Schritt 6: Capturing

Willkommen zurück hier auf dem katzentraining Blog! Inzwischen solltet ihr bereits zwei der drei Basistechniken des Clickerns (Shaping und Targettraining) zumindest grundlegend beherrschen. Wenn euch diese beiden Begriffe noch nicht geläufig sind, dann ab zu Teil 2 dieses Tutorials, bevor ihr hier weitermacht :). In dieser Einheit werden wir nun auch noch die letzte grundlegende Technik kennenlernen, und zwar das Capturing (Einfangen) von Verhalten. Konzeptionell ist Capturing die bei weitem simpelste Trainingstechnik. Im Grunde genommen bestätigen wir bei dieser Technik einfach nur Verhalten, dass die Katze ohnehin von sich aus anbietet. Capturing bietet sich an, bestimmte natürliche Verhaltensweisen der Katze, die wir süß oder nützlich finden, aber nie im Training gezeigt werden, trotzdem auf Signal abrufbar zu machen.

In dieser Einheit werden wir Capturing benutzen, um der Katze einen absolut nützlichen Trick beizubringen und zwar das verlässliche Kommen auf Zuruf. Das Ziel ist also, dass eure Katze, wann immer ihr sie auf eine bestimmte Weise ruft, angelaufen kommt, egal was sie vorher gerade gemacht hat. Die Betonung liegt hier bewusst auf ‚auf eine bestimmte Weise‘. Die Katze soll natürlich nicht bei jeder beiläufigen Nennung ihres Namens angeschossen kommen, vielmehr sollte es ein bestimmtes Signal geben, welches der Katze sagt, dass sie jetzt wirklich kommen soll.

Mit Capturing trainieren

Wie gesagt, die Theorie des Capturings ist extrem einfach. Ihr bewaffnet euch mit Clicker und Leckerlis, wartet bis die Katze das erhoffte Verhalten zeigt und belohnt es. Die Praxis ist leider etwas schwieriger, da euer Kätzchen euch wohl kaum den Gefallen tun wird, das erhoffte Verhalten gerade dann zu zeigen, wenn ihr capturen wollt. Geduld und Aufmerksamkeit sind hier also die zwei wichtigsten Eigenschaften des Trainers 🙂

Wie das konkret aussehen kann, zeigen wir euch jetzt an Hand der Komm Übung.

Bewaffnet euch mit Clicker und Leckerlis, die ihr einstecken könnt. Danach macht ihr erstmal – nichts. Setzt euch auf’s Sofa, geht fernsehen oder lest ein Buch. Auf jeden Fall wird (wahrscheinlich sehr zur Enttäuschung der Miez) nicht geclickert. Vermutlich wird sie nun einige Sekunden oder Minuten (je nach Geduld) um euch herumwedeln, in der Hoffnung, dass nun doch die erwartete Trainingseinheit folgt. Sie wird aber irgendwann aufgeben und ihrer Wege gehen. Nun ist eure Aufgabe, die Katze möglichst unauffällig zu beobachten (wenn ihr sie denn überhaupt noch seht), denn ihr solltet den Moment erwischen, in dem die Katze von sich aus wieder zu euch kommen möchte (z.B. um gestreichelt zu werden oder auch bloss um zu sehen, was ihr treibt). Wenn die Katze nun also mehr oder weniger zufällig auf euch zukommt, clickt und belohnt ihr. Wiederholt diese Übung einige Male, gerne auch verteilt über mehrere Tage, bis ihr das Gefühl bekommt, dass eure Katze beginnt, recht oft zufällig bei euch vorbeizuschlendern.

Unsere Erfahrung ist, das Katzen, wenn sie das erste Mal mit Capturing trainiert werden, anfangs reichlich verwirrt wirken. Schliesslich kennen sie Clickern nur so, dass sie etwas (bewusst) machen und dafür Clicks und Belohnung bekommen. Capturing wirkt aber so, als bekäme sie einen Click geschenkt. Aber an Geschenke gewöhnen sich unsere Mietzen normalerweise ja recht flott 🙂

Beim Capturing kann es es vorkommen, dass die Katze andauernd (auch wenn ihr gerade etwas ganz anderes macht) in euer Blickfeld wandert, um mit forderndem Blick das Verhalten zu zeigen. Im Fall des Komm Tricks,  kann das z.B. heißen, dass eure Katze ständig verschwindet, nur um eine Minute später wieder auf euch zuzulaufen. Der amerikanische Trainer Gary Wilkes nennt das throwing the behavior at you. Der Grund für dieses Phänomen, das wir beim Shaping in dieser Form nicht kennen, ist wahrscheinlich Folgender: Capturing passiert normalerweise nicht in einer definierten Clicker-Trainingseinheit mit klarem Beginn und Ende, sondern zu, für die Katze nicht berechenbaren Zeiten. Daher ist der Katze auch nicht klar, wann es etwas bringt das Verhalten zu zeigen und wann nicht. Vorsichtshalber zeigt die Katze das Verhalten also einfach andauernd. Spätestens wenn die Katze beginnt, dieses Eigenart an den Tag zu legen, ist es an der Zeit zum nächsten Schritt weiterzugehen und der Katze beizubringen, wann das Verhalten erwünscht ist und wann nicht. Wir führen also ein verbales Signal für das Verhalten ein.

Ein verbales Signal für Komm einführen

Das Training des Signals funktioniert nach den Prinzipien, die wir schon in der letzten Einheit kennengelernt haben.

Beginnt damit, ein klar definiertes Signal, z.B. <Katzenname>, Koooomm! zu geben während die Katze schon auf dem Weg zu euch ist. Graduell gebt ihr das Signal dann immer früher während des Verhaltens. Da die Katze bisher noch kein Signal hat, das ihr verrät, wann sie das Verhalten zeigen soll, wird sie das verbale Signal schnell mit dem Verhalten verbinden. Ab dann gibt es nur mehr Click und Leckerli, wenn die Katze auf Zuruf kommt, und nicht mehr, wenn sie unaufgefordert vorbeischlendert. Dann wird sich das Verhalten der Katze auch schnell wieder normalisieren, sprich: Sie wird aufhören, dieses Verhalten andauernd anzubieten, da sie ja weiss, dass es nur eine Belohnung gibt, wenn sie auch gerufen wurde.

Damit sollte eure Katze bald brav auf Signal zu euch kommen und euch ist der Neid hunderter anderer Katzenhalter sicher :). Allerdings wollen wir euch noch einige Regeln mit auf den Weg geben, damit die Katze auch in einigen Monaten noch auf ihr Komm Signal hört.

  • Wie jeder andere Trick, muss auch das Komm zumindest gelegentlich geübt werden. Wir empfehlen euch, einmal pro Tag die Katze auf diese Weise abzurufen. Dadurch bleibt das Verhalten präsent und ist einsatzbereit, wenn ihr es einmal dringend braucht.
  • Natürlich erwartet sich die Katze auch bei Komm eine Belohnung, also auf keinen Fall rufen und wenn sie dann kommt, ignorieren oder gar weggehen. Es muss nicht immer ein Leckerli sein, aber zumindest ein paar freundliche Worte oder Streicheleinheiten (und gelegentlich ein Leckerli) sollten schon drin sein, wenn die Katze brav kommt.
  • Aus einem ähnlichen Grund solltet ihr, auch wenn es verlockend ist, die Katze möglichst nie rufen, wenn danach etwas für die Katze Unerfreuliches folgt. Ihr meint es vielleicht gut, aber de facto bestraft ihr damit die Katze dafür, dass sie ihr Verhalten so schön gezeigt hat. Wenn ihr etwas Negatives vorhabt, ist es immer besser, die Katze explizit zu holen, anstatt sie zu rufen.
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3 Kommentare

Eingeordnet unter Tutorial

3 Antworten zu “Schritt 6: Capturing

  1. katscheski

    Und wieder ne leicht verständliche Beschreibung mit sehr anschaulichen Tipps! Gut gemacht! Die Einheit können wir getrost überspringen – Krümeline kommt auf Handzeichen und Zuruf sehr zuverlässig 😀 Im Moment pausieren wir leider mit dem Clickern weil ich ihre tägliche Leckerchen-Ration für das Verabreichen von Augentropfen drauf geht. :/ Ich hoffe die Bindehautentzündung haben wir bald überstanden, NOCH nimmt sie uns das Verabreichen zum Glück nicht übel und ihr Hunger kommt auch wieder zurück. Die letzten zwei Tage wollte sie fast gar nichts haben, ich glaub die Entzündung hat ihr doch mehr zugesetzt als sie gezeigt hat.
    Schade dass wir nur so langsam aufholen, Mensch!

  2. Ohh … gute Besserung an Krümeline. Wenn ihr dann wieder clickern könnt, könntet ihr anstatt ‚Komm‘ ja irgendetwas anderes capturen – so wie z.B. ‚Putz‘ (Katze leckt sich über die Pfote). Das ist auch sehr süß, und relativ einfach einzufangen. Im Prinzip geht’s bei den ganzen Tutorial-Uebungen ja nicht so sehr um den Trick, sondern eher darum, die entsprechenden Techniken zu lernen …

  3. Francisca

    Hallo,
    vielen Dank erstmal für dieses Tutorial – ist wirklich ganz ganz super! Ich habe eine Frage zum Capturing und zwar:
    Mein Kater (Dexter) kommt eigtl schon ohne Training in 80% der Fälle wenn ich rufe „Dexi kooooomm!“ .. Also auch ohne Click und ohne Belohnung. Sollte ich dann für diese Übung ein anderes Signal auswählen? Oder das alte? Da ich ihn oft rufe zum Reinkommen müsste ich ihm da dann ja ab jetzt immer eine Belohnung und einen Click geben damit es dann immer funktioniert oder?
    Ganz liebe Grüße und vielen Dank!
    Francisca

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