Willkommen zu einem neuen Clicker-Artikel hier am katzentraining Blog. Diese Woche wollen wir eine schöne Übung vorstellen, die wir verwenden können, um die Kreativität unserer Katzen zu trainieren. Diese Woche geht es also nicht darum, einen bestimmten Trick zu lernen, sondern um eine allgemeinere Technik, die uns hilft, andere Tricks leichter zu shapen.
Kreativität trainieren?
Vielleicht wundert ihr euch jetzt gerade ein wenig. Kreativ ist man doch, oder man ist es nicht? Kreativität kann man doch nicht trainieren, oder? Interessanterweise kann man das doch. Karen Pryor, von der in diesem Blog öfters mal die Rede ist (z.B. basiert dieser Artikel hier auf ihrer Arbeit), hatte in ihrer Zeit als Delfin-Trainerin in Hawaii folgendes interessante Erlebnis. In den Sechziger-Jahren wollte Pryor als Teil ihrer Delfin-Show live demonstrieren, wie die Delfine eigentlich trainiert wurden. Dazu wartete sie, bis ein
bestimmter Delfin irgendein (zuvor untrainiertes) Verhalten zeigte und bestärkte dieses so lange, bis der Delfin dieses neue Verhalten stark verstärkt anbot. Das passierte von nun an täglich – der Delfin tat etwas, dass er in der Show normalerweise nicht tat und wurde dafür großzügig belohnt. Schnell stellte sich nun aber ein Problem ein – was passiert, wenn alle normalen Delfinverhalten verwendet wurden? Sehr zur Überraschung der Trainerin löste der Delfin das Problem von sich aus. Nachdem ihm die normalen Verhalten ausgegangen waren, liess er sich statt dessen eben neue Verhalten einfallen, die die Trainerin noch nie zuvor von ihm gesehen hatte und die auch nicht unbedingt zum normalen Verhaltensspektrum von freilebenden Delfinen zählen.
Was war passiert? Im Endeffekt hatte der Delfin gelernt, dass in diesem Teil der Show das von ihm erwartete Verhalten mach etwas Neues war, genauso wie er zuvor gelernt hatte, zu anderen Zeiten einen Ball auf der Nasenspitze zu balancieren. Nach allen üblichen Definitionen hatte der Delfin gelernt, in diesem Teil der Vorführung kreativ zu sein. Mehr Hintergrund hierzu findet ihr in Paul Chance – Learning & Behavior.
Die Box der 100 Verhalten
Im Katzentraining können wir eine ähnliche Übung verwenden, um die Kreativität unseren Katzen zu steigern. Wir nennen diese Übung die Box der 100 Verhalten (Karen Pryor spricht von 101 Things to Do with a Box - offensichtlich beherrschen unsere Katzen also zumindest ein Verhalten weniger als Pryor’s Hunde
). Das Prinzip der Box der 100 Verhalten ist einfach:
Ein paar wenige Hinweise zu dieser Übung:
- Bei dieser Übung ist es besonders wichtig, keinen Frust aufkommen zu lassen. Hier sollte wirklich Click auf Click folgen. Damit das auch geht, sollten wir als Trainer gerade anfangs keine allzu grossen Erwartungen an die angebotenen Verhalten stellen. Zum Anfang kann man an einer anderen Stelle riechen oder eine andere Stelle der Box berühren durchaus noch als neues Verhalten durchgehen lassen.
- Natürlich wird es mit Dauer der Trainingseinheit immer schwieriger für die Katze, neue Verhalten zu finden. Im Gegensatz zum hochtrainierten Star-Delfin von Karen Pryor werden unsere Katzen – wenn ihnen die üblichen Verhalten ausgehen -wohl nicht sofort munter neue Verhalten erfinden. Statt dessen wird die Übung irgendwann etwas ins Stocken kommen. Hier ist es wieder besonders wichtig, nicht zu viel Frust aufkommen zu lassen und jeden Anflug von Initiative und Kreativität gleich zu verstärken.
- Bei dieser Übung muss auch auf die Trainingszeit geachtet werden. Da die Katze hier sehr gefordert wird, kann es sein, dass sich die Konzentrationsspanne der Katze gegenüber dem üblichen Training verkürzt. Wenn ihr also merkt, dass die Katze nicht mehr ganz so konzentriert ist, hört lieber früher als zu spät auf.
- Wenn ihr schon länger mit eurer Katze trainiert, aber diese Übung noch nie gemacht habt, könnte es sein, dass die Katze anfangs sehr verwirrt ist. Das ist auch verständlich, schliesslich ist normalerweise ein Click immer ein Zeichen für toll, gleich nochmal. In dieser Übung heisst der Click aber toll, aber jetzt mach was anderes. Das ist schon eine Umstellung, für die ihr der Katze etwas Zeit geben solltet.
Alternativen
Natürlich kann man die Box der 100 Verhalten nicht nur mit einer Schachtel üben. Statt dessen könnt ihr auch mit verschiedenen anderen Gegenständen experimentieren, so lange die Katze irgendwelche Möglichkeiten hat, mit dem Gegenstand zu interagieren.
Das ist auch der Grund, warum man im Allgemeinen eine Box verwendet. Man kann mit dieser einfach mehr anstellen, als zum Beispiel mit einer Flasche oder einem Stofftier. Reizvoll ist aber sicher auch, diese Übung einmal ganz ohne Requisit auszuprobieren. Auch (oder sogar gerade) ohne Requisit sind die möglichen Verhalten, die die Katze anbieten könnte, fast unbegrenzt.

Ich fand diesen Artikel sehr interessant. Danke für das Teilen. Lesen Sie Ihre Blog-Posts, motiviert mich, mehr zu arbeiten Training meine Katzen zu tun. Halten Sie sich die gute Arbeit!
Super Artikel! Weiter so!