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Trick: Der Sprung durch den Reifen

Diese Woche stellen wir hier mit dem Sprung durch den Reifen wieder einmal einen sehr schönen Trick vor, den ihr nachtrainieren könnt. Dieser Trick eignet sich besonders gut dazu, eine aktive Katze (wie unseren Minos) so richtig auszupowern. Nicht zu vergessen ist auch, dass der Trick sich wunderbar eignet, um vor Freunden anzugeben :) Katzen, die durch Reifen springen, kennen die Meisten schliesslich nur aus dem Zirkus. Man muss ja nicht dazusagen, dass der Sprung durch den Reifen (zumindest in moderater Höhe)  im Prinzip ein sehr einfacher Trick ist, den man eigentlich jeder halbwegs vitalen Katze recht einfach beibringen kann…

Voraussetzungen

Um mit dem Training für diesen Trick zu beginnen, sollte eure Katze zumindest das Nasentarget kennen und ihr als Trainer solltet mit den Grundlagen des Shapings vertraut sein. Diese beiden Techniken werden wir für das Training dieses Tricks verwenden. Ausserdem ist es auch hilfreich, wenn ihr wisst, wie man den Targetstab später wieder abbaut. Das haben wir in dieser Übung diskutiert.

Logischerweise brauchen wir, um den Sprung durch den Reifen zu trainieren, auch einen Reifen passender Größe. Wir verwenden eine handelsübliche runde Kuchenbackform mit abnehmbarem Boden (z.B. sowas hier). Den Durchmesser solltet ihr natürlich an die Katze anpassen. Je größer der Durchmesser des Rings im Vergleich zum Durchmesser der Katze ist, umso leichter wird der Katze der Sprung fallen. Anfangs solltet ihr im Zweifel also eher einen größeren Ring wählen.

Den Sprung Shapen

Wie oben erwähnt, shapen wir den Sprung mit Hilfe eines Nasentargets.

Anfangs stellen wir den Ring vertikal auf den Boden und lotsen die Katze mit Hilfe des Targetstabs durch den Ring. Einen Click bekommt die Katze immer, wenn sie sich gerade mitten im Ring oder auf dem Weg durch den Ring hindurch befindet. Das Leckerli füttern wir so, dass die Katze danach gleich wieder in Position ist, den Ring in die andere Richtung zu durchqueren. Anfangs wird die Katze den Ring vielleicht noch furchterregend oder eigenartig finden, doch nach ein paar Wiederholungen wird sie sicher und flott durch den Ring durchhuschen (ansonsten ist der Ring eventuell zu klein). Nun beginnen wir, in kleinen Schritten den Ring immer mehr vom Boden zu heben. Anfangs wird die Katze keinen Unterschied merken, aber nach ein paar Wiederholungen muss sie nun schon ein bisschen höher steigen, um den unteren Rand des Rings zu übersteigen. Irgendwann muss sie tatsächlich springen, um durch den Ring (und nicht etwa untendurch) zum Target zu gelangen. Selbstverständlich bekommt die Katze nur einen Click, wenn sie den Ring auf dem Weg zum Target nicht umgeht, und ebenso selbstverständlich clicken wir weiterhin, während die Katze gerade durch den Reifen springt (und nicht danach).

Wenn die Katze konsequent durch den Reifen springt, bauen wir den Targetstab ab und steigen auf ein Handzeichen um. Wir verwenden als Handzeichen einen Fingerzeig auf der anderen Seite des Reifens (seht euch das Ende des Videos unten an, um zu sehen, was wir meinen). Wie immer solltet ihr, während ihr den Targetstab abbaut, die anderen Kriterien reduzieren – in diesem Fall solltet ihr den Ring also nicht zu hoch halten, während die Katze noch unsicher mit dem neuen Zeichen ist.

Diesen Trick zeigt unser Spezialist für aktive Übungen – Kater Minos – vor:

Variationen

Am Ende des Videos oben seht ihr auch eine sehr schöne Variation des Sprungs durch den Reifen. Hier springt Minos – ganz athletisch – durch den Reifen vom Kasten zum Kratzbaum und umgekehrt. Sitzt der Reifensprung erst einmal, ist so eine Erweiterung nicht mehr sehr schwierig zu trainieren (und sieht ganz wunderbar spektakulär aus). Eine Warnung allerdings: Bevor ihr diesen Trick versucht, müsst ihr eure Katze zuerst in einem normalen Sprung genau beobachten und dann den Ring direkt in die Flugbahn halten. Wir wollen ja nicht, dass das Kätzchen abstürzt (aber keine Angst, normalerweise wird die Katze den Sprung einfach verweigern, wenn ihr den Ring nicht passend haltet – die ist ja auch nicht doof :D)!

Eine zweite Variation dieses Tricks ist es, den Ring (wie im Zirkus) mit einem leicht reissenden Papier (zum Beispiel Toilettenpapier) zu überkleben, und die Katze springt dann durch das Papier durch (TATA!). Leider ist dieser Trick etwas mühsam in der Vorbereitung, da ihr (aus offensichtlichen Gründen) euren Reifen nach jeder Ausführung wieder neu vorbereiten müsst. Als kleine Anregung zeigen wir euch zum Abschluss ein Video, wo ein Hund diesen Trick lernt:

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Trick: Gib Pfote!

Diese Woche gibt es in diesem Blog einmal wieder eine Anleitung für einen Trick und zwar dem allseits beliebten Gib Pfote!. Dabei halten wir die flache Hand ungefähr auf Schulterhöhe der Katze hin und sie soll ihre Pfote auf unsere Hand legen. Dieser Trick ist flott zu trainieren und kann auch als Basis für späteres Medical Training (zum Beispiel um die Pfote zu untersuchen) dienen. Ausserdem könnten wir basierend auf dem Gib Pfote! später auch ein Schlag ein!  trainieren.

Gib Pfote

Für diesen Trick gibt es kaum Vorbedingungen. Im Prinzip können wir ihn mit jeder Katze trainieren, die zumindest die Basiskonditionierung auf den Clicker durchlaufen hat (wie hier beschrieben). Gib Pfote! eignet sich auch für Anfänger (Katzen wie Trainer :) ). Wir werden den Trick im Folgenden rein über Shaping trainieren. Ihr solltet also zumindest diese Basistechnik kennen, um den Trick zu trainieren.

Wir shapen den Trick in einigen wenigen Schritten. Anfangs legen wir die Hand dazu direkt neben der Pfote flach auf den Boden, am Besten so, dass die Katze auch mitbekommt, was wir da treiben. Dann clicken wir, wie immer, schon schnelle Blicke auf die Hand hin oder erste Bewegungen zur Hand. Der zweite Schritt ist dann wahrscheinlich ein Schnuppern an der Hand. Nun ist es wichtig, den Moment zu erwischen, in dem die Katze in der Nähe der Hand erstmals die Pfote hebt. Wenn wir diesen Moment richtig clicken, dauert es sicher nicht mehr lange, bis unsere Miez ihre Pfote erstmals vorsichtig in die Nähe der Hand bewegt (click!). Als nächsten Schritt fordern wir dann eine sanfte Berührung der Hand mit der Pfote, nur für eine Zehntelsekunde. Danach beginnen wir, die Hand langsam vom Boden zu heben, bis die Katze unsere Hand auch 10cm über dem Boden berührt. Als letzten Schritt shapen wir nun die Zeit, die die Pfote in unserer Hand liegt. Unser Ziel ist, dass Miez ihre Pfote so lange in unserer Hand liegen lässt, bis wir clicken (auch wenn wir uns einige Sekunden Zeit lassen). Erwartet aber wie immer anfangs nicht zu viel – eine halbe Sekunde Berührung ist für eine schüchterne Katze schon toll!

Philipp demonstriert das Training dieses Tricks nun mit Althira:

Variationen

Wenn euch die Basisversion dieses Tricks zu langweilig wird, könntet ihr folgende Varianten probieren:

  • Linke Pfote / Rechte Pfote – Ihr haltet die linke Hand hin und die Katze gibt die linke Pfote; wenn ihr die rechte Hand hinhaltet, gibt die Katze die rechte Pfote.
  • Pfote untersuchen – Wie oben schon beschrieben, ist Pfote untersuchen eine Standardübung im Medical Training. Dabei darf die Katze ihre Pfote nicht zurückziehen, auch wenn sie sanft gedreht oder ansonsten etwas bewegt wird. Das ist auch hilfreich, wenn ihr die Krallen der Mieze kürzen wollt.

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Trainingstheorie: Wie man unerwünschtes Verhalten abtrainieren (könnte)

In diesem Artikel werden wir etwas Abstand vom (reinen) Clickertraining gewinnen und einen kleinen Ausflug in die Erziehung von Katzen ganz Allgemein machen. Genauer gesagt, wollen wir an dieser Stelle die acht prinzipiellen Arten vorstellen, wie wir mit unerwünschtem Verhalten bei unseren Mietzen umgehen können. Der folgende Artikel ist stark angelehnt an einen (englischsprachigen) Artikel von Karen Pryor, welcher wiederum auf Karen’s ausgezeichnetem Buch “Positiv bestärken – sanft erziehen: Die verblüffende Methode, nicht nur für Hunde” (Originaltitel: “Don’t Shoot the Dog! The New Art of Teaching and Training”) basiert. Mehr Details zu den folgenden Themen findet ihr in eben diesen Originalquellen.

Egal um welches unerwünschte Verhalten es geht, wir haben im Prinzip acht grobe Kategorien von Methoden, wie wir mit dem unerwünschten Verhalten umgehen können. Da Karen Pryor eine starke Proponentin von positiven Trainingsmethoden ist, hat sie die Liste in 4 gute und 4 böse Feen eingeteilt :D. Es sei dem Leser überlassen, zu überlegen, was die guten und was die bösen Feen dabei sind.

‘Shoot The Cat’

In diese Kategorie fällt (neben dem Abgeben der Katze) auch alles, was dem Tier die grundsätzliche Möglichkeit nimmt, das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Wenn z.B. die Katze auf den Tisch springt, um von euren Steaks zu naschen und ihr sperrt sie daher während dem Essen aus dem Zimmer, fällt das auch in diese Kategorie.
  • Vorteil: Funktioniert immer, garantiert.
  • Nachteil: Die Katze lernt in Wahrheit nichts. Wenn ihr die Katze ein Jahr lang konsequent beim Essen aussperrt und danach wieder reinlässt, habt ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort wieder das alte Problem. Hier findet also kein Lernprozess im eigentlichen Sinn statt, sondern nur Symptombekämpfung.

Bestrafen

Für Viele (leider) immer noch die Erziehungsmethode schlechthin, obwohl sie nachgewiesenerweise selten funktioniert (dazu sind Verhalten und Strafe meistens einfach zu sehr entkoppelt). Im Allgemeinen ist der einzige Effekt von Strafen, dass sich der Bestrafer danach besser (sprich weniger ohnmächtig) fühlt.
  • Vorteil: Eigentlich keine die wir sehen würden.
  • Nachteil: Bestrafen, so dass es etwas bringt, ist richtig schwierig. Falsch bestrafen ist einfach, zerstört aber sehr, sehr leicht die Beziehung zur Katze.

Negative Verstärkung

Diese Methode wirkt auf den ersten Blick für viele ähnlich wie bestrafen, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Bei negativer Verstärkung gibt es zuerst einen negativen Reiz, der entfernt wird, sobald das Tier das gewünschte Verhalten zeigt bzw. wenn es aufhört, das unerwünschte Verhalten zu zeigen. Würgehalsbänder für Hunde funktionieren nach diesem Prinzip. Im Gegensatz zur Bestrafung hat das Tier hier tatsächlich einen Anreiz, sein Verhalten zu ändern. Sonderlich nett ist die Methode aber natürlich trotzdem nicht.
  • Vorteil: Funktioniert im Gegensatz zur Bestrafung wirklich, zumindest wenn die Technik richtig verwendet wird. Pferde werden seit Jahrhunderten so trainiert und geritten (auch wenn in diesem Bereich in letzter Zeit des öfteren der Clicker und positive Trainingsmethoden zum Einsatz kommen).
  • Nachteil: Auch hier kann falsche Anwendung die Beziehung zur Katze grundlegend zerstören. Ausserdem muss das Timing sehr gut sein, was die Trainingsmethode in der Katzenerziehung für die allermeisten typischen Probleme recht ungeeignet macht.

Löschen

Das Verhalten auslöschen (lassen), entweder durch bewusstes Training oder weil das Verhalten von selbst aufhört. Die meisten Probleme mit Kitten hören z.B. von selbst auf, wenn sie älter werden.
  • Vorteil: Bei vielen altersbedingten Problemen ist Aussitzen die beste und einfachste Möglichkeit für alle Beteiligten, vor allem kombiniert mit der ersten Methode (alles wegräumen, dann kann das Kitten nichts kaputt machen und irgendwann wächst es aus der schwierigen Kitten-Phase ohnehin raus). Mit dem Clicker kann man das Löschen mancher Verhalten beschleunigen.
  • Nachteil: Natürlich verschwinden nicht alle problematischen Verhalten von selbst. Dann kann man zwar immer noch bewusst das Löschen trainieren, was sich aber manchmal etwas schwierig gestaltet (vor allem, wenn das Verhalten selbstbestärkend ist).

Ein inkompatibles Verhalten trainieren

Wenn eine Katze trainiert ist, auf Signal auf einer Decke zu bleiben, kann sie nicht gleichzeitig ein Steak vom Tisch stehlen. Dieses alternative Verhalten kann man natürlich bestens mit dem Clicker trainieren.
  • Vorteil: Man findet für fast alle unerwünschten Verhaltensweisen ein inkompatibles Verhalten. Die Methode ist also ziemlich generisch.
  • Nachteil: Erstens muss man natürlich in der Lage sein, die Alternative zu trainieren. Zweitens muss das alternative Verhalten für die Katze mindestens ebenso belohnend sein, wie das unerwünschte Verhalten. Keine Katze bleibt eine halbe Stunde während dem Essen ruhig auf der Decke liegen und schaut beim Steakessen zu, wenn die Belohnung nicht auch angemessen ist.

Das unerwünschte Verhalten unter Signalkontrolle bringen

Hier wird das unerwünschte Verhalten explizit trainiert. Klingt komisch, ist aber so. Die grundsätzliche Idee ist bei dieser Methode, dass Katzen Verhalten, das sie im Rahmen des Clickertrainings auf Signal auszuführen lernen, meist nicht mehr ohne Signal zeigen (man nennt dies ‘das Verhalten unter Signalkontrolle bringen’).
  • Vorteil: Ein gangbarer und positiver Weg, wenn man Erfahrung im Training hat.
  • Nachteil: Während des Trainings (also so lange das Verhalten noch nicht unter Signalkontrolle ist) verstärkt man damit das unerwünschte Verhalten sogar noch. Wenn man es nicht schafft, das Verhalten komplett unter Kontrolle zu bringen, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem sogar noch verschlimmern.

Die Abwesenheit des unerwünschten Verhaltens positiv verstärken

Anstatt die Katze zu massregeln, wenn sie beim Essen auf den Tisch spring, wird belohnt, wenn sie untenbleibt. Wichtig hier ist, dass anfangs sehr viel und stark belohnt wird (schliesslich sollte die Katze keinen unmittelbaren Anreiz haben, sofort über die Steaks herzufallen – die Katze sollte also den Eindruck haben, dass sich Untenbleiben unmittelbar mehr auszahlt, als die Steaks zu erbeuten). Die Frequenz der Belohnung kann dann über die Zeit aber langsam zurückgefahren werden. Irgendeinen Anreiz sollte es aber dauerhaft geben, brav zu bleiben.
  • Vorteil: Funktioniert und ist sogar relativ einfach zu trainieren. Im Gegensatz zur negativen Verstärkung, gibt es auch kein Risiko, dass die Katze diese Art des Trainings übel nimmt.
  • Nachteil: Keine Besonderen, ausser dass man die Katze dauerhaft ein wenig belohnen muss. Das Training ist also kein Selbstläufer, das man einmal trainiert und dann nie wieder berücksichtigt.

Die Ursache des unerwünschten Verhaltens finden und eliminieren

Das ist quasi die Königsdisziplin der Verhaltensänderung. Hier ist das Ziel herauszufinden, warum die Katze das unerwünschte Verhalten zeigt, um im Anschluss die Motivation zu ändern. Warum ist die Katze so interessiert an den Steaks am Tisch? Hat sie starken Hunger? Vielleicht hilft es, die Katze zu füttern, bevor das eigene Mahl serviert wird.
  • Vorteil: Wenn man erst einmal herausgefunden hat, was ein Verhalten motiviert, ist es oft einfach, eine gute Lösung zu finden, aber …
  • Nachteil: … manchmal auch nicht. Oft weiss man genau, was die Katze motiviert, aber eine Lösung ist nicht zu finden, oder einfach nicht gangbar. Manchmal hat man auch schlicht keine Ahnung, was genau eine Katze zu bestimmten Taten treibt.

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Schritt 8: Eine Einfache Verhaltenskette

Ein letztes Mal Herzlich Willkommen zum Clicker Tutorial hier im katzentraining Blog. In dieser achten und letzten Einheit werden wir ein wichtiges, aber etwas fortgeschritteneres Thema diskutieren und zwar das Training sogenannter Verhaltensketten. Verhaltensketten liegen immer dann vor, wenn der Trick, den wir trainieren, nicht aus einer einzigen Handlung besteht, sondern aus einer ganzen Kette von unmittelbar aufeinanderfolgenden Handlungen. Zwischen den Einzelteilen der Verhaltenskette liegt kein Click. Das heisst, wir belohnen die Katze nur einmal für die Verhaltenskette als Ganzes, wenn sie alle Einzelteile erfolgreich absolviert hat.

Verhaltensketten erkennen

Soweit die Theorie. Wie muss man sich Verhaltensketten aber nun in der Praxis vorstellen? Grundsätzlich gibt es zwei Arten.

Da wären einerseits klassische Trick Parcours, in denen die Katze ähnlich dem Cat Agility eine, mehr oder weniger, lange Reihe an unabhängigen Verhalten (Slalom, Wippe, durch einen Reifen springen und so weiter) zeigt. Die Übungen in einem Trick Parcour zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie beliebig neu angeordnet und kombiniert werden können. Man kann also jederzeit z.B. die Wippe mit dem Slalom austauschen.

Andererseits  gibt es aber auch Verhaltensketten, die erst auf den zweiten Blick als Solche erkennbar sind. Dies sind komplexe Tricks, die wir während dem Training in kleine, einfachere Einzelverhalten zerlegen, die dann einfacher trainierbar sind. Ein Beispiel gefällig? Der Trick einen Ball apportieren besteht bei genauerer Betrachtung aus vielen einzelnen Handlungen: Dem Ball nachlaufen, den Ball mit dem Maul aufnehmen, mit dem Ball im Maul wieder zurückkommen (und den Ball dabei nicht fallenlassen), und den Ball auf Signal hin in die Hand des Menschen fallenlassen. Dieses komplexe Verhalten als Ganzes zu shapen ist fast aussichtslos. Sinnvoller ist es, jeden der Einzelschritte wie einen einzelnen Trick zu trainieren und die Einzelteile dann Stück für Stück wieder zusammen zu setzen.

Training von Verhaltensketten

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass sich das oben beschriebene Prinzip (ein komplexes Verhalten in einfachere Einzelschritte aufteilen) nicht gravierend vom allgemeinen Trainingsprinzip des Shapings, wie wir es in Schritt 2 beschrieben haben, unterscheidet. Tatsächlich ist das Grundprinzip sehr ähnlich, es gibt aber einen fundamentalen Unterschied: Während wir beim Shaping das Training mit dem ersten Schritt in die richtige Richtung beginnen und dann schrittweise immer mehr fordern, werden Verhaltensketten grundsätzlich von hinten trainiert. Wir trainieren also, wann immer das möglich ist, immer das letzte Verhalten in der Kette zuerst. Danach das Vorletzte und so weiter.

Das klingt anfangs unlogisch. Beim Training von einen Ball apportieren beginnen die allermeisten Trainer intuitiv damit, der Katze das Nachlaufen hinter dem Ball anzutrainieren. Das ist allerdings etwas ungeschickt, denn auf diese Weise werden die ersten Verhalten automatisch besser trainiert, während die Verhalten, die später kommen, immer weniger trainiert werden. Das heisst aber auch, dass die Verhaltenskette für die Katze immer schwieriger wird (jedes Verhalten in der Kette ist schlechter trainiert, als das Verhalten davor). In der Praxis hat es sich besser bewährt, wenn der unsicherste Trick in der Kette  ganz zu Beginn kommt und jedes weitere Verhalten in der Kette immer besser trainiert ist, als das Verhalten davor. Dadurch wird die Katze mit jedem Schritt in der Verhaltenskette sicherer, die größte Hürde wurde schon zu Beginn gemeistert.

Übung

Wie immer wollen wir das Grundprinzip einer Verhaltenskette am Beispiel eines kleinen Tricks demonstrieren. Für diesen ganz einfachen Parcour verwenden wir drei leere 0.5l Colaflaschen, ein Glöckchen, wie man es am Hals von bestimmten Schokoladenhasen findet und eine Stehleiter. Die Flaschen werden als improvisierte Slalomstangen dienen, die Stehleiter brauchen wir nur, um die Glocke mit einem Haken frei hängend daran befestigen zu können (wenn ihr das Glöckchen woanders leichter anbringen könnt, macht das ruhig :)). Unser Ziel für den Trick ist, dass die Katze im Slalom um die Stangen läuft (Verhalten Nr. 1) und danach mit Pfote oder Nase die hängende Glocke läutet (Verhalten Nr. 2).

Wie oben beschrieben, beginnen wir das Training der Verhaltenskette mit dem zweiten Verhalten. Als Erstes shapen wir also das Läuten der Glocke. Für eure nun schon etwas clicker-erfahrene Katze sollte dies kein besonderes Problem mehr darstellen. Danach entfernen wir die Glocke fürs Erste und trainieren isoliert das Slalom-Gehen. Hier hilft uns der Targetstab sicherlich. Wie immer solltet ihr aber langsam beginnen (zuerst eine Stange, geclickt wird für das Herumgehen um die eine Stange, danach erst die zweite und die dritte Stange einbauen). Wenn ihr wollt, könnt ihr den Targetstab auch abbauen und ein verbales Signal einbauen (dann sollte die Katze auf ein bestimmtes Signal, z.B., Lauf los!, den Slalom starten). Jetzt nehmen wir die Glocke wieder hinzu und versuchen die beiden Teile der Kette zusammenzusetzen.

Möglicherweise bricht nun der Slalom zusammen, obwohl ihr ihn zuvor schon sorgfältig trainiert habt. Zum Beispiel könnte Folgendes passieren: Die Katze beginnt brav den Slalom, sieht irgendwann die Glocke, bricht an dieser Stelle den Slalom sofort ab und läuft schnurstracks auf die Glocke zu – zuvor hat das ja auch funktioniert. Nun haben wir ein kleines Problem, denn einfach nur nicht clicken ist hier wahrscheinlich zu wenig Information für die Katze. Dann wirkt es für die Katze so, als wäre das Klingeln der Glocke an sich der Fehler gewesen. Woher soll sie auch wissen, dass das Abbrechen des Slaloms einige Sekunden zuvor das Problem war?

Dieses Problem können wir eindämmen, indem wir der Katze anfangs noch eine Belohnung (ohne Click!) für einzelne Teilschritte geben. Zum Beispiel können wir der Katze nach jeder Stange im Slalom ein kleines Trockenfutterstück hinwerfen und am Ende (nach Slalom und Glocke) gibt’s etwas mehr Belohnung. Diese Teilabschnittsbelohnungen können wir dann langsam abbauen, so dass es am Ende, wenn der Trick schon gut gefestigt ist, nur mehr einmal am Ende Click und Belohnung gibt.

Wie immer folgt an dieser Stelle ein kleines Video mit Philipp und Althira. Aus Zeitgründen seht ihr in dem Video allerdings nicht das komplette Training, sondern nur die wichtigsten Schritte.

Zusätzlich sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass manche Trainer für Verhaltensketten einen sogenannten Go On Marker verwenden. Der Go On Marker funktioniert ähnlich wie der Click mit dem Clicker (er bestätigt, dass die Katze etwas richtig macht), aber er beendet die Handlung nicht. Dieses Hilfsmittel kann man verwenden, um das oben beschriebene Problem zu lösen – mit dem Go On Marker kann man für jeden Teilschritt in der Verhaltenskette separat markieren, ob genau diese Handlung nun richtig war oder nicht. Als Go On Marker verwenden die meisten Trainer ein bestimmtes Signalwort (Weiter!), möglich wäre aber natürlich auch ein beliebiges anderes Geräusch.

Das war’s!

Damit sind wir am Ende unseres Tutorials angelangt! Wenn ihr uns bis hierher gefolgt seit, habt ihr die (aus unserer Sicht) wichtigsten Trainingsprinzipien gelernt und zumindest einmal angewendet. Das weitere Training eurer Katze liegt nun weitgehend an euch, beziehungsweise an eurer Fantasie.  Falls euch Ideen für neue Tricks fehlen, können wir euch raten, euch entweder auf Youtube umzusehen oder die ausgezeichnete Trainings-DVD von Birgit Laser zu bestellen. Ausserdem können wir auch das Buch Trickschule für Katzen von Christine Hauschild herzlich empfehlen. Und schliesslich laden wir euch natürlich ein, uns auch weiterhin hier auf diesem Blog zu folgen :). In Zukunft werden wir hier weiterhin im Wochentakt Tricks und Details zu Trainingstechniken präsentieren.

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Link: Tagteacher’s Youtube Kanal

Heute möchten wir euch einmal etwas ganz Anderes zeigen, nämlich den Youtube Kanal von tagteacher. Hier könnt ihr in einigen Videos sehen, wie die Prinzipien des Clicker Trainings auch auf die Arbeit mit Menschen umgelegt werden können, zum Beispiel im Sporttraining oder zur Therapie von Ängsten. Das Ganze nennt sich dann Tag Teach.

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Schritt 7: Prompting

Und wieder einmal wünschen wir euch ein herzliches Willkommen zur vorletzten Einheit in unserem Clicker Tutorial. Diese Woche werden wir uns eine simple Variation des Capturings, wie wir es in der letzen Einheit gelernt haben, ansehen. Vor allem werden wir aber einen richtig coolen Trick lernen, nämlich auf Signal mit der Zunge über die Lippen zu schlecken.

Prompting


Die neue Technik, die wir diese Woche vorstellen, nennt sich Prompting. Das Grundprinzip dieser Technik ist wieder einmal sehr einfach erklärt: Grundsätzlich funktioniert Prompting genau wie Capturing, nur dass wir nicht geduldig darauf warten, dass die Katze das Verhalten von selbst anbietet, sondern einen Weg finden, das Verhalten explizit auszulösen. Klingt einfach? Ist es auch! Das Schwierige beim Prompting ist auch nicht wirklich die Durchführung des Trainings, sondern einen guten Prompt zu finden. Dieser sollte das gewünschte Verhalten natürlich zuverlässig auslösen, aber die Katze dabei nicht zu sehr ablenken.

Ein Beispiel für einen notorisch schlechten Prompt ist das Locken mit Futter. Nehmen wir an, ihr wollt das Komm! aus der letzten Einheit trainieren. Anstatt abzuwarten, dass eure Katze von selbst zu euch kommt, nehmt ihr ein Leckerli in die Hand und wedelt ein wenig damit. Tatsächlich kommt die Katze wie der Blitz angeschossen und ihr clickt. Klingt so weit ganz gut, oder? Nicht unbedingt. Leider ist es in diesem Szenario nämlich sehr wahrscheinlich, dass die Katze aus diesem Click gar nichts gelernt hat. Als sie angelaufen kam, war sie schon so auf das Leckerli fixiert, dass der Click im Hintergrundrauschen untergegangen ist.

Schleck!

Wie sieht nun aber ein guter Prompt aus? Dass wollen wir euch anhand des folgenden Tricks zeigen: Wir wollen trainieren, dass die Katze auf das verbale Signal Schleck! mit der Zunge über ihre Lippen fährt. Das ist nicht nur sehr herzig, sondern ist auch ein wunderbarer Trick zum Clickern lernen, da hier das richtige Timing und gute Beobachtung der Katze essentiell ist. Der Prompt für das Schleck! wird der Verzehr eines Leckerlis sein. Alle Katzen die wir kennen, schlecken nämlich ihre Lippen als Teil des Schluckvorgangs oder kurz danach zum sauber putzen. Angenehmerweise lenkt ein bereits gefressenes Leckerli auch nicht so ab, daher können wir diese Verhaltensweise durchaus als Prompt für uns nutzen und zwar folgendermaßen:

Wir beginnen die Übung mit einem einfachen Trick, den die Katze bereits kann, wie z.B. das Männchen. Für diesen Trick bekommt die Katze wie üblich einen Click und darauf folgend die Belohnung. Sobald die Belohnung verfüttert ist, müsst ihr die Katze nun ganz genau beobachten. Sobald die Zunge rauskommt zum Schlecken, kommt auch sofort ein Click und eine weitere Belohnung (bei der wieder geschleckt und geclickt wird). Wir können hier also quasi eine Endlosschleife von Clicks und Schlecks aufbauen, was bei diesem Trick sehr angenehm ist. Wenn die Katze aus irgendeinem Grund mal kein Schleck zeigt oder die Schleife aus einem anderen Grund abbricht, verlangen wir eben nochmal einen bereits bekannten Trick und starten so neu.

Nach einigen solchen Clicks, spätestens wenn ihr das Gefühl habt, dass die Katze mehr schleckt als noch zu Beginn, könnt ihr zum nächsten Schritt übergehen. Nun gibt es nur mehr einen Click für ein Schleck, das ausserhalb des normalen Schluckvorgangs kommt. Das heisst, ihr clickt nicht mehr, wenn die Katze einfach nur frisst und dabei schleckt, sondern wenn sie das Leckerli schluckt, kurz wartet und dann schleckt. Der wichtige Unterschied hier ist, dass die Katze dann das Verhalten explizit anbieten muss – sie schleckt nicht mehr einfach so (wie zu Beginn), sondern sie schleckt bewusst, weil sie sich dafür eine weitere Belohnung erhofft. Langsam könnt ihr dann auch die Zeit erhöhen, die zwischen Schlucken und Anbieten des neuen Schlecks liegen soll.

Wenn die Katze das Schleck schon konsequent nach dem Fressen anbietet, können wir zum letzten Schritt übergehen und ein verbales Signal einführen. Hier ist Timing, Beobachtung der Katze und Reaktion wieder ganz wichtig. Wenn ihr genau schaut, werdet ihr lernen zu erkennen, wann die Katze vorhat zu schlecken. In genau diesem Moment gebt ihr das Signal und clickt natürlich, wenn das Verhalten dann kommt. Wie immer geben wir zu Beginn das Signal nur zusätzlich und irgendwann gibt es dann nur mehr einen Click, wenn zuvor auch das Signal gegeben wurde.

Das Training zeigt euch Philipp mit Althira in einem Video vor:

Noch ein paar Tipps

  • In dieser Übung ist das Timing des Clicks das Allerwichtigste. Ihr müsst wirklich genau den Moment erwischen, in dem die Katze schleckt und das dauert nur einen Sekundenbruchteil. Wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid zu langsam, dann hilft euch vielleicht diese Übung hier .
  • Wie ihr auch in dem Video seht, erwischt auch Philipp bei Weitem nicht alle Schlecks von Althira. Wie immer gilt: Besser nicht, als falsch clicken. Und gerade zu Anfang ist es verdammt schwer zu sehen, wann die Katze schlecken will und entsprechend richtig zu clicken. Keine Angst, die Katze wird das Verhalten auch lernen, wenn ihr ab und an einen guten Schlecker verpasst.
  • Manche Arten von Belohnung eignen sich besser für diese Übung als andere. Als allgemeine Regel haben wir bei unseren Katzen gesehen, dass bei weichen Leckerlis besonders viel und bei Harten besonders wenig geschleckt wurde. Wir trainieren oft mit Katzen-Leberwurst (vergleichbare Snacks gibt’s aber auch in der Tierwarenhandlung). Für diese Übung waren wir davon aber nicht begeistert, da die Katzen bei Leberwurst so viel geschleckt und geputzt haben, dass das gezielte Clicken eines einzelnen Schlecks zu schwierig war. Besser haben bei uns kleine Stückchen Katzensticks funktioniert. In dem Video hat Philipp Althira aber mit Trockenfutter trainiert.
  • Die Katze wird nicht unbedingt immer brav zu euch hinsehen, wenn sie schleckt. Wenn das Köpfchen gerade in eine andere Richtung zeigt, muss man genau hinhören und auf das entsprechende Schleck-Geräusch hin clicken. Später kann man dann fordern, dass nur Clicks mit Blick zum Menschen hin geclickt werden, aber für den Anfang ist das zu schwierig (wie immer gilt, nicht mehrere Kriterien auf einmal trainieren!).
  • Abschliessend sollte man vielleicht noch darauf hinweisen, dass dieser Trick natürlich schon deutlich fortgeschrittener ist, als die Tricks die wir bisher gelernt haben. Also nicht aufgeben, wenn es nicht gleich klappt. Ein paar Trainingseinheiten sind vollkommen normal!

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Schritt 6: Capturing

Willkommen zurück hier auf dem katzentraining Blog! Inzwischen solltet ihr bereits zwei der drei Basistechniken des Clickerns (Shaping und Targettraining) zumindest grundlegend beherrschen. Wenn euch diese beiden Begriffe noch nicht geläufig sind, dann ab zu Teil 2 dieses Tutorials, bevor ihr hier weitermacht :). In dieser Einheit werden wir nun auch noch die letzte grundlegende Technik kennenlernen, und zwar das Capturing (Einfangen) von Verhalten. Konzeptionell ist Capturing die bei weitem simpelste Trainingstechnik. Im Grunde genommen bestätigen wir bei dieser Technik einfach nur Verhalten, dass die Katze ohnehin von sich aus anbietet. Capturing bietet sich an, bestimmte natürliche Verhaltensweisen der Katze, die wir süß oder nützlich finden, aber nie im Training gezeigt werden, trotzdem auf Signal abrufbar zu machen.

In dieser Einheit werden wir Capturing benutzen, um der Katze einen absolut nützlichen Trick beizubringen und zwar das verlässliche Kommen auf Zuruf. Das Ziel ist also, dass eure Katze, wann immer ihr sie auf eine bestimmte Weise ruft, angelaufen kommt, egal was sie vorher gerade gemacht hat. Die Betonung liegt hier bewusst auf ‘auf eine bestimmte Weise’. Die Katze soll natürlich nicht bei jeder beiläufigen Nennung ihres Namens angeschossen kommen, vielmehr sollte es ein bestimmtes Signal geben, welches der Katze sagt, dass sie jetzt wirklich kommen soll.

Mit Capturing trainieren

Wie gesagt, die Theorie des Capturings ist extrem einfach. Ihr bewaffnet euch mit Clicker und Leckerlis, wartet bis die Katze das erhoffte Verhalten zeigt und belohnt es. Die Praxis ist leider etwas schwieriger, da euer Kätzchen euch wohl kaum den Gefallen tun wird, das erhoffte Verhalten gerade dann zu zeigen, wenn ihr capturen wollt. Geduld und Aufmerksamkeit sind hier also die zwei wichtigsten Eigenschaften des Trainers :)

Wie das konkret aussehen kann, zeigen wir euch jetzt an Hand der Komm Übung.

Bewaffnet euch mit Clicker und Leckerlis, die ihr einstecken könnt. Danach macht ihr erstmal – nichts. Setzt euch auf’s Sofa, geht fernsehen oder lest ein Buch. Auf jeden Fall wird (wahrscheinlich sehr zur Enttäuschung der Miez) nicht geclickert. Vermutlich wird sie nun einige Sekunden oder Minuten (je nach Geduld) um euch herumwedeln, in der Hoffnung, dass nun doch die erwartete Trainingseinheit folgt. Sie wird aber irgendwann aufgeben und ihrer Wege gehen. Nun ist eure Aufgabe, die Katze möglichst unauffällig zu beobachten (wenn ihr sie denn überhaupt noch seht), denn ihr solltet den Moment erwischen, in dem die Katze von sich aus wieder zu euch kommen möchte (z.B. um gestreichelt zu werden oder auch bloss um zu sehen, was ihr treibt). Wenn die Katze nun also mehr oder weniger zufällig auf euch zukommt, clickt und belohnt ihr. Wiederholt diese Übung einige Male, gerne auch verteilt über mehrere Tage, bis ihr das Gefühl bekommt, dass eure Katze beginnt, recht oft zufällig bei euch vorbeizuschlendern.

Unsere Erfahrung ist, das Katzen, wenn sie das erste Mal mit Capturing trainiert werden, anfangs reichlich verwirrt wirken. Schliesslich kennen sie Clickern nur so, dass sie etwas (bewusst) machen und dafür Clicks und Belohnung bekommen. Capturing wirkt aber so, als bekäme sie einen Click geschenkt. Aber an Geschenke gewöhnen sich unsere Mietzen normalerweise ja recht flott :)

Beim Capturing kann es es vorkommen, dass die Katze andauernd (auch wenn ihr gerade etwas ganz anderes macht) in euer Blickfeld wandert, um mit forderndem Blick das Verhalten zu zeigen. Im Fall des Komm Tricks,  kann das z.B. heißen, dass eure Katze ständig verschwindet, nur um eine Minute später wieder auf euch zuzulaufen. Der amerikanische Trainer Gary Wilkes nennt das throwing the behavior at you. Der Grund für dieses Phänomen, das wir beim Shaping in dieser Form nicht kennen, ist wahrscheinlich Folgender: Capturing passiert normalerweise nicht in einer definierten Clicker-Trainingseinheit mit klarem Beginn und Ende, sondern zu, für die Katze nicht berechenbaren Zeiten. Daher ist der Katze auch nicht klar, wann es etwas bringt das Verhalten zu zeigen und wann nicht. Vorsichtshalber zeigt die Katze das Verhalten also einfach andauernd. Spätestens wenn die Katze beginnt, dieses Eigenart an den Tag zu legen, ist es an der Zeit zum nächsten Schritt weiterzugehen und der Katze beizubringen, wann das Verhalten erwünscht ist und wann nicht. Wir führen also ein verbales Signal für das Verhalten ein.

Ein verbales Signal für Komm einführen

Das Training des Signals funktioniert nach den Prinzipien, die wir schon in der letzten Einheit kennengelernt haben.

Beginnt damit, ein klar definiertes Signal, z.B. <Katzenname>, Koooomm! zu geben während die Katze schon auf dem Weg zu euch ist. Graduell gebt ihr das Signal dann immer früher während des Verhaltens. Da die Katze bisher noch kein Signal hat, das ihr verrät, wann sie das Verhalten zeigen soll, wird sie das verbale Signal schnell mit dem Verhalten verbinden. Ab dann gibt es nur mehr Click und Leckerli, wenn die Katze auf Zuruf kommt, und nicht mehr, wenn sie unaufgefordert vorbeischlendert. Dann wird sich das Verhalten der Katze auch schnell wieder normalisieren, sprich: Sie wird aufhören, dieses Verhalten andauernd anzubieten, da sie ja weiss, dass es nur eine Belohnung gibt, wenn sie auch gerufen wurde.

Damit sollte eure Katze bald brav auf Signal zu euch kommen und euch ist der Neid hunderter anderer Katzenhalter sicher :). Allerdings wollen wir euch noch einige Regeln mit auf den Weg geben, damit die Katze auch in einigen Monaten noch auf ihr Komm Signal hört.

  • Wie jeder andere Trick, muss auch das Komm zumindest gelegentlich geübt werden. Wir empfehlen euch, einmal pro Tag die Katze auf diese Weise abzurufen. Dadurch bleibt das Verhalten präsent und ist einsatzbereit, wenn ihr es einmal dringend braucht.
  • Natürlich erwartet sich die Katze auch bei Komm eine Belohnung, also auf keinen Fall rufen und wenn sie dann kommt, ignorieren oder gar weggehen. Es muss nicht immer ein Leckerli sein, aber zumindest ein paar freundliche Worte oder Streicheleinheiten (und gelegentlich ein Leckerli) sollten schon drin sein, wenn die Katze brav kommt.
  • Aus einem ähnlichen Grund solltet ihr, auch wenn es verlockend ist, die Katze möglichst nie rufen, wenn danach etwas für die Katze Unerfreuliches folgt. Ihr meint es vielleicht gut, aber de facto bestraft ihr damit die Katze dafür, dass sie ihr Verhalten so schön gezeigt hat. Wenn ihr etwas Negatives vorhabt, ist es immer besser, die Katze explizit zu holen, anstatt sie zu rufen.

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Schritt 5: Verbale und Nonverbale Signale

Und weiter geht’s mit dem Clickertraining Crashkurs! In dieser Woche werden wir auf die Übungen der letzten beiden Einheiten aufbauen und unser Männchen noch ein klein wenig verfeinern. Genauer gesagt, wollen wir uns heute mit Signalen beim Clickern auseinandersetzen.

Laut Karen Pryor’s Clickertraining Glossar ist ein Signal (englisch Cue):

A stimulus that elicits a behavior. Cues may be verbal, physical (i.e., a hand signal), or environmental (i.e., a curb may become a cue to sit if the dog is always cued to sit before crossing a road).

Ein Signal ist also ein Stimulus, der ein Verhalten auslöst und kann grob gesagt in verbale und nonverbale Signale unterteilt werden. Verbale Signale werden oft auch als Befehle oder Kommandos bezeichnet, aber wir mögen diese Ausdrücke nicht sehr gerne. Diese Ausdrücke transportieren, dass wir eine Art Befehlsgewalt über das Verhalten unserer Katzen haben, die so ganz sicher nicht vorhanden ist (egal wie gut die Tiere trainiert sind). Das Wort Signal drückt die tatsächliche Realität viel besser aus – wir geben das Signal Hoch! um zu markieren, dass sich unser Tier durch ein Männchen nun einen Click verdienen kann. Wenn das Tier diese Einladung nicht annimmt, können wir es aber auch nicht ändern :)

Signale in unserem bisherigen Training

Obwohl wir Signale erst jetzt, in der fünften Einheit, besprechen, haben sie natürlich auch bisher schon eine wichtige Rolle in unserem Training gespielt (auch wenn ihr euch dessen vielleicht gar nicht so bewusst wart). Zum Beispiel gab es auch beim Geh auf die Decke Trick in Einheit 2 ein Signal, nämlich das Präsentieren der Decke. Beim Mach Männchen hatten wir sogar zwei unterschiedliche Signale – zu Beginn den hochgehaltenen Targetstab und nachdem wir das Target abgebaut haben, das Zeichen, das wir mit den Fingern gemacht haben. Diese Signale haben wir nicht explizit trainiert, sie sind sozusagen einfach als Teil des normalen Trainings passiert. In dieser Einheit wollen wir uns jetzt ansehen, wie wir ein bestimmtes (verbales) Zeichen explizit trainieren.

Mach Männchen auf Signal

Unser Übungsziel in dieser Woche ist das Männchen, das wir in der letzten Einheit eingelernt haben, zusätzlich zu dem Handzeichen noch mit einem verbalen Signal zu verbinden. Genauer: Wir wollen, dass die Katze in Zukunft nicht sofort zum Männchen hochsteigt, sobald wir die Finger über sie halten, sondern erst, wenn wir das Wort Hoch! dazusagen. Das Signal ist dann also die Kombination aus unserem Handzeichen und dem verbalen Signal. Natürlich gibt es einige Wege, ein neues Signal zu einem bestehenden Trick einzuführen. Wir schlagen allerdings folgenden Ablauf vor:

Zuerst macht ihr 2 oder 3 Wiederholungen des Tricks in seiner alten Form, quasi zum Warmwerden. Danach beginnt ihr, jedesmal während der Handlung das Signalwort Hoch! zu sagen. Wiederholt dies einige Male, und beginnt dann langsam, das Signal immer früher vor dem Click zu geben. Von der Katze wird nur erwartet, weiterhin das Männchen zu machen, und sich nicht von dem neuen Signal aus der Fassung bringen zu lassen. Schliesslich solltet ihr so weit sein, dass ihr das Signal schon vor Beginn des Verhaltens (wenn die Katze beginnt hochzusteigen) gebt. Nun kommt der schwierige Teil – nun sollte die Katze lernen, dass es ohne dem Hoch! jetzt nicht mehr geht. Dazu ist es notwendig, nun manchmal das verbale Signal nicht zu geben. Die Katze wird anfangs ganz sicher trotzdem hochsteigen – und bekommt leider keinen Click dafür. An dieser Stelle ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Katze nicht (zu sehr) frustriert wird. Wenn die Katze nun nicht mehr sofort hochsteigt, sobald wir das Handzeichen geben, können wir langsam die Zeit zwischen Handzeichen und verbalem Signal erhöhen (anfangs wird die Katze mit hoher Wahrscheinlichkeit nach kurzer Zeit auch ohne verbalem Signal hochsteigen). Wir sind mit dem Trick zufrieden, wenn die Katze das Handzeichen zumindest einige Sekunden interessiert anblickt, aber erst auf Hoch! wirklich zum Männchen hochsteigt (dann aber hoffentlich zackig :) ).

Auch für diese Übung gibt es ein Video mit Philipp und Althira:

Einige Ratschläge

Hier noch einige Ratschläge und Bemerkungen zu diesem Training.

  • Ein übliches Problem beim Training mit verbalen Signalen ist, dass es uns Menschen oft schwer fällt, das Signalwort immer möglichst gleich auszusprechen (gleich lang, gleiche Betonung, gleiche Stimmlage, gleiche Lautstärke). Dabei ist gerade dieser Umstand sehr wichtig, damit die Katze das Wort identifizieren kann, da sie ja kein Wortverständnis hat. Eine kleine Analogie: Würdet ihr ein japanisches Wort wiedererkennen, wenn es zwei Mal in vollkommen anderer Tonlage und Lautstärke ausgesprochen werden würde? Wahrscheinlich nicht. Wenn ihr euch also nicht sicher seit, ob ihr das Signalwort wirklich immer gleich aussprecht, übt vielleicht einmal vor einem Mikrofon. In dem Video fällt euch wahrscheinlich auf, dass auch Philipp immer Probleme hat, das Signalwort zwischen Übungseinheiten gleichzuhalten (das langgezogene Hooooch!  vom Anfang wird gegen Ende hin immer mehr zu einem kurzen Hoch!).
  • Auch in dieser Einheit beherzigen wir die Grundregel, dass wir immer nur ein Kriterium gleichzeitig trainieren. Das heisst in diesem Fall, dass uns, während wir das Signal einführen, die eigentliche Ausführung des Männchens gar nicht wichtig ist. Die Katze bekommt immer einen Click, wenn sie irgendetwas Männchen-ähnliches macht, auch wenn das Männchen vielleicht mal nicht so lang oder hoch ist wie gewohnt. Diese Fehler, die sich dann vielleicht einschleichen, könnt ihr wieder rausshapen, wenn das Training des Signals abgeschlossen ist.
  • Wenn wir ein verbales Signal einführen, sollten wir das Signal nicht leichtfertig oder unbedacht geben. Wir sollten das Signal nur geben, wenn wir uns (ziemlich) sicher sind, dass die Katze dann auch das Verhalten ausführen wird. So lange das Signal noch nicht sitzt, geben wir es niemals, wenn die Katze gerade abgelenkt oder anderweitig beschäftigt ist.
  • Manche Trainer verzichten auch komplett auf den ersten Teil dieses Trainings, und geben das Signal von schon von Anfang an nur vor der Handlung. Wenn ihr wollt, könnt ihr es auch so probieren, bei uns hat sich aber die hier beschriebene Variante bewährt.

Der richtige Zeitpunkt fürs Signal

Die Vorgangsweise, dass wir erst einen Trick mit einem nonverbalen (natürlichen) Signal komplett shapen und erst ganz zum Schluss das verbale Signal einführen, ist durchaus typisch. Wir empfehlen generell, kein verbales Signal zu verwenden, bis der Trick richtig sitzt und nur mehr das Signal einzuführen ist. Manche Trainer wollen das Signal bereits zu Beginn geben, aber dies kann leicht zu einer Überforderung der Katze führen. Im Prinzip verletzen wir dann nämlich die oben schon erwähnte Grundregel – wenn wir von Anfang an auf einem Signal bestehen, weiss die Katze, wenn der Click ausbleibt nie, ob das aufgrund des Signals war, oder weil das gezeigte Verhalten nicht ok war.

Tutorial-Überblick

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Schritt 4: Mach Männchen

Hallo zurück zum katzentraining Clickertutorial! Nachdem wir letzte Woche ausgiebig über die Vorzüge des Targettrainings geschrieben haben, ist es nun endlich an der Zeit, einmal einen konkreten Trick mit Hilfe des Targetstabs zu trainieren. Dazu haben wir uns Mach Männchen ausgesucht, da der Trick den meisten Katzen recht leicht fällt und die Verwendung des Targets damit sehr gut illustriert werden kann. Ausserdem sind Männchen machende Katzen einfach putzig – finden wir zumindest :) Falls ihr euch unter einem Männchen nichts vorstellen könnt: Dabei setzt sich die Katze auf die Hinterläufe und richtet sich dann (mehr oder weniger gerade) auf. Katzen zeigen dieses Verhalten oft, wenn sie z.B. ein für sie nicht direkt erreichbaren Gegenstand mit der Nase inspizieren wollen.

Mach Männchen mit dem Targetstab

Damit kommen wir diesmal direkt zur Übung. Wie so oft, werden wir diesen Trick shapen, allerdings werden wir dabei den Targetstab zur Hilfe nehmen. Erinnern wir uns, wofür das Target für die Katze steht: Sie muss, wie auch immer wir den Stab halten, ihre Nase gegen die Spitze halten. Simpel ausgedrückt, müssen wir also nur das Target in der richtigen Höhe halten und die Katze sollte sich zum Männchen erheben. Praktisch wird es so einfach aber wahrscheinlich nicht funktionieren. Wie immer, ist die Lösung, dass wir das erwartete Verhalten langsam, also in vielen Shaping-Schritten, aufbauen.

Die einzelnen Schritte sind dabei recht klar: Wir fangen mit einem Target in Nasenhöhe der Katze an und halten das Target dann langsam immer höher, bis es für die Katze nur mehr mit einem schönen Männchen erreichbar ist. Wenn dieses Ziel erreicht ist, dann können wir uns daran machen auf Zeit zu shapen. Das heisst, wir fordern dann, dass die Katze langsam immer länger in der erwünschten Position bleibt, bis es Click und Leckerli gibt. Wie immer gilt die Regel, dass wir niemals zwei Kriterien gleichzeitig aufbauen. Das heisst, das wir nicht gleichzeitig ein längeres und ein höheres Männchen fordern.

Diesmal zeigt uns Minos, wie diese Trainingseinheit in der Praxis aussehen kann:

Einige Anmerkungen zu diesem Video

Zu diesem Video gibt es, neben der eigentlichen Übung, noch einige interessante Details anzumerken:

  • Wenn ihr das Problem habt, dass eure Katze eher nach dem Target fischt, als sich danach aufzurichten (so wie Minos ab ca. Minute 2:50), dann haltet ihr das Target wahrscheinlich zu hoch. Die Katze muss auf jeden Fall die Chance haben, die Targetspitze mit der Nase zu erreichen.
  • Achtet darauf, dass ihr nur clickt, wenn die Katze gerade am Aufsteigen ist und niemals beim Beenden des Männchens. Ein Click beim Niedergehen signalisiert der Katze, dass wir das Aufhören mit dem Männchen toll finden. Also genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich kommunizieren wollen. Eine wichtige Regel hierzu ist: Es ist besser, ihr clickt gar nicht, als zu spät!
  • Oft passiert es uns während des Shapings, dass wir neben dem erwarteten Verhalten, auch eine oder mehrere überflüssige oder unerwünschte Verhalten oder Verhaltensaspekte aufbauen. Auf Englisch nennt man solche Verhalten dann superstitious behavior (abergläubisches Verhalten). Minos zeigt in dem Video gleich mehrere solcher Verhalten. Um Minute 0:40 herum meint Minos, er müsste den Stab nicht nur berühren, sondern auch daran schlecken. Zusätzlich hört ihr ganz leise in dem Video, dass Minos, wann immer er zum Männchen hochsteigt, ein gurrendes Geräusch von sch gibt. Ihr werdet, wenn ihr genau hinseht, mit Sicherheit auch das eine oder andere kleine superstitious behavior bei eurer Katze entdecken. Grundsätzlich stören diese Verhalten nicht weiter. Man kann sie aber natürlich wegclickern, indem man einfach nur mehr clickt, wenn die Katze das unerwünschte Verhalten nicht zeigt (kurz gezeigt in dem Video, auch ca. um Minute 0:40).
  • Gebt Acht, dass ihr den Targetstab beim clicken ruhig haltet (nicht so wie Philipp in dem Video, der beim clicken oft mit dem Target wackelt). Im schlimmsten Fall stupst ihr dabei nämlich der Katze auf die Nase, was je nach Naturell zu einer Aversion gegen den Targetstab führen kann (Minos nimmt’s aber recht locker, wie ihr seht :) ).

Den Targetstab abbauen

Und, habt ihr es geschafft, eurer Katze das Männchen hin zum Targetstab beizubringen? Sehr gut!

Allerdings wär’s doch schön, wenn wir unser Männchen auch ohne Targetstab abrufen könnten, oder? Sehen wir uns also an, wie wir das Target nun wieder abbauen können. Bisher war unser Zeichen für Mach Männchen der hochgehaltene Stab. Dieses Zeichen tauschen wir nun Schritt für Schritt gegen ein anderes Handzeichen aus, damit wir am Ende nur noch das neue Zeichen und nicht mehr den Targetstab zum Abrufen des Männchens brauchen. Wie dieses Zeichen aussieht ist euch überlassen, ihr solltet aber konsequent immer das selbe Zeichen für das selbe Verhalten verwenden.

Der erste Schritt ist also, dass ihr euch ein Handzeichen überlegt. Wenn euch partout nichts einfällt, könnt ihr im Video unten nachsehen, welches Handzeichen Philipp verwendet. Nun trainieren wir gleich weiter, wie wir zuletzt aufgehört haben. Nach einigen Aufwärm-Männchen verkürzen wir nun aber schrittweise den Targetstab etwas. Wenn euer Targetstab einziehbar ist, so wie der, den Philipp in dem Video verwendet, ist das natürlich einfach. Bei einem normalen Stab greift ihr ihn am besten einfach immer ein Stückchen weiter vorne an. Irgendwann halten wir den Stab dann direkt an der Spitze. De facto macht die Katze in diesem Stadium des Trainings ihr Männchen also nicht mehr (nur) zum Targetstab hin, sondern (auch) zu unserer Hand. Wenn das Männchen auch mit komplett eingezogenen Target konsequent funktioniert, ist der Moment gekommen, an dem wir das Target komplett weglassen und statt dessen unser Handzeichen einführen können. Gratuliere, wir haben unseren Targetstab abgebaut und gegen ein anderes Zeichen ausgetauscht!

Und wieder zeigt uns Minos, wie diese Übung praktisch aussieht:

Wie immer gilt: Wir gehen nur einen Schritt weiter (also wir verkürzen den Stab nur), wenn der letzte Schritt bereits sitzt. Wenn die Katze den Eindruck erweckt, dass sie überfordert ist, gehen wir wieder einen Schritt zurück. Vergesst auch nicht, die Trainingseinheiten kurz zu halten.

Hintergrund

Beim Targettraining verwenden wir das Target meistens analog zu Stützrädern bei Kinderfahrrädern. Die Stütze Targetstab hilft uns bei den ersten Schritten und bringt uns schnelle Erfolge (was gut für die Motivation unserer Katze und auch für unsere ist). Unser endgültiges Ziel ist aber praktisch immer, das Verhalten schlussendlich ohne Stützrädern abrufen zu können. Der zweigeteilte Ablauf, den wir in dieser Übungseinheit verwendet haben (Trick mit Targetstab trainieren und Targetstab abbauen) ist daher typisch für das Targettraining.

Tutorial-Überblick

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Schritt 3: Targettraining

Und, habt ihr den Trick mit dem Shaping schon heraus? Habt ihr vielleicht auch schon die ersten Tricks geshaped oder es zumindest versucht? Toll! Dann habt ihr wahrscheinlich schon bemerkt, dass Shaping zwar ein sehr hilfreiches Trainingswerkzeug ist, aber manchmal ist der Fortschritt damit auch ein wenig – sagen wir einmal – behäbig. Immerhin müssen wir immer darauf hoffen, dass die Katze von selbst auf den nächsten Schritt kommt. Vielleicht habt ihr in der letzten Übung selbst erlebt, dass die Katze nicht und nicht diesen einen letzten Schritt auf die Decke machen möchte, sondern lieber davor sitzen bleibt und sich putzt. In dieser Situation neigt man als ungeduldiger Mensch oft dazu, die Nerven wegzuschmeissen und die Katze z.B. mit Futter auf die Decke zu locken (baiting). Kurzfristig wird man mit dieser Methode auch Erfolg haben (die Katze geht wahrscheinlich brav auf die Decke), aber leider ist das Einzige was die Katze daraus lernt, dass sie eine Belohnung bekommt, wenn sie zum Futter hinläuft. Dass sie dabei auch auf die Decke gegangen ist, nimmt sie wahrscheinlich gar nicht war, dazu ist der Reiz des Futters einfach zu gross. Der Lerneffekt für die Katze ist also quasi null.

Trotzdem bleibt natürlich die Frage, ob es denn nicht eine Möglichkeit gibt, die Katze etwas mehr zu lenken, als wir dies beim reinen Shaping tun. Zu diesem Zweck haben schlaue (Delfin-)Trainer eine wunderbare Technik entwickelt – das Targettraining. Beim Targettraining lernt die Katze, dass sie ein bestimmtes Ziel (Target) immer mit einem bestimmten Körperteil berühren muss. Mit diesem Target können wir die Katze dann also z.B. an einen bestimmten Ort lenken oder sie zu bestimmten Bewegungen animieren. Viele, wenn nicht die meisten, Tricks können wir mit Targettraining schneller trainieren, als mit reinem Shaping.

Der Targetstab

Im Folgenden wollen wir ein Nasentarget trainieren. Die Katze soll das Ziel also immer mit der Nase berühren. Als Target verwenden wir im Katzentraining meistens einen kurzen Stab, optimalerweise mit einer klar unterscheidbaren Spitze. Wir erhoffen uns von der Katze, dass sie in jeder Situation versucht, ihr Näschen an die Spitze des Stabs zu halten. Dies sollte die Katze tun, auch wenn sie sich dazu strecken oder ducken muss. Wenn unsere Katze dieses Verhalten erstmal verinnerlicht hat, können wir das Target benutzen, um die Katze (völlig gewaltfrei!) zu lenken.

Wie sieht denn ein Targetstab nun aus? Nun, manche Clicker haben schon einen passenden Stab eingebaut, so wie ihr es im Bild oben seht. Alternativ könnt ihr natürlich auch einen eigenen Stab (Stift, Kochlöffel, usw.) verwenden, bedenkt aber, dass das Halten des Tagetstabs in Kombination mit dem Clicker etwas schwieriger ist.  Wir empfehlen, dass ihr den Stab in der Clicker-Hand haltet – so wie in dem Bild unten gezeigt -damit ihr die andere Hand frei habt zum Austeilen des primären Verstärkers. Achtet auch bitte darauf, dass wenn ihr clickt nicht zu sehr die Vibrationen auf das Target zu übertragen, da dass für die Katze unangenehm sein kann. Legt am besten einen Finger dazwischen. Die Verwendung eines solchen Targetstabs erfordert vielleicht zu Beginn etwas Übung, da man oft den Eindruck hat, dass man eigentlich drei Hände bräuchte.

Training mit dem Targetstab

Und wie trainieren wir der Katze das oben geschilderte Verhalten am besten an? Genau so, wie wir es auch mit dem Geh auf die Decke in der letzten Einheit gehalten haben.

Zuerst werden Blicke und Annäherung an den Stab geclickt, dann kurze Berührungen. Wenn die Katze dieses Verhalten schon konsequent zeigt, können wir zusätzliche Kriterien einführen, wie z.B. dass die Nase eine Sekunde am Stab bleiben soll oder dass die Katze dem Target einige Schritte folgen muss. Achtet aber bitte wie immer darauf, es der Katze so einfach wie möglich zu machen. Eine wichtige Regel ist, nie mehr als ein neues Kriterium zugleich einzuführen. Konkret heisst das, dass ihr entweder eine längere Berührung oder eine Bewegung hin zum Target fordern dürft, aber nicht beides gleichzeitig. Erst wenn das Erste der neuen Kriterien super sitzt, könnt ihr auch das zweite Kriterium zusätzlich einfordern.

Bitte erwartet nicht, dass die Katze nach einer Einheit dem Stab wie festgeklebt folgt. Wie auch schon beim Geh auf die Decke wird es wahrscheinlich einige Einheiten dauern, bis die Katze konsequent auf den Stab zugeht. Eventuell hat sie zu Beginn sogar Angst vor dem Stab. Mit ausreichend Geduld lässt sich dies aber immer wegclickern. In so einem Fall muss man eben anfangs schon schüchterne Blicke aus der Ferne oder langsames Annähern clicken. Wie immer zeigt euch Philipp das Targettraining in einem kurzen Video, diesmal mit Althira und Minos.

Andere Targetarten

Im Katzentraining hat sich das Nasentarget, wie oben trainiert, bewährt. Es ist relativ leicht zu trainieren, da Katzen von Natur aus sehr neugierig sind und meist alles sofort erkunden. Es hilft uns Tricks wie Mach Männchen oder die Drehung um die eigene Achse (Spin) zu trainieren. In der nächsten Einheit werden wir dann auch sehen, wie man mit einem Targetstab einen konkreten Trick (Mach Männchen) trainiert. Für manche Tricks sind aber auch andere Targets hilfreich. Ein Pfotentarget (Berührung mit einer oder mehreren Pfoten) hilft uns bei manchen schwierigen Tricks, die die Katze in einer bestimmten Position erfordern. Vereinzelt mögen auch ganz andere Targets behilflich sein, so wie ein Hinterntarget (auf das sich die Katze setzen muss). Alle diese anderen Spielarten werden prinzipiell ganz gleich trainiert wie das Nasentarget. Selbstverständlich ist es aber nicht sehr zielführend, alle diese exotischen Targets gleich jetzt auf Verdacht zu trainieren, sondern erst in Kombination mit dem Trick. Fürs Erste reicht uns das Nasentarget völlig aus.

Hintergrund

In manchen Lehrbüchern zu diesem Thema, wird zwischen zwei Formen des Shapings unterschieden und zwar dem Free-Shaping und dem Shaping. Unter Free-Shaping fällt das Training der letzten Einheit: Die Katze entscheidet selbst, ohne besondere Beeinflussung von Aussen, welche Verhalten sie anbietet. Die einzige Steuerung ist dabei die Verstärkung (das Clicken). Beim normalen Shaping sieht man das nicht so streng, da darf der Katze schon mal einen Hinweis auf das erwartete Verhalten bekommen, eben zum Beispiel mit dem Targetstab. Für das praktische Training ist dieser eher semantische Unterschied aber nicht so wichtig. Es gilt ohnehin die Grundregel: Erlaubt ist was funktioniert.

Tutorial-Überblick

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