Schritt 3: Targettraining

Und, habt ihr den Trick mit dem Shaping schon heraus? Habt ihr vielleicht auch schon die ersten Tricks geshaped oder es zumindest versucht? Toll! Dann habt ihr wahrscheinlich schon bemerkt, dass Shaping zwar ein sehr hilfreiches Trainingswerkzeug ist, aber manchmal ist der Fortschritt damit auch ein wenig – sagen wir einmal – behäbig. Immerhin müssen wir immer darauf hoffen, dass die Katze von selbst auf den nächsten Schritt kommt. Vielleicht habt ihr in der letzten Übung selbst erlebt, dass die Katze nicht und nicht diesen einen letzten Schritt auf die Decke machen möchte, sondern lieber davor sitzen bleibt und sich putzt. In dieser Situation neigt man als ungeduldiger Mensch oft dazu, die Nerven wegzuschmeissen und die Katze z.B. mit Futter auf die Decke zu locken (baiting). Kurzfristig wird man mit dieser Methode auch Erfolg haben (die Katze geht wahrscheinlich brav auf die Decke), aber leider ist das Einzige was die Katze daraus lernt, dass sie eine Belohnung bekommt, wenn sie zum Futter hinläuft. Dass sie dabei auch auf die Decke gegangen ist, nimmt sie wahrscheinlich gar nicht war, dazu ist der Reiz des Futters einfach zu gross. Der Lerneffekt für die Katze ist also quasi null.

Trotzdem bleibt natürlich die Frage, ob es denn nicht eine Möglichkeit gibt, die Katze etwas mehr zu lenken, als wir dies beim reinen Shaping tun. Zu diesem Zweck haben schlaue (Delfin-)Trainer eine wunderbare Technik entwickelt – das Targettraining. Beim Targettraining lernt die Katze, dass sie ein bestimmtes Ziel (Target) immer mit einem bestimmten Körperteil berühren muss. Mit diesem Target können wir die Katze dann also z.B. an einen bestimmten Ort lenken oder sie zu bestimmten Bewegungen animieren. Viele, wenn nicht die meisten, Tricks können wir mit Targettraining schneller trainieren, als mit reinem Shaping.

Der Targetstab

Im Folgenden wollen wir ein Nasentarget trainieren. Die Katze soll das Ziel also immer mit der Nase berühren. Als Target verwenden wir im Katzentraining meistens einen kurzen Stab, optimalerweise mit einer klar unterscheidbaren Spitze. Wir erhoffen uns von der Katze, dass sie in jeder Situation versucht, ihr Näschen an die Spitze des Stabs zu halten. Dies sollte die Katze tun, auch wenn sie sich dazu strecken oder ducken muss. Wenn unsere Katze dieses Verhalten erstmal verinnerlicht hat, können wir das Target benutzen, um die Katze (völlig gewaltfrei!) zu lenken.

Wie sieht denn ein Targetstab nun aus? Nun, manche Clicker haben schon einen passenden Stab eingebaut, so wie ihr es im Bild oben seht. Alternativ könnt ihr natürlich auch einen eigenen Stab (Stift, Kochlöffel, usw.) verwenden, bedenkt aber, dass das Halten des Tagetstabs in Kombination mit dem Clicker etwas schwieriger ist.  Wir empfehlen, dass ihr den Stab in der Clicker-Hand haltet – so wie in dem Bild unten gezeigt -damit ihr die andere Hand frei habt zum Austeilen des primären Verstärkers. Achtet auch bitte darauf, dass wenn ihr clickt nicht zu sehr die Vibrationen auf das Target zu übertragen, da dass für die Katze unangenehm sein kann. Legt am besten einen Finger dazwischen. Die Verwendung eines solchen Targetstabs erfordert vielleicht zu Beginn etwas Übung, da man oft den Eindruck hat, dass man eigentlich drei Hände bräuchte.

Training mit dem Targetstab

Und wie trainieren wir der Katze das oben geschilderte Verhalten am besten an? Genau so, wie wir es auch mit dem Geh auf die Decke in der letzten Einheit gehalten haben.

Zuerst werden Blicke und Annäherung an den Stab geclickt, dann kurze Berührungen. Wenn die Katze dieses Verhalten schon konsequent zeigt, können wir zusätzliche Kriterien einführen, wie z.B. dass die Nase eine Sekunde am Stab bleiben soll oder dass die Katze dem Target einige Schritte folgen muss. Achtet aber bitte wie immer darauf, es der Katze so einfach wie möglich zu machen. Eine wichtige Regel ist, nie mehr als ein neues Kriterium zugleich einzuführen. Konkret heisst das, dass ihr entweder eine längere Berührung oder eine Bewegung hin zum Target fordern dürft, aber nicht beides gleichzeitig. Erst wenn das Erste der neuen Kriterien super sitzt, könnt ihr auch das zweite Kriterium zusätzlich einfordern.

Bitte erwartet nicht, dass die Katze nach einer Einheit dem Stab wie festgeklebt folgt. Wie auch schon beim Geh auf die Decke wird es wahrscheinlich einige Einheiten dauern, bis die Katze konsequent auf den Stab zugeht. Eventuell hat sie zu Beginn sogar Angst vor dem Stab. Mit ausreichend Geduld lässt sich dies aber immer wegclickern. In so einem Fall muss man eben anfangs schon schüchterne Blicke aus der Ferne oder langsames Annähern clicken. Wie immer zeigt euch Philipp das Targettraining in einem kurzen Video, diesmal mit Althira und Minos.

Andere Targetarten

Im Katzentraining hat sich das Nasentarget, wie oben trainiert, bewährt. Es ist relativ leicht zu trainieren, da Katzen von Natur aus sehr neugierig sind und meist alles sofort erkunden. Es hilft uns Tricks wie Mach Männchen oder die Drehung um die eigene Achse (Spin) zu trainieren. In der nächsten Einheit werden wir dann auch sehen, wie man mit einem Targetstab einen konkreten Trick (Mach Männchen) trainiert. Für manche Tricks sind aber auch andere Targets hilfreich. Ein Pfotentarget (Berührung mit einer oder mehreren Pfoten) hilft uns bei manchen schwierigen Tricks, die die Katze in einer bestimmten Position erfordern. Vereinzelt mögen auch ganz andere Targets behilflich sein, so wie ein Hinterntarget (auf das sich die Katze setzen muss). Alle diese anderen Spielarten werden prinzipiell ganz gleich trainiert wie das Nasentarget. Selbstverständlich ist es aber nicht sehr zielführend, alle diese exotischen Targets gleich jetzt auf Verdacht zu trainieren, sondern erst in Kombination mit dem Trick. Fürs Erste reicht uns das Nasentarget völlig aus.

Hintergrund

In manchen Lehrbüchern zu diesem Thema, wird zwischen zwei Formen des Shapings unterschieden und zwar dem Free-Shaping und dem Shaping. Unter Free-Shaping fällt das Training der letzten Einheit: Die Katze entscheidet selbst, ohne besondere Beeinflussung von Aussen, welche Verhalten sie anbietet. Die einzige Steuerung ist dabei die Verstärkung (das Clicken). Beim normalen Shaping sieht man das nicht so streng, da darf der Katze schon mal einen Hinweis auf das erwartete Verhalten bekommen, eben zum Beispiel mit dem Targetstab. Für das praktische Training ist dieser eher semantische Unterschied aber nicht so wichtig. Es gilt ohnehin die Grundregel: Erlaubt ist was funktioniert.

Tutorial-Überblick

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Schritt 3: Targettraining

  1. Pingback: Katzenjammer auf VOX - Seite 79 - Katzen Forum

  2. Anne

    Hallo Leute habe heute für unseren Kater einen Clicker gekauft und auch schon die erste Trainingseinheit haben wir hinter uns gebracht. Nun ist meine frage an euch wie lange sollte eine Einheit gehen bis man zur zweiten Trainingseinheit (z.b. Shaping) beginnt eine Woche oder ein paar Tage ?!

  3. Karense

    Vielen Dank für die tolle Seite! Hab seit gestern mit dem Training begonnen, und beide Katzen haben viel Spaß dran (ich hab mit dem Training vor allem angefangen, um die Alltags-Langeweile der Katzen zu durchbrechen…). Besonders die große der beiden ist mit vollem Eifer dabei – und läuft bereits emsig auf’s Handtuch, um Leckerlis abzustauben! Vielen Dank nochmal für die sehr guten Beschreibungen – ich bin durch Zufall hier hergekommen, hab von „Clicker-Training“ zuvor noch gar nichts gehört und es einfach ausprobiert… tolle Sache! 🙂

  4. Maria

    Hallo, ich habe mit meinem Kater mit der ersten Einheit abgeschlossen. Habe allerdings einen Clicker ohne Targetstab, und nun meine Frage: Macht es Sinn, nun noch auf einen anderen Clicker umzusteigen? Dazu müsste ich die Konditionierung mit dem neuen Clicker (neuen Geräusch) wahrscheinlich teilweise nachholen oder? Wie ist eure Erfahrung mit Clicker und Stab einzeln halten?
    Mit lieben Grüßen,
    Maria

  5. Maria

    Noch eine Frage: Wenn ich bei meinem Clicker bleibe, und den Targetstick extra dazu hole, woher bekomme ich den denn? Bzw. kann ich mir den selber basteln (z.B. Stricknadel mit Perle vorne) oder ist das zu instabil?

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