohnen jedes Verhalten nur, wenn es das erste (maximal das zweite) Mal gezeigt wird und vorher noch nie oder zumindest schon länger nicht mehr angeboten wurde. Die Katze muss sich also kontinuierlich etwas Neues einfallen lassen, um sich Clicks zu erarbeiten.

Ein paar wenige Hinweise zu dieser Übung:

  • Bei dieser Übung ist es besonders wichtig, keinen Frust aufkommen zu lassen. Hier sollte wirklich Click auf Click folgen. Damit das auch geht, sollten wir als Trainer gerade anfangs keine allzu grossen Erwartungen an die angebotenen Verhalten stellen. Zum Anfang kann man an einer anderen Stelle riechen oder eine andere Stelle der Box berühren durchaus noch als neues Verhalten durchgehen lassen.
  • Natürlich wird es mit Dauer der Trainingseinheit immer schwieriger für die Katze, neue Verhalten zu finden. Im Gegensatz zum hochtrainierten Star-Delfin von Karen Pryor werden unsere Katzen – wenn ihnen die üblichen Verhalten ausgehen -wohl nicht sofort munter neue Verhalten erfinden. Statt dessen wird die Übung irgendwann etwas ins Stocken kommen. Hier ist es wieder besonders wichtig, nicht zu viel Frust aufkommen zu lassen und jeden Anflug von Initiative und Kreativität gleich zu verstärken.
  • Bei dieser Übung muss auch auf die Trainingszeit geachtet werden. Da die Katze hier sehr gefordert wird, kann es sein, dass sich die Konzentrationsspanne der Katze gegenüber dem üblichen Training verkürzt. Wenn ihr also merkt, dass die Katze nicht mehr ganz so konzentriert ist, hört lieber früher als zu spät auf.
  • Wenn ihr schon länger mit eurer Katze trainiert, aber diese Übung noch nie gemacht habt, könnte es sein, dass die Katze anfangs sehr verwirrt ist. Das ist auch verständlich, schliesslich ist normalerweise  ein Click immer ein Zeichen für toll, gleich nochmal. In dieser Übung heisst der Click aber toll, aber jetzt mach was anderes.  Das ist schon eine Umstellung, für die ihr der Katze etwas Zeit geben solltet.

Alternativen

Natürlich kann man die Box der 100 Verhalten nicht nur mit einer Schachtel üben. Statt dessen könnt ihr auch mit verschiedenen anderen Gegenständen experimentieren, so lange die Katze irgendwelche Möglichkeiten hat, mit dem Gegenstand zu interagieren. Das ist auch der Grund, warum man im Allgemeinen eine Box verwendet. Man kann mit dieser einfach mehr anstellen, als zum Beispiel mit einer Flasche oder einem Stofftier. Reizvoll ist aber sicher auch, diese Übung einmal ganz ohne Requisit auszuprobieren. Auch (oder sogar gerade) ohne Requisit sind die möglichen Verhalten, die die Katze anbieten könnte, fast unbegrenzt.

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Trainingstheorie: Wie man unerwünschtes Verhalten abtrainieren (könnte)

In diesem Artikel werden wir etwas Abstand vom (reinen) Clickertraining gewinnen und einen kleinen Ausflug in die Erziehung von Katzen ganz Allgemein machen. Genauer gesagt, wollen wir an dieser Stelle die acht prinzipiellen Arten vorstellen, wie wir mit unerwünschtem Verhalten bei unseren Mietzen umgehen können. Der folgende Artikel ist stark angelehnt an einen (englischsprachigen) Artikel von Karen Pryor, welcher wiederum auf Karen’s ausgezeichnetem Buch „Positiv bestärken – sanft erziehen: Die verblüffende Methode, nicht nur für Hunde“ (Originaltitel: „Don’t Shoot the Dog! The New Art of Teaching and Training“) basiert. Mehr Details zu den folgenden Themen findet ihr in eben diesen Originalquellen.

Egal um welches unerwünschte Verhalten es geht, wir haben im Prinzip acht grobe Kategorien von Methoden, wie wir mit dem unerwünschten Verhalten umgehen können. Da Karen Pryor eine starke Proponentin von positiven Trainingsmethoden ist, hat sie die Liste in 4 gute und 4 böse Feen eingeteilt :D. Es sei dem Leser überlassen, zu überlegen, was die guten und was die bösen Feen dabei sind.

‚Shoot The Cat‘

In diese Kategorie fällt (neben dem Abgeben der Katze) auch alles, was dem Tier die grundsätzliche Möglichkeit nimmt, das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Wenn z.B. die Katze auf den Tisch springt, um von euren Steaks zu naschen und ihr sperrt sie daher während dem Essen aus dem Zimmer, fällt das auch in diese Kategorie.
  • Vorteil: Funktioniert immer, garantiert.
  • Nachteil: Die Katze lernt in Wahrheit nichts. Wenn ihr die Katze ein Jahr lang konsequent beim Essen aussperrt und danach wieder reinlässt, habt ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort wieder das alte Problem. Hier findet also kein Lernprozess im eigentlichen Sinn statt, sondern nur Symptombekämpfung.

Bestrafen

Für Viele (leider) immer noch die Erziehungsmethode schlechthin, obwohl sie nachgewiesenerweise selten funktioniert (dazu sind Verhalten und Strafe meistens einfach zu sehr entkoppelt). Im Allgemeinen ist der einzige Effekt von Strafen, dass sich der Bestrafer danach besser (sprich weniger ohnmächtig) fühlt.
  • Vorteil: Eigentlich keine die wir sehen würden.
  • Nachteil: Bestrafen, so dass es etwas bringt, ist richtig schwierig. Falsch bestrafen ist einfach, zerstört aber sehr, sehr leicht die Beziehung zur Katze.

Negative Verstärkung

Diese Methode wirkt auf den ersten Blick für viele ähnlich wie bestrafen, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Bei negativer Verstärkung gibt es zuerst einen negativen Reiz, der entfernt wird, sobald das Tier das gewünschte Verhalten zeigt bzw. wenn es aufhört, das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Würgehalsbänder für Hunde funktionieren nach diesem Prinzip. Im Gegensatz zur Bestrafung hat das Tier hier tatsächlich einen Anreiz, sein Verhalten zu ändern. Sonderlich nett ist die Methode aber natürlich trotzdem nicht.
  • Vorteil: Funktioniert im Gegensatz zur Bestrafung wirklich, zumindest wenn die Technik richtig verwendet wird. Pferde werden seit Jahrhunderten so trainiert und geritten (auch wenn in diesem Bereich in letzter Zeit des öfteren der Clicker und positive Trainingsmethoden zum Einsatz kommen).
  • Nachteil: Auch hier kann falsche Anwendung die Beziehung zur Katze grundlegend zerstören. Ausserdem muss das Timing sehr gut sein, was die Trainingsmethode in der Katzenerziehung für die allermeisten typischen Probleme recht ungeeignet macht.

Löschen

Das Verhalten auslöschen (lassen), entweder durch bewusstes Training oder weil das Verhalten von selbst aufhört. Die meisten Probleme mit Kitten hören z.B. von selbst auf, wenn sie älter werden.
  • Vorteil: Bei vielen altersbedingten Problemen ist Aussitzen die beste und einfachste Möglichkeit für alle Beteiligten, vor allem kombiniert mit der ersten Methode (alles wegräumen, dann kann das Kitten nichts kaputt machen und irgendwann wächst es aus der schwierigen Kitten-Phase ohnehin raus). Mit dem Clicker kann man das Löschen mancher Verhalten beschleunigen.
  • Nachteil: Natürlich verschwinden nicht alle problematischen Verhalten von selbst. Dann kann man zwar immer noch bewusst das Löschen trainieren, was sich aber manchmal etwas schwierig gestaltet (vor allem, wenn das Verhalten selbstbestärkend ist).

Ein inkompatibles Verhalten trainieren

Wenn eine Katze trainiert ist, auf Signal auf einer Decke zu bleiben, kann sie nicht gleichzeitig ein Steak vom Tisch stehlen. Dieses alternative Verhalten kann man natürlich bestens mit dem Clicker trainieren.
  • Vorteil: Man findet für fast alle unerwünschten Verhaltensweisen ein inkompatibles Verhalten. Die Methode ist also ziemlich generisch.
  • Nachteil: Erstens muss man natürlich in der Lage sein, die Alternative zu trainieren. Zweitens muss das alternative Verhalten für die Katze mindestens ebenso belohnend sein, wie das unerwünschte Verhalten. Keine Katze bleibt eine halbe Stunde während dem Essen ruhig auf der Decke liegen und schaut beim Steakessen zu, wenn die Belohnung nicht auch angemessen ist.

Das unerwünschte Verhalten unter Signalkontrolle bringen

Hier wird das unerwünschte Verhalten explizit trainiert. Klingt komisch, ist aber so. Die grundsätzliche Idee ist bei dieser Methode, dass Katzen Verhalten, das sie im Rahmen des Clickertrainings auf Signal auszuführen lernen, meist nicht mehr ohne Signal zeigen (man nennt dies ‚das Verhalten unter Signalkontrolle bringen‘).
  • Vorteil: Ein gangbarer und positiver Weg, wenn man Erfahrung im Training hat.
  • Nachteil: Während des Trainings (also so lange das Verhalten noch nicht unter Signalkontrolle ist) verstärkt man damit das unerwünschte Verhalten sogar noch. Wenn man es nicht schafft, das Verhalten komplett unter Kontrolle zu bringen, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem sogar noch verschlimmern.

Die Abwesenheit des unerwünschten Verhaltens positiv verstärken

Anstatt die Katze zu massregeln, wenn sie beim Essen auf den Tisch spring, wird belohnt, wenn sie untenbleibt. Wichtig hier ist, dass anfangs sehr viel und stark belohnt wird (schliesslich sollte die Katze keinen unmittelbaren Anreiz haben, sofort über die Steaks herzufallen – die Katze sollte also den Eindruck haben, dass sich Untenbleiben unmittelbar mehr auszahlt, als die Steaks zu erbeuten). Die Frequenz der Belohnung kann dann über die Zeit aber langsam zurückgefahren werden. Irgendeinen Anreiz sollte es aber dauerhaft geben, brav zu bleiben.
  • Vorteil: Funktioniert und ist sogar relativ einfach zu trainieren. Im Gegensatz zur negativen Verstärkung, gibt es auch kein Risiko, dass die Katze diese Art des Trainings übel nimmt.
  • Nachteil: Keine Besonderen, ausser dass man die Katze dauerhaft ein wenig belohnen muss. Das Training ist also kein Selbstläufer, das man einmal trainiert und dann nie wieder berücksichtigt.

Die Ursache des unerwünschten Verhaltens finden und eliminieren

Das ist quasi die Königsdisziplin der Verhaltensänderung. Hier ist das Ziel herauszufinden, warum die Katze das unerwünschte Verhalten zeigt, um im Anschluss die Motivation zu ändern. Warum ist die Katze so interessiert an den Steaks am Tisch? Hat sie starken Hunger? Vielleicht hilft es, die Katze zu füttern, bevor das eigene Mahl serviert wird.
  • Vorteil: Wenn man erst einmal herausgefunden hat, was ein Verhalten motiviert, ist es oft einfach, eine gute Lösung zu finden, aber …
  • Nachteil: … manchmal auch nicht. Oft weiss man genau, was die Katze motiviert, aber eine Lösung ist nicht zu finden, oder einfach nicht gangbar. Manchmal hat man auch schlicht keine Ahnung, was genau eine Katze zu bestimmten Taten treibt.

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Blog-Urlaub

Liebe Leser, wie dem Einen oder Anderen von euch sicher aufgefallen ist, haben wir diese Woche erstmals keinen Artikel veröffentlicht :). Der Hauptgrund für diesen Lapsus war, dass Philipp letzte Woche in Australien war und keine Zeit hatte, an einem Artikel zu arbeiten. Allerdings haben wir inzwischen unser primäres Projekt – das Tutorial – abgeschlossen und meinen, uns damit eine Woche Auszeit verdient zu haben 😀

In der Zukunft werden wir weiterhin versuchen, einmal pro Woche einen (hoffentlich) interessanten Artikel zum Thema Katzentraining mit positiver Bestärkung zu veröffentlichen. Teils werden das einfach Trainingstipps und Videos für bestimmte Tricks sein. Teilweise werden wir auch etwas mehr auf die Theorie hinter Shaping, Konditionierung und Ähnlichem eingehen. Den nächsten Artikel in dieser Art gibt es dann am Wochenende.

Update: kaum geschrieben, müssen wir schon wieder eine Woche ausfallen lassen. Leider ist es momentan mit Philipp’s Arbeits- und Auslandszeiten nicht vereinbar, wirklich wöchentlich einen sinnvollen Artikel zu posten. Wir werden daher in Zukunft eher einen 2-Wochen-Rythmus anstreben. Das gibt uns auch mehr Zeit, wirklich relevantes und korrektes Material zu produzieren.

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Schritt 8: Eine Einfache Verhaltenskette

Ein letztes Mal Herzlich Willkommen zum Clicker Tutorial hier im katzentraining Blog. In dieser achten und letzten Einheit werden wir ein wichtiges, aber etwas fortgeschritteneres Thema diskutieren und zwar das Training sogenannter Verhaltensketten. Verhaltensketten liegen immer dann vor, wenn der Trick, den wir trainieren, nicht aus einer einzigen Handlung besteht, sondern aus einer ganzen Kette von unmittelbar aufeinanderfolgenden Handlungen. Zwischen den Einzelteilen der Verhaltenskette liegt kein Click. Das heisst, wir belohnen die Katze nur einmal für die Verhaltenskette als Ganzes, wenn sie alle Einzelteile erfolgreich absolviert hat.

Verhaltensketten erkennen

Soweit die Theorie. Wie muss man sich Verhaltensketten aber nun in der Praxis vorstellen? Grundsätzlich gibt es zwei Arten.

Da wären einerseits klassische Trick Parcours, in denen die Katze ähnlich dem Cat Agility eine, mehr oder weniger, lange Reihe an unabhängigen Verhalten (Slalom, Wippe, durch einen Reifen springen und so weiter) zeigt. Die Übungen in einem Trick Parcour zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie beliebig neu angeordnet und kombiniert werden können. Man kann also jederzeit z.B. die Wippe mit dem Slalom austauschen.

Andererseits  gibt es aber auch Verhaltensketten, die erst auf den zweiten Blick als Solche erkennbar sind. Dies sind komplexe Tricks, die wir während dem Training in kleine, einfachere Einzelverhalten zerlegen, die dann einfacher trainierbar sind. Ein Beispiel gefällig? Der Trick einen Ball apportieren besteht bei genauerer Betrachtung aus vielen einzelnen Handlungen: Dem Ball nachlaufen, den Ball mit dem Maul aufnehmen, mit dem Ball im Maul wieder zurückkommen (und den Ball dabei nicht fallenlassen), und den Ball auf Signal hin in die Hand des Menschen fallenlassen. Dieses komplexe Verhalten als Ganzes zu shapen ist fast aussichtslos. Sinnvoller ist es, jeden der Einzelschritte wie einen einzelnen Trick zu trainieren und die Einzelteile dann Stück für Stück wieder zusammen zu setzen.

Training von Verhaltensketten

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass sich das oben beschriebene Prinzip (ein komplexes Verhalten in einfachere Einzelschritte aufteilen) nicht gravierend vom allgemeinen Trainingsprinzip des Shapings, wie wir es in Schritt 2 beschrieben haben, unterscheidet. Tatsächlich ist das Grundprinzip sehr ähnlich, es gibt aber einen fundamentalen Unterschied: Während wir beim Shaping das Training mit dem ersten Schritt in die richtige Richtung beginnen und dann schrittweise immer mehr fordern, werden Verhaltensketten grundsätzlich von hinten trainiert. Wir trainieren also, wann immer das möglich ist, immer das letzte Verhalten in der Kette zuerst. Danach das Vorletzte und so weiter.

Das klingt anfangs unlogisch. Beim Training von einen Ball apportieren beginnen die allermeisten Trainer intuitiv damit, der Katze das Nachlaufen hinter dem Ball anzutrainieren. Das ist allerdings etwas ungeschickt, denn auf diese Weise werden die ersten Verhalten automatisch besser trainiert, während die Verhalten, die später kommen, immer weniger trainiert werden. Das heisst aber auch, dass die Verhaltenskette für die Katze immer schwieriger wird (jedes Verhalten in der Kette ist schlechter trainiert, als das Verhalten davor). In der Praxis hat es sich besser bewährt, wenn der unsicherste Trick in der Kette  ganz zu Beginn kommt und jedes weitere Verhalten in der Kette immer besser trainiert ist, als das Verhalten davor. Dadurch wird die Katze mit jedem Schritt in der Verhaltenskette sicherer, die größte Hürde wurde schon zu Beginn gemeistert.

Übung

Wie immer wollen wir das Grundprinzip einer Verhaltenskette am Beispiel eines kleinen Tricks demonstrieren. Für diesen ganz einfachen Parcour verwenden wir drei leere 0.5l Colaflaschen, ein Glöckchen, wie man es am Hals von bestimmten Schokoladenhasen findet und eine Stehleiter. Die Flaschen werden als improvisierte Slalomstangen dienen, die Stehleiter brauchen wir nur, um die Glocke mit einem Haken frei hängend daran befestigen zu können (wenn ihr das Glöckchen woanders leichter anbringen könnt, macht das ruhig :)). Unser Ziel für den Trick ist, dass die Katze im Slalom um die Stangen läuft (Verhalten Nr. 1) und danach mit Pfote oder Nase die hängende Glocke läutet (Verhalten Nr. 2).

Wie oben beschrieben, beginnen wir das Training der Verhaltenskette mit dem zweiten Verhalten. Als Erstes shapen wir also das Läuten der Glocke. Für eure nun schon etwas clicker-erfahrene Katze sollte dies kein besonderes Problem mehr darstellen. Danach entfernen wir die Glocke fürs Erste und trainieren isoliert das Slalom-Gehen. Hier hilft uns der Targetstab sicherlich. Wie immer solltet ihr aber langsam beginnen (zuerst eine Stange, geclickt wird für das Herumgehen um die eine Stange, danach erst die zweite und die dritte Stange einbauen). Wenn ihr wollt, könnt ihr den Targetstab auch abbauen und ein verbales Signal einbauen (dann sollte die Katze auf ein bestimmtes Signal, z.B., Lauf los!, den Slalom starten). Jetzt nehmen wir die Glocke wieder hinzu und versuchen die beiden Teile der Kette zusammenzusetzen.

Möglicherweise bricht nun der Slalom zusammen, obwohl ihr ihn zuvor schon sorgfältig trainiert habt. Zum Beispiel könnte Folgendes passieren: Die Katze beginnt brav den Slalom, sieht irgendwann die Glocke, bricht an dieser Stelle den Slalom sofort ab und läuft schnurstracks auf die Glocke zu – zuvor hat das ja auch funktioniert. Nun haben wir ein kleines Problem, denn einfach nur nicht clicken ist hier wahrscheinlich zu wenig Information für die Katze. Dann wirkt es für die Katze so, als wäre das Klingeln der Glocke an sich der Fehler gewesen. Woher soll sie auch wissen, dass das Abbrechen des Slaloms einige Sekunden zuvor das Problem war?

Dieses Problem können wir eindämmen, indem wir der Katze anfangs noch eine Belohnung (ohne Click!) für einzelne Teilschritte geben. Zum Beispiel können wir der Katze nach jeder Stange im Slalom ein kleines Trockenfutterstück hinwerfen und am Ende (nach Slalom und Glocke) gibt’s etwas mehr Belohnung. Diese Teilabschnittsbelohnungen können wir dann langsam abbauen, so dass es am Ende, wenn der Trick schon gut gefestigt ist, nur mehr einmal am Ende Click und Belohnung gibt.

Wie immer folgt an dieser Stelle ein kleines Video mit Philipp und Althira. Aus Zeitgründen seht ihr in dem Video allerdings nicht das komplette Training, sondern nur die wichtigsten Schritte.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=FOxFz7ai_SA]

Zusätzlich sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass manche Trainer für Verhaltensketten einen sogenannten Go On Marker verwenden. Der Go On Marker funktioniert ähnlich wie der Click mit dem Clicker (er bestätigt, dass die Katze etwas richtig macht), aber er beendet die Handlung nicht. Dieses Hilfsmittel kann man verwenden, um das oben beschriebene Problem zu lösen – mit dem Go On Marker kann man für jeden Teilschritt in der Verhaltenskette separat markieren, ob genau diese Handlung nun richtig war oder nicht. Als Go On Marker verwenden die meisten Trainer ein bestimmtes Signalwort (Weiter!), möglich wäre aber natürlich auch ein beliebiges anderes Geräusch.

Das war’s!

Damit sind wir am Ende unseres Tutorials angelangt! Wenn ihr uns bis hierher gefolgt seit, habt ihr die (aus unserer Sicht) wichtigsten Trainingsprinzipien gelernt und zumindest einmal angewendet. Das weitere Training eurer Katze liegt nun weitgehend an euch, beziehungsweise an eurer Fantasie.  Falls euch Ideen für neue Tricks fehlen, können wir euch raten, euch entweder auf Youtube umzusehen oder die ausgezeichnete Trainings-DVD von Birgit Laser zu bestellen. Ausserdem können wir auch das Buch Trickschule für Katzen von Christine Hauschild herzlich empfehlen. Und schliesslich laden wir euch natürlich ein, uns auch weiterhin hier auf diesem Blog zu folgen :). In Zukunft werden wir hier weiterhin im Wochentakt Tricks und Details zu Trainingstechniken präsentieren.

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Link: Tagteacher’s Youtube Kanal

Heute möchten wir euch einmal etwas ganz Anderes zeigen, nämlich den Youtube Kanal von tagteacher. Hier könnt ihr in einigen Videos sehen, wie die Prinzipien des Clicker Trainings auch auf die Arbeit mit Menschen umgelegt werden können, zum Beispiel im Sporttraining oder zur Therapie von Ängsten. Das Ganze nennt sich dann Tag Teach.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=LxB0pGRg21Q]

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Schritt 7: Prompting

Und wieder einmal wünschen wir euch ein herzliches Willkommen zur vorletzten Einheit in unserem Clicker Tutorial. Diese Woche werden wir uns eine simple Variation des Capturings, wie wir es in der letzen Einheit gelernt haben, ansehen. Vor allem werden wir aber einen richtig coolen Trick lernen, nämlich auf Signal mit der Zunge über die Lippen zu schlecken.

Prompting


Die neue Technik, die wir diese Woche vorstellen, nennt sich Prompting. Das Grundprinzip dieser Technik ist wieder einmal sehr einfach erklärt: Grundsätzlich funktioniert Prompting genau wie Capturing, nur dass wir nicht geduldig darauf warten, dass die Katze das Verhalten von selbst anbietet, sondern einen Weg finden, das Verhalten explizit auszulösen. Klingt einfach? Ist es auch! Das Schwierige beim Prompting ist auch nicht wirklich die Durchführung des Trainings, sondern einen guten Prompt zu finden. Dieser sollte das gewünschte Verhalten natürlich zuverlässig auslösen, aber die Katze dabei nicht zu sehr ablenken.

Ein Beispiel für einen notorisch schlechten Prompt ist das Locken mit Futter. Nehmen wir an, ihr wollt das Komm! aus der letzten Einheit trainieren. Anstatt abzuwarten, dass eure Katze von selbst zu euch kommt, nehmt ihr ein Leckerli in die Hand und wedelt ein wenig damit. Tatsächlich kommt die Katze wie der Blitz angeschossen und ihr clickt. Klingt so weit ganz gut, oder? Nicht unbedingt. Leider ist es in diesem Szenario nämlich sehr wahrscheinlich, dass die Katze aus diesem Click gar nichts gelernt hat. Als sie angelaufen kam, war sie schon so auf das Leckerli fixiert, dass der Click im Hintergrundrauschen untergegangen ist.

Schleck!

Wie sieht nun aber ein guter Prompt aus? Dass wollen wir euch anhand des folgenden Tricks zeigen: Wir wollen trainieren, dass die Katze auf das verbale Signal Schleck! mit der Zunge über ihre Lippen fährt. Das ist nicht nur sehr herzig, sondern ist auch ein wunderbarer Trick zum Clickern lernen, da hier das richtige Timing und gute Beobachtung der Katze essentiell ist. Der Prompt für das Schleck! wird der Verzehr eines Leckerlis sein. Alle Katzen die wir kennen, schlecken nämlich ihre Lippen als Teil des Schluckvorgangs oder kurz danach zum sauber putzen. Angenehmerweise lenkt ein bereits gefressenes Leckerli auch nicht so ab, daher können wir diese Verhaltensweise durchaus als Prompt für uns nutzen und zwar folgendermaßen:

Wir beginnen die Übung mit einem einfachen Trick, den die Katze bereits kann, wie z.B. das Männchen. Für diesen Trick bekommt die Katze wie üblich einen Click und darauf folgend die Belohnung. Sobald die Belohnung verfüttert ist, müsst ihr die Katze nun ganz genau beobachten. Sobald die Zunge rauskommt zum Schlecken, kommt auch sofort ein Click und eine weitere Belohnung (bei der wieder geschleckt und geclickt wird). Wir können hier also quasi eine Endlosschleife von Clicks und Schlecks aufbauen, was bei diesem Trick sehr angenehm ist. Wenn die Katze aus irgendeinem Grund mal kein Schleck zeigt oder die Schleife aus einem anderen Grund abbricht, verlangen wir eben nochmal einen bereits bekannten Trick und starten so neu.

Nach einigen solchen Clicks, spätestens wenn ihr das Gefühl habt, dass die Katze mehr schleckt als noch zu Beginn, könnt ihr zum nächsten Schritt übergehen. Nun gibt es nur mehr einen Click für ein Schleck, das ausserhalb des normalen Schluckvorgangs kommt. Das heisst, ihr clickt nicht mehr, wenn die Katze einfach nur frisst und dabei schleckt, sondern wenn sie das Leckerli schluckt, kurz wartet und dann schleckt. Der wichtige Unterschied hier ist, dass die Katze dann das Verhalten explizit anbieten muss – sie schleckt nicht mehr einfach so (wie zu Beginn), sondern sie schleckt bewusst, weil sie sich dafür eine weitere Belohnung erhofft. Langsam könnt ihr dann auch die Zeit erhöhen, die zwischen Schlucken und Anbieten des neuen Schlecks liegen soll.

Wenn die Katze das Schleck schon konsequent nach dem Fressen anbietet, können wir zum letzten Schritt übergehen und ein verbales Signal einführen. Hier ist Timing, Beobachtung der Katze und Reaktion wieder ganz wichtig. Wenn ihr genau schaut, werdet ihr lernen zu erkennen, wann die Katze vorhat zu schlecken. In genau diesem Moment gebt ihr das Signal und clickt natürlich, wenn das Verhalten dann kommt. Wie immer geben wir zu Beginn das Signal nur zusätzlich und irgendwann gibt es dann nur mehr einen Click, wenn zuvor auch das Signal gegeben wurde.

Das Training zeigt euch Philipp mit Althira in einem Video vor:

Noch ein paar Tipps

  • In dieser Übung ist das Timing des Clicks das Allerwichtigste. Ihr müsst wirklich genau den Moment erwischen, in dem die Katze schleckt und das dauert nur einen Sekundenbruchteil. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid zu langsam, dann hilft euch vielleicht diese Übung hier .
  • Wie ihr auch in dem Video seht, erwischt auch Philipp bei Weitem nicht alle Schlecks von Althira. Wie immer gilt: Besser nicht, als falsch clicken. Und gerade zu Anfang ist es verdammt schwer zu sehen, wann die Katze schlecken will und entsprechend richtig zu clicken. Keine Angst, die Katze wird das Verhalten auch lernen, wenn ihr ab und an einen guten Schlecker verpasst.
  • Manche Arten von Belohnung eignen sich besser für diese Übung als andere. Als allgemeine Regel haben wir bei unseren Katzen gesehen, dass bei weichen Leckerlis besonders viel und bei Harten besonders wenig geschleckt wurde. Wir trainieren oft mit Katzen-Leberwurst (vergleichbare Snacks gibt’s aber auch in der Tierwarenhandlung). Für diese Übung waren wir davon aber nicht begeistert, da die Katzen bei Leberwurst so viel geschleckt und geputzt haben, dass das gezielte Clicken eines einzelnen Schlecks zu schwierig war. Besser haben bei uns kleine Stückchen Katzensticks funktioniert. In dem Video hat Philipp Althira aber mit Trockenfutter trainiert.
  • Die Katze wird nicht unbedingt immer brav zu euch hinsehen, wenn sie schleckt. Wenn das Köpfchen gerade in eine andere Richtung zeigt, muss man genau hinhören und auf das entsprechende Schleck-Geräusch hin clicken. Später kann man dann fordern, dass nur Clicks mit Blick zum Menschen hin geclickt werden, aber für den Anfang ist das zu schwierig (wie immer gilt, nicht mehrere Kriterien auf einmal trainieren!).
  • Abschliessend sollte man vielleicht noch darauf hinweisen, dass dieser Trick natürlich schon deutlich fortgeschrittener ist, als die Tricks die wir bisher gelernt haben. Also nicht aufgeben, wenn es nicht gleich klappt. Ein paar Trainingseinheiten sind vollkommen normal!

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