Schritt 7: Prompting

Und wieder einmal wünschen wir euch ein herzliches Willkommen zur vorletzten Einheit in unserem Clicker Tutorial. Diese Woche werden wir uns eine simple Variation des Capturings, wie wir es in der letzen Einheit gelernt haben, ansehen. Vor allem werden wir aber einen richtig coolen Trick lernen, nämlich auf Signal mit der Zunge über die Lippen zu schlecken.

Prompting


Die neue Technik, die wir diese Woche vorstellen, nennt sich Prompting. Das Grundprinzip dieser Technik ist wieder einmal sehr einfach erklärt: Grundsätzlich funktioniert Prompting genau wie Capturing, nur dass wir nicht geduldig darauf warten, dass die Katze das Verhalten von selbst anbietet, sondern einen Weg finden, das Verhalten explizit auszulösen. Klingt einfach? Ist es auch! Das Schwierige beim Prompting ist auch nicht wirklich die Durchführung des Trainings, sondern einen guten Prompt zu finden. Dieser sollte das gewünschte Verhalten natürlich zuverlässig auslösen, aber die Katze dabei nicht zu sehr ablenken.

Ein Beispiel für einen notorisch schlechten Prompt ist das Locken mit Futter. Nehmen wir an, ihr wollt das Komm! aus der letzten Einheit trainieren. Anstatt abzuwarten, dass eure Katze von selbst zu euch kommt, nehmt ihr ein Leckerli in die Hand und wedelt ein wenig damit. Tatsächlich kommt die Katze wie der Blitz angeschossen und ihr clickt. Klingt so weit ganz gut, oder? Nicht unbedingt. Leider ist es in diesem Szenario nämlich sehr wahrscheinlich, dass die Katze aus diesem Click gar nichts gelernt hat. Als sie angelaufen kam, war sie schon so auf das Leckerli fixiert, dass der Click im Hintergrundrauschen untergegangen ist.

Schleck!

Wie sieht nun aber ein guter Prompt aus? Dass wollen wir euch anhand des folgenden Tricks zeigen: Wir wollen trainieren, dass die Katze auf das verbale Signal Schleck! mit der Zunge über ihre Lippen fährt. Das ist nicht nur sehr herzig, sondern ist auch ein wunderbarer Trick zum Clickern lernen, da hier das richtige Timing und gute Beobachtung der Katze essentiell ist. Der Prompt für das Schleck! wird der Verzehr eines Leckerlis sein. Alle Katzen die wir kennen, schlecken nämlich ihre Lippen als Teil des Schluckvorgangs oder kurz danach zum sauber putzen. Angenehmerweise lenkt ein bereits gefressenes Leckerli auch nicht so ab, daher können wir diese Verhaltensweise durchaus als Prompt für uns nutzen und zwar folgendermaßen:

Wir beginnen die Übung mit einem einfachen Trick, den die Katze bereits kann, wie z.B. das Männchen. Für diesen Trick bekommt die Katze wie üblich einen Click und darauf folgend die Belohnung. Sobald die Belohnung verfüttert ist, müsst ihr die Katze nun ganz genau beobachten. Sobald die Zunge rauskommt zum Schlecken, kommt auch sofort ein Click und eine weitere Belohnung (bei der wieder geschleckt und geclickt wird). Wir können hier also quasi eine Endlosschleife von Clicks und Schlecks aufbauen, was bei diesem Trick sehr angenehm ist. Wenn die Katze aus irgendeinem Grund mal kein Schleck zeigt oder die Schleife aus einem anderen Grund abbricht, verlangen wir eben nochmal einen bereits bekannten Trick und starten so neu.

Nach einigen solchen Clicks, spätestens wenn ihr das Gefühl habt, dass die Katze mehr schleckt als noch zu Beginn, könnt ihr zum nächsten Schritt übergehen. Nun gibt es nur mehr einen Click für ein Schleck, das ausserhalb des normalen Schluckvorgangs kommt. Das heisst, ihr clickt nicht mehr, wenn die Katze einfach nur frisst und dabei schleckt, sondern wenn sie das Leckerli schluckt, kurz wartet und dann schleckt. Der wichtige Unterschied hier ist, dass die Katze dann das Verhalten explizit anbieten muss – sie schleckt nicht mehr einfach so (wie zu Beginn), sondern sie schleckt bewusst, weil sie sich dafür eine weitere Belohnung erhofft. Langsam könnt ihr dann auch die Zeit erhöhen, die zwischen Schlucken und Anbieten des neuen Schlecks liegen soll.

Wenn die Katze das Schleck schon konsequent nach dem Fressen anbietet, können wir zum letzten Schritt übergehen und ein verbales Signal einführen. Hier ist Timing, Beobachtung der Katze und Reaktion wieder ganz wichtig. Wenn ihr genau schaut, werdet ihr lernen zu erkennen, wann die Katze vorhat zu schlecken. In genau diesem Moment gebt ihr das Signal und clickt natürlich, wenn das Verhalten dann kommt. Wie immer geben wir zu Beginn das Signal nur zusätzlich und irgendwann gibt es dann nur mehr einen Click, wenn zuvor auch das Signal gegeben wurde.

Das Training zeigt euch Philipp mit Althira in einem Video vor:

Noch ein paar Tipps

  • In dieser Übung ist das Timing des Clicks das Allerwichtigste. Ihr müsst wirklich genau den Moment erwischen, in dem die Katze schleckt und das dauert nur einen Sekundenbruchteil. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid zu langsam, dann hilft euch vielleicht diese Übung hier .
  • Wie ihr auch in dem Video seht, erwischt auch Philipp bei Weitem nicht alle Schlecks von Althira. Wie immer gilt: Besser nicht, als falsch clicken. Und gerade zu Anfang ist es verdammt schwer zu sehen, wann die Katze schlecken will und entsprechend richtig zu clicken. Keine Angst, die Katze wird das Verhalten auch lernen, wenn ihr ab und an einen guten Schlecker verpasst.
  • Manche Arten von Belohnung eignen sich besser für diese Übung als andere. Als allgemeine Regel haben wir bei unseren Katzen gesehen, dass bei weichen Leckerlis besonders viel und bei Harten besonders wenig geschleckt wurde. Wir trainieren oft mit Katzen-Leberwurst (vergleichbare Snacks gibt’s aber auch in der Tierwarenhandlung). Für diese Übung waren wir davon aber nicht begeistert, da die Katzen bei Leberwurst so viel geschleckt und geputzt haben, dass das gezielte Clicken eines einzelnen Schlecks zu schwierig war. Besser haben bei uns kleine Stückchen Katzensticks funktioniert. In dem Video hat Philipp Althira aber mit Trockenfutter trainiert.
  • Die Katze wird nicht unbedingt immer brav zu euch hinsehen, wenn sie schleckt. Wenn das Köpfchen gerade in eine andere Richtung zeigt, muss man genau hinhören und auf das entsprechende Schleck-Geräusch hin clicken. Später kann man dann fordern, dass nur Clicks mit Blick zum Menschen hin geclickt werden, aber für den Anfang ist das zu schwierig (wie immer gilt, nicht mehrere Kriterien auf einmal trainieren!).
  • Abschliessend sollte man vielleicht noch darauf hinweisen, dass dieser Trick natürlich schon deutlich fortgeschrittener ist, als die Tricks die wir bisher gelernt haben. Also nicht aufgeben, wenn es nicht gleich klappt. Ein paar Trainingseinheiten sind vollkommen normal!
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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Schritt 7: Prompting

  1. Juliane

    Liebe Julia & lieber Phillip,

    zu meiner großen Freude bin ich gerade auf Euren Blog getroffen. Ich wollte mich mal zum Thema Clickern mit Katzen schlau machen und wurde Dank Eures tollem Tutorials perfekt informiert!
    Habt Ihr richtig gut erklärt und toll geschrieben mit superschönen Fotos dazu.

    Nach der Lektüre Eures Berichts kann ich es kaum erwarten mit meiner Katze das Clickern zu beginnen…

    Ganz liebe Grüße aus Düsseldorf.
    Eure Jule

  2. Claudia

    Hallo!

    Auf der Suche nach einem gut erklärten Video übers Clickern mit Katzen bin ich auf diese Seiten gestoßen……ein dickes Lob dafür.
    Ich habe direkt mit unsere Katze angefangen……schön Schritt für Schritt, wie Ihr es erklärt habt……mittlerweile kann sie „Männchen machen“ „Dreh Dich“ und sie muss sich immer erst hinsetzen bevor es Futter im Napf gibt….das klappt alles wunderbar. Und es scheint ihr auch Spaß zu machen. Denn wenn sie sieht das ich ihr Leckerchen fertig mache und den Clicker nehme rennt sie schon ins Wohnzimmer und wartet auf mich 🙂
    Als nächstes versuchen wir „gib Pfötchen“
    Lg Claudia

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