Übung: Weg vom Futter

Diese Woche wollen wir euch wieder eine kleine praktische Übung zeigen, die euch beim Training helfen soll. Wir haben sie (indirekt) von Birgit Laser gelernt, die diese Übung immer wieder Anfängern auf ihrer Katzenclicker Mailingliste nahelegt. Besonders hilfreich sollte die Übung beim Training von unerfahrenen und/oder besonders gefräßigen Katzen sein 😀

Weg vom Futter

Beim Clickertraining haben wir manchmal das Problem, dass unser Trainingsobjekt wenig Interesse daran zeigt, sich Clicks und Leckerlies zu verdienen. Vielmehr versucht die Katze, die Leckerlies gleich direkt aus dem Futterbeutel oder der Dose zu stibitzen. Aus Sicht der unerfahrenen Clickerkatze ist das verständlich – woher soll sie denn bitte wissen, dass sie sich, um an das Futter direkt vor ihrer Nase zu kommen, zum Beispiel hinlegen soll? Ist doch viel naheliegender, einfach zu der Dose hinzugehen und sich dort selbst zu bedienen (nicht zu vergessen, dass es auch einfacher ist 🙂 ). Dazu kommt noch, dass ältere Katzen, die gerade erst das Clickern lernen, in langen Jahren daran gewöhnt wurden, Leckerlis vor ihrer Nase sofort und ohne Leistung ihrerseits zu bekommen. Alles in allem gibt es Katzen, die sich, sobald sie die Leckerlis sehen und riechen, in erster Linie auf das Erbeuten dieser Leckerlis konzentrieren. Training ist so natürlich nicht wirklich möglich.

Wir haben zwei Möglichkeiten, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die erste Möglichkeit ist einfach, das Futter besser zu verstecken, so dass die Katze die Belohnung erst bemerkt, wenn sie diese auch tatsächlich bekommt. Zum Beispiel kann man dazu eine verschliessbare Futterdose verwenden, die man hinter dem Rücken versteckt. Gerade für den Anfang empfehlen wir üblicherweise diese Vorgangsweise. Die zweite Möglichkeit ist, der Katze durch Training beizubringen, dass in der Clickersituation Futter vor Ort ist, welches für die Katze aber trotzdem nicht direkt erreichbar ist.

Übung

Dazu gibt es eine nette Übung, die Birgit Laser Weg vom Futter nennt. Im Grunde geht es dabei darum, dass wir der Katze beibringen, sich in Geduld zu üben. Die Katze sieht das Futter, riecht das Futter, kann es aber nur erreichen, indem sie (eher unnatürlich für die Katze) vom Futter weggeht.

Wir nehmen eine Handvoll Leckerlis (optimalerweise welche, die intensiver riechen) in die linke Hand und setzen uns vor der Katze auf den Boden. Wir öffnen die linke Hand und präsentieren der Katze das Futter. Wenn die Katze auf das Futter zugeht, schliessen wir die Hand wieder, damit die Katze das Futter nicht erreicht. Als Alternative präsentieren wir die offene rechte Hand (in der wir aber kein Futter haben). Nun bekommt die Katze einen Click (wahrscheinlich einen Zungenclick, da ihr keine Hand freihaben werdet) und etwas Futter aus dem Fundus in der linken Hand, sobald sie sich in Richtung der leeren rechten Hand orientiert. Nach einigen Wiederholungen lernen die meisten Katzen schnell, dass die rechte Hand viel interessanter ist als die Linke, obwohl dort augenscheinlich kein Futter zu finden ist.

An dieser Stelle haben wir wieder ein (sehr kurzes) Video für euch vorbereitet. Dieses Mal haben wir auf einen Gastdarsteller zurückgegriffen, den Kater Brummel von Philipp’s Eltern.

Das Video ist leider spontan entstanden und zeigt keine optimale Ausführung dieser Übung (findet die Fehler 🙂 ), aber hoffentlich sollte es euch trotzdem einige Ideen geben, wie ihr euch das Weg vom Futter in der Praxis vorstellen könnt.

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11 Kommentare

Eingeordnet unter Übungen

11 Antworten zu “Übung: Weg vom Futter

  1. weazle

    Hmm, 2 Sachen, die ich jetzt vielleicht als „Fehler“ interpretieren würde:

    1. „Als Alternative präsentieren wir die offene rechte Hand“
    – die rechte Hand wird immer mit geschlossen, statt sie offen zu lassen?

    2. Keine Ahnung, obs direkt ein Fehler ist, aber Brummel ist auf die rechte Hand fixiert und bemerkt das Leckerli nicht, was mit der linken hat hingelegt wird ^^

    Freu mich auf neue Beiträge von euch 😀
    Habe zwar noch keine Katzen, mit denen ich üben kann, aber das ändert sich hoffentlich im nächsten Jahr ❤

    Das Thema interessiert mich trotzdem schon ungemein und ich finds toll, dass ihr dazu eure Erfahrungen/Übungen etc postet!

    Liebe Grüße,
    weazle

    • Danke für deinen Kommentar, weazle!

      Punkt 1 – hmm, ich würde das nicht so eng sehen. Ich glaube, beide Varianten (offene Hand und geschlossene Hand) sind ok.

      Punkt 2 – 🙂 das spricht eher dafür, dass Brummel eher neugierig als hungrig ist.

      Der größte Fehler in dem Video ist, dass ich ihm das Futter nach dem ersten Click aus Gewohnheit mit der rechten Hand gebe. Dadurch schaut Brummel natürlich gleich nochmal rechts nach, ob da noch Futter ist – aber das hat mit der Übung wenig zu tun, sondern nur damit, dass diese Hand gerade vorher tatsächlich noch Futter enthalten hat (und wahrscheinlich sogar noch danach riecht). Ich hätte das Futter wohl mit der Linken Hand austeilen müssen. Tja, das hab ich davon, Videos ohne vernünftiger Planung machen zu wollen.

      /philipp

  2. Hallo Julia, hallo Philipp,
    der „Fehler“ liegt meiner Meinung nach darin, dass die Übung für den Trainingsstand der Katze noch nicht geeignet ist (oder für den Charakter der Katze ungeeignet ist). Die Übung ist dafür da, den Drive zum Futter zu reduzieren – hier sitzt eine Katze, die sehr, sehr wenig Drive hat – ich würde bei einer Katze mit diesem Trainingsstand vorerst mal JEDE Aktivität (alles außer still sitzen) verstärken, bis die Katze mehr Freude am Mitmachen zeigt.
    Happy training,
    die Bina

    • Das wirkt in dem Video nur so 🙂 die Katze hat genug Drive, das kannst du mir glauben. Die wäre sicher ganz wunderbar zu trainieren. Das Problem war vor allem, dass er SOFORT gecheckt hat, dass er vom Futter auf der linken Seite eh nicht (direkt) was abbekommt, und von da weg war er tatsächlich eher neugierig was hier so abgeht.

      • Achja, du musst auch bedenken, dass Katzen beim Training eigentlich immer weitaus ruhiger und weniger enthusiastisch wirken als Hunde.

      • Hallo Philipp,
        Mein Kommentar war völlig wertfrei gemeint – und er sollte auf keinen Fall sagen, dass Brummel nicht wunderbar zu trainieren wäre/ist!
        ich bin davon ausgegangen, dass Du das absichtlich mit einer unbedarften Katze gemacht hast, wir also die allererste „Konfrontation“ mit dieser Übung sehen. Wenn Brummel die Übung schon kennt, dann ist das natürlich die Erklärung, warum es so aussieht, wie es aussieht. 🙂
        In dieser Momentaufnahme sieht es nicht so aus, als ob Brummel übermäßig drive hätte, aber vielleicht war er einfach nur gerade satt oder hatte gerade geschlafen? Man weiß es nie… 😉
        Happy training,
        Bina

  3. Ups, vergessen: Noch eine Anmerkung…
    Ich verfüttere niemals die Ablenkungsleckerli (linke Hand), denn das erhöht wieder das Interesse an der Ablenkung. Diese Leckerli werden nach dem Training weggeräumt und nicht verfüttert. Um die Geruchskontamination der nicht-Futter-Hand zu reduzieren, füttere ich die Leckerli, die als Verstärker dienen sollen, aus dem Mund – und das ist bei einem Anfänger immer etwas wesentlich höherwertiges als das, mit dem ich in der Hand ablenke.
    Happy training,
    Bina

  4. Pingback: Anonymous

  5. Hallo, das gleiche Problem mit dem „stibitzen“ habe ich mit meinem kleinen Kater auch…ist halt ein kleiner Nimmersatt 🙂 Ich werde Eure Übung mal nachvollziehen und schauen ob es bei mir klappt!

    Grüße und weiterhin viel Spaß!

  6. Silvana

    Hallo eine Frage: kann man gleichzeitig mit drei katzen irgendwie clickern? oder ist es besser am Anfang einzeln. Ich hab ja nur zwei Hände. 🙂 Und die drei Miezen sind gierig. Danke schon mal.

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